Tag Archives: Rotkehlchen

Feldrohrsänger auf Helgoland

Über ornitho.de wurde für Helgoland ein Feldrohrsänger (Acrocephalus agricola) gemeldet. Wir sind ganz in der Nähe des Südhafengeländes wo sich der Feldrohrsänger in einem mit Stauden bewachsenen Schutthaufen herumtreiben soll. Der Vogel sei aber recht unscheinbar und würde sich gerne in dichter Vegetation aufhalten. Wir müssen da natürlich direkt hin obwohl der Überfall eines Sperbers (Accipiter nisus) – erfolgreich wohl mit einem Rotkehlchen (Erithacus rubecula) mich schon fast zur Verzweiflung bringt. Wir sehen schon von weitem Birder, schwer behangen mit Objektiven, Stativen und Spektiven, aus einem Brachland direkt hinter einer stark frequentierten Baustelle hervorkommen. Ich spreche einen der Vogelfreunde an. Ja, der Feldrohrsänger ist – wie versprochen – noch da und sei sogar recht kooperativ. Als wir hinkommen ist noch ein anderer Fotograf zugange, was an der auf dem Boden liegenden Tasche zu erkennen ist. Ich kann den Vogel richtig schön frei aufnehmen. Als wir den richtigen „Eingang“ gefunden haben, sitzt der Fotograf schon auf lauert mit seiner Ausrüstung einem Vogel mitten im dichten Kohl auf. Es ist der Feldrohrsänger: eindeutig. Klar als Acrocephalus- Rohrsänger zu erkennen und daher auf jeden Fall fotografisch Continue reading Feldrohrsänger auf Helgoland

Buchfink mit Nistmaterial im Kiefernwald

Vor lauter Haaren – oder sind es Kiefernnadeln – sieht man den Besitzer fast nicht. Es ist ein Männchen eines Buchfink (Fringilla coelebs), das Nistmaterial für sein Nest gesammelt hat. Damit sieht der Buchfink wie mit einem ausladenden Schnurbart versehen aus.

Kurz vorher hatte ich dieses Buchfink-Männchen – vielleicht war er der Besitzer des Territoriums traf an einem schönen Vormittag in einem Waldstück bei Brandenburg auf ein anderes Männchen. Dieses Männchen saß regungslos etwas eingeschüchert ca. 1 Meter entfernt auf dem nächsten Ast. Es war offensichtlich ein Eindringling. Der Territoriumsbesitzer schwankte mit nach vorne gehaltenem Kopf vorwärts und abwärts und dann wieder zurück. Die weinrote Brust wurde durch diese Bewegung sehr schön betont. Das auffälligste Merkmal war aber der erweiterte weiße Schulterfleck auf den Flügeln, der zur Hälfte geöffnet und seitlich verlängert war. Die Flügel waren dabei leicht unten geneigt. Dies verlieht dem Vogel ein merkwürdig abgeflachtes Aussehen verlieh. Während des Schwankens stieß der Vogel schnelle, komprimierte, hohe Rufe, man kann sie fast als Liedphrasen bezeichnen, aus. Diese erschienen denen Lauten eines Rotkehlchen (Erithacus rubecula) sehr ähnlich.  Der Eindringling schien gebührend beeindruckt und nahm bald reißaus und wurde anschließend noch verfolgt. Anschließend konnte ich auch das Weibchen des Buchfinks Continue reading Buchfink mit Nistmaterial im Kiefernwald

Vogelfotografie in den Rieselfeldern Münster

FitisEin ohrenbetäubendes Gekreische ist schon von der schmalen Straße am Rand des Schutzgebiets „Rieselfelder Münster“ zu hören. Von einer Aussichtshütte wird man früh am Morgen Zeuge wie die Sonne im Osten sich mit einem dünnen Lichtschein, später mit goldgelben Licht ankündigt und dann mit einem dicken Feuerball aufgeht. Dieses Spektakel beleuchtet eine – für das Innenland – beeindruckendes Vogelschauspiel. Eine große Lachmöwenkolonie hat Junge, die teils schon recht groß aber immer noch bettelnd für eine beeindruckende Geräuschkulisse sorgen. Die vielen Enten, ebenfalls mit Nachwuchs, stehen den Möwen nur geringfügig nach.

Am Vortag hatte es heftig Gewitter mit Regenfällen gegeben. Die Luft ist nun ganz frisch und kühl. Ein teil auffrischender Wind aus Ost weht ebenfalls. Der Eindruck ist überwältigend. Wenn man sich das im Hintergrund stehende Windrad wegdenkt, könnte man sich auch irgendwo in eine Wildnis denken, wo die Natur noch in Ordnung ist. Das hier ist aber alles Menschenwerk. Perfekt mit Bewässerungsgräben inszeniert, aber alles andere als ein natürlicher Continue reading Vogelfotografie in den Rieselfeldern Münster

Zwergschnäpper an der „Grossen Treppe“ auf Helgoland

ZwergschnäpperZunächst verrät nichts die Anwesenheit eines Zwergschnäppers (Ficedula parva). Aber heute früh ist er von der „Großen Treppe“, der Verbindung von Ober- zu Unterlang auf Helgoland gemeldet worden. Zuerst sind nur die Zilpzalpe (Phylloscopus collybita) und der Zaunkönig (Troglodytes troglodytes) im Hang zu hören. Von der Empore auf mittlerer Höhe der Großen Treppe lausche ich den Vogelstimmen. Ich versuche den Gesang nachzupfeifen. Zuerst geschieht gar nichts. Dann ernte ich einen knarrenden Laut mitten aus dem Dickicht.

Während der Gesang als recht melodiös bezeichnet werden kann, der durch seine pfeifenden Bestandteile in absteigender Tonhöhe charakterisiert ist, ist der Ruf deutlich weniger auffällig. Der Ruf ist nur kurz. Auch dem Gesang gehen häufig „zit“ -Silben voraus. Ähnlich ist der Ruf: ein dünnes, hohes, kurzes “dzik” oder “zit”, das manchmal in lose tickende “tk tk tk …” – Reihen übergeht. Der knarrende Laut, den ich höre, könnte mit dem in der Literatur beschriebenen “zrrrt” als Alarm-Ruf zu tun haben.

Das könnte der Zwergschnäpper also doch sein. Eigentlich ist die letzte Beobachtung schon was länger – einige Stunden – her. Plötzlich ist da Bewegung im Schatten der nahe stehenden Ahorn- Continue reading Zwergschnäpper an der „Grossen Treppe“ auf Helgoland

Auf die Kehle kommt es an: Blaukehlchen

Friesische Nachtigall wird das Blaukehlchen (Luscinia svecica) zu Recht genannt. Dabei spielt nicht nur die Qualität des Gesangs eine Rolle. Von den farbenfrohen, bunten Drosselvögeln gibt es in Deutschland vier verschiedene Arten. Die bekannteste ist wohl das Rotkehlchen (Erithacus rubecula) mit leuchtend rot gefärbter Brust. Dieser meisterliche Sänger mit seinen klaren Strophen brütet vor allem in Gärten, unterholzreichen Wäldern und Parks. Im Winterhalbjahr sind sie neugierig und oft wenig scheu. Rotkehlchen sind beispielsweise auf Friedhöfen oder in Parks sehr leicht zu fotografieren, da sie hier an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt sind. Dennoch sollte man den kaum sperlingsgroßen Vögeln mit langer Brennweite arbeiten, um sie möglichst formatfüllend aufzunehmen.

Die Blaukehlchen sind vorwiegend in Feuchtgebieten und an verschilften Weihern und Gräben zu Hause. Dort verbergen sie sich häufig geschickt am Boden und im Schutz der Ufervegetation. In Mitteleuropa haben die Männchen im Prachtkleid eine leuchtend blaue Kehle mit mehr oder weniger großem, sogenannten weißem Stern, während der Stern der nordeuropäischen Art rot gefärbt ist. Continue reading Auf die Kehle kommt es an: Blaukehlchen

Auf die Kehle kommt es an: Schwarzkehlchen

Schwarzkehlchen (europ.)In der Reihe von Rotkehlchen (Erithacus rubecula), Braunkehlchen (Saxicola rubetra) und Blaukehlchen (Luscinia svecica) darf das (europäische) Schwarzkehlchen (Saxicola rubicola) natürlich nicht fehlen. Es ist auf Anhieb in einem ähnlichen Habitat zu Hause wie das Braunkehlchen. In einer offenen, buschreichen Landschaft mit überwiegend kargem Bewuchs lebt dieser Sänger, der in Gestalt und Verhalten dem Braunkehlchen sehr ähnlich ist. Das auffallend kontrastreich gefärbte Männchen unterscheidet sich vom männlichen Braunkehlchen durch den schwarzen Kopf und die weißen Halsseiten. Außerdem fehlt der hellen Streifen über dem Auge wie er beim Braunkehlchen zu finden ist. Das Schwarzkehlchen sitzt meistens auf dem Boden oder noch häufiger auf einer exponierten Buschspitze. Es singt von seiner Warte aus oder präsentiert sich ebenfalls im Singflug. Das kontrastreich gefärbte Schwarzkehlchen trägt sein Lied häufig von der Spitze eines einzeln stehenden Busches in der ansonsten offenen Landschaft vor.

Der Bestand dieser Art hat, wie bei vielen anderen Ödland- und Wiesenbrütern auch, stark abgenommen, da sein Lebensraum, die Continue reading Auf die Kehle kommt es an: Schwarzkehlchen

Vogelfotografie in Eis und Schnee

RaubwürgerAuf dem niederen Fläming überwintert seit Jahren der Raubwürger (Lanius excubitor). Mein Ziel war es, diesen scheuen Vogel vor die Linse zu bekommen. Ab Anfang Oktober suchte er wieder sein Winterquartier auf. Es war nicht schwer, seine Lieblingswarte, einen Heckenrosenbusch, auszumachen. In etwa 10 Meter Entfernung stand ein Anhänger mit einer Jagdhütte darauf. Dieser sollte – nach Rücksprache mit dem Jagdpächter – mein Fotoansitz sein. Die Hütte war aus Holz gezimmert und geräumig genug. Damit mußte sich glücklicherweise der Raubwürger nicht an ein Versteck gewöhnen, denn die Hütte stand schon ein Weile. Fotografiert habe ich ihn allerdings erst im Dezember, als er mit der Mäusejagd begann. Besonders fasziniert mich, wenn der Winter plötzlich hereinbricht, die Landschaft über Nacht mit Schnee und Raureif überzieht, wenn die Luft klar und eisig ist. Solche Tage muss man nutzen, denn in unseren Breiten sind sie nicht sehr häufig. Meistens bin ich dann bereits vor Sonnenaufgang unterwegs.

Der Fläming weist schon kontinentales Klima auf. Im Winter kann es Temperaturen bis zu minus 20°C und über mehrere Wochen hohen Schnee geben. Da heißt es dann, sich warm anzuziehen. Um kalte Continue reading Vogelfotografie in Eis und Schnee

Rotkehl-Tapaculo im Pumalín Park/ Chile

RotkehltapaculoEin Dickicht aus Bambus, Farnen, Pilzen und Moos bietet im Inneren der patagonischen Wälder vielen Tieren Versteckmöglichkeiten. Der König der Wälder ist der Rotkehl-Tapaculo (Scelorchilus rubecula), ein kleiner Vogel mit einem kunstvollen und lauten Ruf, der typisch für die Regenwälder im Süden Chiles ist. Er lebt jedoch sehr versteckt und ist daher schwierig zu beobachten. Ich versuchte es einfach mal mit einem Tonband und dem stillen Sitzen im dichten Regenwald  in der Nähe des Tronador Campingplatzes. Der Campground nördlich von Caleta Gonzalo und 46 Kilometer nördlich von der kleinen Stadt Chaitén.

Kälte und Feuchtigkeit sind für die Entstehung der feucht-temperierten Regenwälder im Süden Chiles verantwortlich. Über Jahrmillionen waren die Wälder durch klimatische und geographische Bedingungen isoliert: das Bergmassiv der Anden im Osten, das trockene Klima im Norden und der Pazifische Ozean im Westen. Dadurch entwickelte sich in den Wäldern eine einzigartige Tier-und Pflanzenwelt. Der chilenische Regenwald erstreckt sich vom Fluß Maule bis an die äußerste Spitze des Landes nach Tierra del Fuego. Reist man die Strecke von Norden nach Süden, sinkt die jährliche Durchschnittstemperatur von 12 auf 5 Grad – dafür steigt die Niederschlagsmenge um das Dreifache. ln der Region um den Maule gehen die mediterranen Wälder allmählich in Continue reading Rotkehl-Tapaculo im Pumalín Park/ Chile

Weissbrauendrossel in der Westpaläarktis

WeißbrauendrosselDie Weißbrauendrossel (Turdus obscurus) ist sehr seltener Gast in Europa. Sie brüttet in der Taiga Sibiriens. In der einschlägigen Literatur findet man für Deutschland nur 12 Nachweise im 19. Jahrhundert und gar nur 4 Nachweise im 20. Jahrhundert bis 1979. Ein Fang im 19. Jahrhundert war zuerst fälschlich mit einer Rotdrossel (Turdus iliacus) – wahrscheinlich wegen des Überaugenstreifs – verwechselt worden. Eine der letzten Beobachtungen in Deutschland datiert vom Oktober 1994 von Helgoland. Nach einem Artikel der britischen Birder-Website www.birdguides.com war kurzzeitig Anfang November 2016 eine Weißbrauendrossel am Bolam Lake in Northumberland zu sehen. Die Drossel war wohl nur 2 Tage vor Ort. Trotzdem waren viele Twitcher aus ganz Europa (u.a. Schweden, Belgien, Frankreich und natürlich Großbritannien) vor Ort, um diesen Vogel aufzusuchen und teilweise auch tolle Fotos zu schiessen.

Der glückliche Finder war am Nachmittag mit dem Hund seiner Eltern unterwegs und wollte nur eine Schleife um den Park drehen Continue reading Weissbrauendrossel in der Westpaläarktis

Frühlingsboten: Balzgesang bei Singvögeln

DorngrasmückeDie Vielfalt der Vogelstimmen ist geradezu überwältigend, denn jede Vogelart hat ihren eigenen, unverwechselbaren Gesang. Damit die Strophen auch möglichst weit hörbar sind, müssen sie zum einen laut genug sein, zum anderen sollten sie möglichst aus einer erhöhten Position vorgetragen werden. Vogelarten, die wie die Lerchen ursprünglich in baumlosen Steppenlandschaften beheimatet waren, tragen daher ihre Gesangsstrophen vorwiegend im Flug vor. Auch Baumpieper (Anthus trivialis), Girlitz (Serinus serinus), Birkenzeisig (Acanthis cabaret),  Vögel also, die in der offenen Kulturlandschaft leben, führen Balzflüge vor, während sie singen. Dies gilt auch für die Dorngrasmücke (Sylvia communis). Andere Grasmücken (Sylvia sp.) und auch die Braunkehlchen (Saxicola rubetra), die im dichten Buschwerk ihr Zuhause haben, veranstalten während der Balz von Zeit zu Zeit Luftspiele, um auch optisch auf sich aufmerksam zu machen.

Vögel, die im dichten Wald leben, wie Buchfinken (Fringilla coelebs), Gimpel (Pyrrhula pyrrhula) und Continue reading Frühlingsboten: Balzgesang bei Singvögeln

Malá Fatra: Vögel des Frühlings in der Slowakei

NachtigallEin Ausflug in die Malá Fatra ist immer ergiebig. Von Bratislava ist das Gebiet in knapp 2 Stunden erreicht. So machten wir uns im zeitigen Frühjahr auf und erkundeten zuerst die Tallagen des Gebiets und erklommen alsdann die Hänge, die teilweise mit altem Baumbestand bewachsen sind. Dieses Jahr hatten wir das Glück zu einem recht späten Zeitpunkt noch wandernde Kröten (Bufo bufo) zu sehen, während im Unterholz schon der Hohle Lerchensporn (Corydalis cava), auch Hohlknolliger Lerchensporn genannt, wuchs. Neben dem Hohlem Lerchensporn einem schönen Frühlingsblüher aus der Familie der Mohngewächse waren auch Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) und Bärlauch (Allium ursinum) zu finden. Der letzte Schnee des Winter war noch nicht lange getaut und der Frühling hatte gerade erst Einzug gehalten. Das hatte den Vorteil, daß das löcherige Kronendach der nur spärlich belaubten Bäume einen schönen Durchblick gewährte. Das machte es viel leichter, Vögel zu beobachten. Interessant war die Kombination von Schneeglöckchen im Unterholz des Waldes und singenden Halsbandschnäppern (Ficedula albicollis) oben in den Baumkronen. An den Bächen und kleinen Flüssen waren Wasseramseln (Cinclus cinclus) schon sehr Continue reading Malá Fatra: Vögel des Frühlings in der Slowakei

Gesang: Singvögel bei der Balz

BlaukehlchenGesang ist die wohl verbreitete Art der Partneranlockung unter Vögeln. Das Blaukehlchen (Luscinia svecica) des Fotos hatte sein Revier entlang eines Entwässerungskanals bezogen und schmetterte sein Lied in die frische, morgendliche
Frühlingsluft. Auch die Feldlerche als ganz früher Frühlingsbote ist ein bekannter – wenn auch zunehmend seltenerer – Sänger.

Im Gegensatz zu den Rufen, die beide Geschlechter hervorbringen und das ganze Jahr über zu hören sind, wird der Reviergesang meist nur von den Männchen zur Paarungszeit vorgetragen. Wenn mit dem beginnenden Frühjahr Continue reading Gesang: Singvögel bei der Balz