Tag Archives: Fringilla montifringilla

Zugvogelbeobachtung am Tötschberg/ Eifel

Es war noch dämmrig, als ich in dem auf ca. 246m NN gelegene Bergkuppe Bürvenicher Berg direkt gegenüber vom Tötschberg ankam. Vor mir die Weite der Zülpicher Börde, die hier zu den Eifelbergen beginnt zu steigen.

Eingeleitet wurde der Vormittag mit einem Trupp von 3 Roter Milanen (Milvus milvus), die im aktiven Flug tief über den ansteigenden Äckern „Strecke“ machen wollten.

Der Vormittag zog sich mit vielen Zugbeobachtungen u.a. von Singdrosseln (Turdus philomelos) und Misteldrosseln (Turdus viscivorus) hin. Besonders war aber der Einflug eines jungen Habichtweibchens (Accipiter gentilis), das elegant über den Acker kreiste und sich dann in einer trockenen Holunderspitze niederließ. Das fand überhaupt nicht die Zustimmung eines Turmfalkenpaars (Falco tinnunculus), das daraufhin den Junghabicht vehement attackierte.

Auffallend waren die vielen Feldlerchen (Alauda arvensis), die ihre typischen Kontaktlaute im Flug riefen, schon von weitem im Osten zu beobachten waren und sich dann an dem Berg eine Ehrenrunde leisteten. Diese wurde gerne zum hin -und herfliegen genutzt. Dabei kam es dann auch immer wieder zu Flugmanöver und Interaktion en einzelner Exemplare, die einen gewissen Spaßfaktor zu zeigen schienen.

Der Buchfink (Fringilla coelebs) war im Untersuchungszeitraum die Continue reading Zugvogelbeobachtung am Tötschberg/ Eifel

Die Wacholderdrossel im winterlichen Bayrischen Wald

WacholderdrosselKlirrende Kälte herrscht in der tiefen Talfurche und die Erlen, die neben dem Bach dichte Bestände bilden, sind dick mit Raureif überzogen – “Winterflora” in Form gläserner Eiskristalle. Nur kurz scheint die noch tief stehende Januarsonne in das Tal herein und verwandelt das filigrane Gewirr der Äste und Zweige in einen lichtdurchfluteten Zauberwald. Tief über dem Wasser des Bachs aber, über dem dünne Nebelschwaben liegen, kommt ein Eisvogel (Alcedo atthis) entlang geflogen. Ihm macht die Kälte offensichtlich nichts aus.

Langsam steige ich auf dem verschneiten Weg höher zu den steilen Hängen, wo die charakteristischen Weiler des Bergtales, weit über das Land schauen und von senkrechten Felsformationen überragt werden. Am besonders sonnenexponierten, teilweise schneefreien Wiesenhang bilden Sträucher mit ihren eigenartigen Zweigen und ihrer dunkelgrünen Färbung einen deutlichen Kontrast zur Umgebung, in der im Sommer Feuerlilie, Akelei und Türkenbund blühen, jetzt aber nur abgestorbene Gräser das Bild beherrschen.

Weiter oben stehen inmitten einer Reihe von kahlen Laubbäumen, die einen alten Flurweg säumen, ein paar Ebereschen. Ihre Beeren, die Vogelbeeren, prangen in kräftigem Rot vor den dunklen Tannenwald und tragen lustige weiße Mützen, während unweit davon sich gerade ein Trupp von Wacholderdrosseln (Turdus pilaris) Continue reading Die Wacholderdrossel im winterlichen Bayrischen Wald

Die Fotografie von Kernbeißern: gar nicht so leicht

Als eine der größeren, farbenprächtigen Singvögel zeichnen sich Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes) durch ihre leuchtenden braun-orange-grauen Farben und ihre ungewöhnlich großen Schnäbel mit den kräftigen Kiefern aus. Kernbeißer sind wahre Schönheiten. Bekannt sind sie für die Fähigkeit mit ihren Schnäbeln, die Kerne von Weißdorn, Kirsche und sogar Zwetschgenkrerne „knacken“ zu können. Wie alle Finken benutzen Kernbeißer die Schneide an der Rückseite ihres Schnabels, um einen Kern zu halten, während sie ihn aufbrechen und gekonnt das Innere des Kerns mit ihren Zungen herausziehen.

Kernbeißer lieben es, sich von Samen der Hainbuche oder Weißbuche (Carpinus sp.) zu ernähren. Wenn Sie ein geeignetes Gebiet finden, steuern sie mit Vorliebe die Bäume an, die im Spätherbst mit Samen beladen sind. Häufig sind dann zwar viele Kernbeißer zu sehen, die durch die Äste huschen. Aber es ist normalerweise schwierig, sie durch die (restlichen) Blätter hindurch klar zu sehen. Die Vögel verhalten sich sind normalerweise eher unauffällig; trotz ihres farbenfrohen Gefieders. Außerdem verbringen sie große Teile des Jahres hoch in Baumkronen, wo sie vom Boden aus naheliegenden Gründen, schwer zu beobachten Continue reading Die Fotografie von Kernbeißern: gar nicht so leicht

Buchfink mit Insektenflügel am Schnabel

Auf dem Zug kommen Buchfinken (Fringilla coelebs) häufig in großen Ansammlungen vor, die neben vegetarischer Nahrung auf umgebrochenen Feldern auch immer wieder zu wilden Flügen auf schwärmende Insekten nach Fliegenschnäpperart aufbrechen. Dazu werden kurze Flüge aus einem Strauch unternommen. Für das menschliche Auge sind nur viele schwärmende Insekten in der Luft zu sehen.

Das Handbuch der Vögel Mitteleuropas im Band 14/II (5. Teil). Passeriformes von Urs N. Glutz von Blotzheim, weiß da mehr. Der Jagdflug soll wohl vor allem Dipteren dienen. Die Fluginsekten scheinen recht klebrig gewesen zu sein. Viele der Bilder der Anfang April in einem Holunder aufgenommenen Buchfinken weisen einen klebrigen Überzug oder Film auf den Schnäbeln auf. Das würde auch das recht häufige Schnabelputzen an den Holunderzweigen erklären.

Das schöne Bild des Blogs zeigt jedenfalls einen Flügel, der sich nicht beabsichtigt an der Spitze des Schnabels klebt. Wenig später hatte Continue reading Buchfink mit Insektenflügel am Schnabel

Buchfinken-Trupps auf dem Frühjahrszug

Wie bunt-bemalte Eier im Osterstrauch sitzen dieser Tage Buchfinken (Fringilla coelebs) und andere Singvögel in den Gehölzen der Feldmark im südlichen Brandenburg. Nicht nur im abendlichen Sonnenlicht ein ganz besonderer Anblick. Immer wieder fliegen kopfstarke Trupps aus Holunderbüschen in die angrenzenden Felder, die gerne schon mit dem ersten Kohl bestanden sein können oder aus abgeernteten, schon umgebrochenem Acker bestehen. Da werden dann die Reste von der herbstlichen Maisernte aufgegriffen. In recht kurzen, unregelmäßigen Abständen fliegen die Finken, dazwischen auch immer wieder Bergfinken (Fringilla montifringilla), zurück in einen Strauch. Es kommt auch immer wieder zu wilden Flügen auf schwärmende Insekten nach Fliegenschnäpperart, die aus dem Strauch unternommen werden. Für das menschliche Auge sind die vielen Insekten – wohl vor allem Dipteren – fast nicht zu sehen. Für die Buchfinken scheint es zu genügen. Diese Fluginsekten scheinen aber recht klebrig gewesen zu sein. Etliche Buchfinken weisen nämlich auf den Bilder einen Film auf den Schnäbeln auf, was das Continue reading Buchfinken-Trupps auf dem Frühjahrszug

Where and how to photograph Hawfinches

Right now, there is a large invasion of Hawfinches (Coccothraustes coccothraustes) recorded for Great Britain. The peak took place in fall 2017, and good numbers have remained during the winter months. With fewer than 1,000 breeding pairs in Britain, Hawfinch populations are critically low and the bird is Red-listed as a Bird of Conservation Concern, according to the RSPB.

On the continent – especially in the eastern parts, Hawfinches are not as rare as in the western part of Europe. But to photograph them, is tricky enough.

Hawfinches are notable for their bright brown-orange-grey colors and for their unusually large beaks and strong jaws. Hawfinches are real beauties. Famous are their beaks, which can shear open hawthorn, cherry and even damson stones. Like all finches, Hawfinches use the cutting edge at the back of their bills to hold a stone while they crack it open and skilfully extract the kernel with their tongues.

Hawfinches love to feed on hornbeam seeds. If you find a suitable Continue reading Where and how to photograph Hawfinches

Finken gönnen sich Sonnenblumen

GrünfinkIm Herbst sieht man inzwischen auch in Brandenburg immer wieder Felder mit schon überreifen Sonnenblumen. Offensichtlich werden sie bewußt erst spät – oder gar nicht – abgeerntet. Wahrscheinlich handelt es sich um eine sogenannte “Blühstreifen”- Maßnahme, die finanziell gefördert wird. Es scheint, daß dies besonders auf Flächen passiert, die mindestens 3 Jahre als Acker genutzt wurden. Meist wird solch ein Feld in einer Breite von 6 bis max. 12 m neben Mais-Monokulturen angelegt. Es werden neben Sonnenblumen und Senf noch einige Blühpflanzen mehr ausgesät. Die Maßnahme ist jedenfalls für die Finken im Herbst eine willkommene Gelegenheit sich noch mal richtig voll  zu fressen bevor der Winter für karge Kost sorgt.

Es lohnt sich an solchen Feldern zu halten und auf die einfliegenden Vögel zu warten. Geduld wird belohnt. Nach einer Weile kommen nach und nach verschiedene Vögel angeflogen. U.a. sind dann schnell Grünfinken (Carduelis chloris)  – wie in dem Bild des Blogs -, Stieglitze (Carduelis carduelis) und Feldsperlinge (Passer montanus) zu sehen. Wenig auffällig, aber auch schnell mal mit dabei kommen Goldammern (Emberiza citrinella) angeflogen. Es lohnt sich einen genauen Blick – am besten mit einem Spektiv – auf die Trupps der Ammern zu werfen. Manchmal ist noch eine Rohrammer (Emberiza schoeniclus) auf dem Zug Continue reading Finken gönnen sich Sonnenblumen

Nach Alaska für die WP-Birdlist?

DickschnabellummeWarum sollte man allen Ernstes 8.000 km und neuneinhalb Stunden in eine berüchtigte Regenecke mit hohen Preisen fliegen, um sich Vögel anzugucken, die in den meisten Fällen auch anderswo viel einfacher, angenehmer und billiger zu sehen sind. Gute Frage! Hierauf ein paar Antworten.

Eine Antwort ist, daß es einfach Spaß macht, sich vor allem in den Zugzeiten an der schiere Masse an verschiedenen Vogelarten zu begeistern. Was einem Nordamerikaner anspornt wie die Möglichkeit Saatgänse (Anser fabalis), Reiherenten (Aythya fuligula), Zwergsäger (Mergellus albellus), Uferschnepfe (Limosa limosa), Grünschenkel (Tringa nebularia), Bruchwasserläufer (Tringa glareola), Flußuferläufer (Actitis hypoleucos), Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes) oder Bergfinken (Fringilla montifringilla) zu sehen, wird einem Birder der West-Paläarktis zwar eher ein müdes Lächeln entlocken.

Aber ein Grund ist auf dem Bild des Blogs schön zu sehen. Dickschnabellumme (Uria lomvia) sind an den normalerweise von WP-Birdern frequentierten Plätzen in Norwegen oder Schottland viel seltener als die allgegenwärtige Trottellumme (Uria aalge). Hier, auf den Alaska vorgelagerten Inseln ist das andersherum. Schön ist der weiße Streif am Schnabelwinkel der Dickschnabellumme (Uria lomvia)  zu sehen. Perfekte Gelegenheit, um ausgiebig Fotos dieses auch in der Westpaläarktis Continue reading Nach Alaska für die WP-Birdlist?

Passerine vagrants on St. Paul – Pribilof Islands

RubinkehlchenAs the plane gets closer to the barren island of St. Paul, the first impression is Brown und Olive-green. Later we see that there are not only brown and olive colors on the island. Metre-high waves of a dark blue sea are breaking against the rugged, rocky coast which is shimmering black. As we land, sunrays are breaking through the clouds. Enchantment in a wild landscape. The melancholic character of the open tundra is obvious. When we get off the plane in front of the hangar, it is very quiet at once. What a contrast to the noise in the machine. Only now and then we hear the melancholy flight song of Lapland Buntings (Calcarius lapponicus) or the high trill of the local race of Rock Sandpiper (Calidris ptilocnemis).

Barren tundra-covered hills dominate the landscape of the Pribilof Islands. But these island also host the largest seabird colony in the Northern Hemisphere with 98 percent of the world population of Red-legged Kittiwake (Rissa brevirostris). In addition, the strongest breeding colony Continue reading Passerine vagrants on St. Paul – Pribilof Islands

Zugvogelraritäten auf den Pribilofs

BruchwasserläuferDie kleine Saab-Propellermaschine ist schon seit gut einer Stunde über dem unendlichen nördlichen Pazifik unterwegs als in weiter Ferne ein brauner Streif Inseln im windgepeitschten Meer der Beringsee auftauchen. Das sind die Pribilofs. Wir steuern St. Paul an. Der Flug hat immerhin gut 3 Stunden mit Unterbrechung in einem verlassenen Nest gedauert. Braun ist die vorherrschende Farbe, die man beim Anflug auf St. Paul wahrnimmt. Mit Platz 2A hatte ich einen der vorderen Plätze ergattert und kann ganz gut auch den Rucksack unter dem Vordersitz unterbringen. Die Gepäckafubewahrung oberhalb der Sitze ist nämlich extrem schmal. Das sollte man als Fotograf beachten. Die Maschine hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Als die Turbo-Props am Flughafen von Anchorage angeschmissen wurden, denkt man, das kann doch nicht wahr sein. Es werden Oropax verteilt. Das Getöse der Maschinen wird man nur 3 Stunden lang nicht los.

Als wir näherkommen, sehen wir, daß es nicht nur braune Farbe auf der Insel gibt. Meterhohe Wellen aus einem dunkelblauen Meer brechen gegen die schroffe, felsige schwarzschimmernde Küste. Als wir landen, brechen auf einmal Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Sie verzaubern ruckzuck die wilde Landschaft. Der melancholische Charakter der offenen Tundra ist offenkundig. Als wir aus dem Flugzeug vor dem Hangar aussteigen, ist es auf einmal ganz ruhig. Was für ein Kontrast zu dem Lärm in der Maschine. Nur ab und zu erklingt der melancholische Fluggesang der Spornammer (Calcarius lapponicus) oder die hohen Triller der Beringstrandläufer  (Calidris ptilocnemis).

Baumfreie, Tundra-bedeckte Hügel prägen das Continue reading Zugvogelraritäten auf den Pribilofs

Pribilof: Inseln im windgepeitschten Meer

RotschnabelalkWeit draußen in der Beringsee, fast 500 km westlich vom Festland Alaskas und knapp 400 km nördlich der Aleuten, liegen die Pribilof-Inseln im windgepeitschten Meer der Beringsee. Angeblich sind die Inseln nach dem russischen Pelzhändler Gavrill Pribylov benannt, der im 18. Jahrhundert in St. George Island an Land ging. Die Witterung ist rau, die Wolken hängen tief, es regnet praktisch jeden Tag. Was also treibt Naturfreunde und Fotografen auf so schwer zugängliche, kalte, regenreiche und kulinarisch unterversorgte Inseln?

Die Antwort ist schnell gegeben. Die Inseln beherbergen wohl die größten Seevogelkolonien der nördlichen Hemisphäre. Vor allem die Insel St. George verzeichnet das größte Vorkommen an Seevögeln in der nördlichen Hemisphäre.

In diesem Archipel herrscht ein unglaublicher Reichtum an Fischen und anderen Meerestieren. Viele der aus dem Meer ragenden Felsklippen sind daher von Seevögeln vereinnahmt. Mehr als 2,5 Millionen Seevögel von 230 Arten nisten auf den Pribilofs.

Die Pribilof-Inseln werden auch das “Galapagos des Nordens” genannt. Mit seinen riesigen Kolonien Continue reading Pribilof: Inseln im windgepeitschten Meer

Spring migration along the Baltic Sea coast

BuchfinkSunrise over the southern shore of the Baltic Sea. Grey dots swinging in the air reveal themselves as migrating songbirds. And there were masses of grey dots. One flock after another passed the steep cliff of the island of Usedom in the morning of eastern. A fresh wind blowing from the south obviously pushed the birds from their wintering grounds up to the north. At the southern coast of the Baltic Sea the birds realized the huge area of open water and preferred to stay on an eastern direction to reach their breeding territories.

Up to that the sunny, windy Sunday morning only the very first migrating songbirds as Goldcrest (Regulus regulus) and European Robin (Erithacus rubecula) could be found quite numerous in the bushes of the island of Usedom in north-eastern Germany. But following the wind from the south, masses of Common Wood-Pigeon (Columba palumbus) appeared over the canopy Continue reading Spring migration along the Baltic Sea coast