Category Archives: Verhalten

Waldschnepfen im Winterquartier

WaldschnepfeDie Bäume sind kahl, das braune Laub liegt auf dem Waldboden. Verirrt sich der Wanderer im Wald in eine kleinen Sumpf, der dicht mit Laub bedeckt ist, kann es passieren, dass urplötzlich ein Tier direkt vor den Wanderschuhen auffliegt und zwischen den Baumstämmen elegant entschwindet. Das kryptische Federkleid von Waldschnepfen (Scolopax rusticola) ähnelt dem abgefallener, verrottender Blättern des Waldbodens so sehr, dass die meisten Sichtungen der Waldschnepfen im Winterhalbjahr in der Regel erfolgen, wenn die Vögel aus nächster Nähe wegflitzen. Durch das kryptische Gefiedermuster und das insgesamt ruhige Verhalten sind sie nur sehr schwer zu erkennen. Waldschnepfen sind Teil der Brutavifauna unseres Landes. Der Herbst bzw. Winter bietet jedoch vielleicht die beste Chance, diese zurückgezogen lebende Art zu sehen, wenn zusätzlich ankommende Zugvögel landen. So ist es vor einigen Tagen im Schwarzes Luch am Schwielochsee im östlichen Brandenburg geschehen, als eine Waldschnepfe in Kiefernaltholz aufgescheucht wurde. Trotzdem Continue reading Waldschnepfen im Winterquartier

Samtenten auf dem Mellensee

Die Seen im südlichen Brandenburg sind vielleicht weniger bekannt als der Schwielowsee zwischen Potsdam und Ferch aber nicht weniger interessant für winterliche Vogelbeobachter. So sind auf dem Mellensee gut 30 km südlich von Berlin zwar keine Mittelsäger (Mergus serrator) oder Ohrentaucher (Podiceps auritus) zu beobachten, aber dafür sind auch hier Schellenten (Bucephala clangula), und Gänsesäger (Mergus merganser) sehr zahlreich. Eine Überraschung waren zu Neujahr die 4 Samtenten (Melanitta fusca). Eine Überraschung war auch der vereinzelte Sterntaucher (Gavia stellata), der auf dem nahe gelegenen Großen Wünsdorfer See am gleichen Tag zu sehen war.

Die Samtenten waren vom Westufer nur als dunkle, fast schwarze, Enten vor dem Schilfstreifen am Ostufer zu erkennen. Selbst mit dem Spektiv war die Beobachtung im neblig-grauen Winterwetter nur unzureichend möglich. Von einer offenen Stelle am Ostufer schwammen die Enten aber im Trupp sehr schön über einer der beiden tiefsten Stellen (hier wird wohl eine maximale Tiefe von 9 Metern erreicht) des Sees und badeten mit vielen Wasserspritzern. Von Zeit zu Zeit tauchten die Enten und kamen dann mit Krebsen, wohl Kamberkrebse (Orconectes limosus) im Schnabel wieder hervor.

Der Mellensee bei der Ortschaft Am Mellensee weist eine Seegröße von immerhin 216 ha und eine maximale Tiefe von 9 Metern auf. Er ist damit etwas kleiner als der gerne besuchte Blankensee westlich von Trebbin aber dafür an der tiefsten Stelle doppelt so tief. Im Vergleich der Blankensee: Seegröße (ha): 283 und eine maximale Tiefe von 4 Metern. Das könnte das Vorkommen der Samtenten hier ebenso wie die kopfstarken Bestände des Fischjägers, des Continue reading Samtenten auf dem Mellensee

Masseninvasion des Bergfinken in winterlicher Apaj-Pussta

BergfinkDas erste Ziel war Matrafüred, ein Wintersportort und ein Erholungsort in der Mátra im Norden Ungarns. Für westeuropäische Verhältnisse bemerkeswert war schon die geringe Scheu von Misteldrosseln (Turdus viscivorus) in den Obstbäumen auf die wir von unserer Pension praktisch auf Augenebene schauen konnten. Die Misteln zogen die Misteldrosseln magisch an. Daher ja auch der Name. Auch der ein oder andere Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes) trieb sich in den Obstbäumen herum. Für Westdeutsche auch das ein eher seltener Anblick. Ansonsten sass der Kernbeißer auf einer Regenrinne direkt vor unserem Dachfenster im Ort Matrafüred. Mit einem praktisch unmerklichen Aufhellblitz konnte ich ihn excellent und sehr scharf ablichten.

Nachdem es einige Tage geschneit hatte, wurde es zusehends trockener, aber auch deutlich kälter. Temperaturen unter -10° C waren keine Seltenheit. Einige Tage später, einen Tag nach dem Neujahrstag 1999, unternahm ich einen Ausflug von Budapest die Donau herunter in den NP Kiskunság. In der sogenannten Apaj-Pußta konnte ich eine Masseninvasion des Bergfinken (Fringilla montifringilla) bewundern. Die Luft war erfüllt von den Rufen der Finken. Über abgeernteten Sonnenblumenfeldern waren Schwärme zu sehen, die denen von Staren (Sturnus vulgaris) im Herbst in nichts nachstehen. In den blätterlosen Büschen nahebei hielten sich hunderte, ja tausende, von Bergfinken zur Rast auf. Ein eindrucksvoller Eindruck, den ich danach nicht mehr erleben durfte. Besonders auffallend war, dass die Bergfinken in artreinen Trupps unterwegs zu sein schienen. Jedenfalls habe ich – anders als es hierzulande der Fall ist – keine Buchfinken (Fringilla coelebs) dazwischen gesehen.

Um die wachsende Nachfrage nach Top- Aufnahmen der selteneren Arten der Paläarktis befriedigen zu können, hat bird-lens.com gezielt Reisen in die schönsten Naturlandschaften Brandenburgs oder Berlins aber auch an entfernte Orte unternommen. Dies alles um exzellente Fotos der Vögel der Westpaläarktis machen zu können. Die Ausbeute an Bildern auch von seltenen westpaläarktischen Vögeln ist sehr gut. Das Bild, das Sie im Blog sehen, ist nur ein erster Eindruck, was Sie in hinter dem Reiter “Picture Shop” sehr bald finden werden. Geben Sie bird-lens.com einfach Bescheid, wenn Sie das Bild einer Vogelart benötigen, bevor neue Bilder online sind.

Kornweihen am winterlichen Schlafplatz

Im ersten Morgenlicht sitzt eine weibliche Kornweihe (Circus cyaneus) auf einer abgebrochenen Moor-Birke (Betula pubescens) im ersten Morgenlicht in einem der vielen Luchs im südlichen Brandenburg. Ein Luch ist die nordostdeutsche Bezeichnung für eine ausgedehnte, vermoorte Niederung. Diese Luchs sind besonders in Brandenburg in den noch von der Eiszeit geprägten Landschaften zu finden.

Die Kornweihe schien das Luch als Schlafplatz für die Nacht gewählt zu haben. Hoch oben auf dem abgebrochenen Baumstamm schüttelte sie eine Weile das Gefieder, um dann zu kurzen Jagdausflügen zu starten. Schließlich überflog ein Sperber (Accipiter nisus) den Moorbirken-Bruchwald und streifte auch den Rastplatz der Weihe. Die weibliche Kornweihe verließ daraufhin die offen mit Gräsern bewachsenen Teile des Luchs und verschwand über den angrenzenden Wald. Plötzlich war eine zweite Kornweihe in der Luft. Gemeinsam flogen die Weihen nach Westen davon. Interessant war, dass 2 Tage vorher ein Männchen der Kornweihe ebenfalls im offenen Teil des Luchs vor einer Kiefer (Pinus sylvestris) zu sehen war. Es könnte sich also durchaus um einen Schlafplatz für Kornweihen in der Winterperiode handeln. Bevorzugt scheint ein Platz im Torfmoos-Seggen-Wollgras-Ried zu sein. Deutlich ist das Pfeifengras (Molinia caerulea) zu sehen. Das Pfeifengras ist vergesellschaftet u.a. mit Scheidigem Wollgras (Eriophorum vaginatum), Sumpfporst (Ledum palustre), Continue reading Kornweihen am winterlichen Schlafplatz

Weissstirn-Fächerschwanz im Anflug auf Springbrunnen

Weißstirn-FächerschwanzIm Anflug peilt der Weißstirn-Fächerschwanz (Rhipidura aureola) seine künftige „Badewanne“ an. Wenig später schon werden die Tropfen meterweit spritzen. Ausgiebig hat der Weißstirn-Fächerschwanz ein paar Minuten vorher schon in dem seichten Springbrunnen gebadet. Die Federn sind völlig durchnässt. Der Weißstirn-Fächerschwanz ist offensichtlich nicht wasserscheu. Auch in Sri Lankas Süden ist richtige Abkühlung wichtig. Auch Vögel sollen versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich bei der Gelegenheit von Mitbewohnern auf den Federn zu trennen. Zuerst kommt der Weißstirn-Fächerschwanz auf den Keramikrand, sichert und nippt vom Wasser in der Schale. Die Kühle tut gut. Dann stellt sich der Vogel mitten in den flachen Beckenbereich hinein. Das Wasser geht dem stehenden Vogel maximal bis zum Bauch. Dann heißt es den Kopf eintauchen, das Wasser in einer Drehbewegung hochschleudern und warten bis die Wassertropfen wieder herunter kommen. Anschließend mit nassem Bauchgefieder wieder hoch fliegen und dabei die Wassertropfen in der Gegend verteilen. Geschafft!

Für Vögel ist die Reinigung und Pflege des Gefieders eine wichtige Hygienemaßnahme und notwendige Gesundheitsvorsorge. Der Weißstirn-Fächerschwanz nimmt beispielsweise ausgiebige Wasser Continue reading Weissstirn-Fächerschwanz im Anflug auf Springbrunnen

Eichelhäher nimmt auch fleischliche Nahrung

Seit Oktober habe ich im Garten einen Futterplatz für die Vögel. Hier am Dorfrand gibt es viele Greifvögel. wobei der gefährlichste denke ich mal das hier ansässige Weibchen des Sperbers (Accipiter nisus)  ist. Jedenfalls ist den restlichen Vögel klar, dass man ihr am besten nicht begegnet.

Aber am gestrigen Tag hat sich da jemand ganz anderes in Szene gesetzt. Das hat mir wirklich die Sprache verschlagen. Immer mal wieder lungern Eichelhäher (Garrulus glandarius) um die Futterstelle herum. Einer der drei Eichelhäher ist am Nachmittag nochmal da gewesen, was öfters mal vorkommt. Er saß auf dem Zaun gegenüber dem Vogelhaus, etwas weiter daneben eine Kohlmeise (Parus major). Beide schauten zum Futterplatz.

Für die Vögel am Futterplatz war der Eichelhäher nicht unbekannt, aber es gab an sich nie Stress. Ich denke das erklärt die Unbefangenheit der kleinen Vögel.

Es ging damit weiter, dass eine Blaumeise (Cyanistes caeruleus) aus dem Vogelhaus des Nachbarn rauskam. Mit einem Sonnenblumenkern ist sie ist auf dem Gras unseres Gartens gelandet. Die Kohlmeise ist ins Vogelhaus geflogen und der Eichelhäher auf den Rasen. Der Eichelhäher ist auf der Blaumeise gelandet und hat sie sich gepackt. Ich dachte, ich schau nicht richtig. Sie hat noch das Flügelchen gestreckt und dann ist er mit ihr davon geflogen . Leider ging das alles zu schnell, um es zu fotografieren.

Das schlimme war auch, dass scheinbar kein anderer Vogel davon etwas mitbekommen hat.  So schnell ging das, weil alle anderen (u.a. weitere Kohlmeisen, Sumpfmeisen (Poecile palustris) und Tannenmeisen (Periparus ater)) mit dem Fressen beschäftigt waren.

Ich war eigentlich davon überzeugt, das nur kleine Vögel (Ästlinge) in der Brutzeit erbeutet werden. Ich hatte ihn auch mal eine Maus Continue reading Eichelhäher nimmt auch fleischliche Nahrung

Fliegende Vögel mit langen Verschlußzeiten

Fliegende Vögel in ihrer Umwelt zu fotografieren ist sicher eine der anspruchsvollsten und zugleich befriedigensten Aufgaben in der Tierfotografie. Das Fokussieren ist wegen des wechselnden Hintergrundes und der sich ggf. zusätzlich verändernden Entfernungen nicht ganz einfach. Ein professioneller Autofokus kann dabei schon mal ein Problem – nämlich die automatische Schärfenachführung lösen. Dazu braucht es keine Canon EOS 1DX Mark III. aber wenn man schon eine hat, ist das natürlich auch nicht hinderlich. Die Einstellung auf die automatische Schärfenachführung heißt bei Canon AI-Servo. Zusätzlich bieten die Canon EOS 1DX – Modelle auch die Möglichkeit einer automatischen Schärfenachführung, bei der auch die Farbe der Objekte einbezogen wird.

Greifvögel im Gleitflug vor blauem Himmel. Damit kann man ja anfangen. Die eingestellte Belichtungszeit sollte – gerade bei Tests und ersten Versuchen – möglichst kurz sein, um die Bewegung auf dem Bild einzufrieren. Dafür bietet sich die Blendenautomatik (Tv) an. Die Belichtungszeit wird manuell vorgewählt und die Blende wird von der Kamera automatisch angepasst. Der Greifvogel im Gleitflug sollte auch mit 1/500 sec. möglich sein. Um Verwacklungen ansonsten aber vorzubeugen, sollte die Belichtungszeit bei höchstens 1/1.000 sec liegen. Und selbst dann mögen nicht alle „beweglichen Teile“ eines Vogels scharf zu sein. Oft ist der Effekt unscharfer Schwingen aber auch erwünscht, da diese dem Bild Natürlichkeit und Bewegung verleihen. Wesentlich ist aber, dass der Vogel ansonsten scharf abgelichtet wird. Schnell kommt man bei der Kombination von Offenblende und kurzer Belichtungszeit an die Grenzen. Da ist es vorteilhaft, eine kurze Verschlusszeit und eine offene Blende mit der ISO-Automatik zu kombinieren. Bildstabilisatoren dürften in der Mehrzahl der regulären Anwendungsfälle – also bei sehr kurzen Belichtungszeiten unter 1/1.000 sec keine besondere Rolle spielen.

Mit etwas Übung können (etwas) längere Belichtungszeiten als Stilmittel verwendet werden. Dies kann sehr schön bei dem Bild eines fliegenden Gänsesägers (Mergus merganser) auf dem Blankensee im südlichen Brandenburg erkennen. Es war ein grauer Tag und die hochnebelartige Bewölkung ließ trotz des Canon EF 400mm f/2.8L IS II USM Kameraobjektivs keine wirklich kurzen Belichtungszeiten bei akzeptablen ISO-Werten zu. Ein paar vorbei fliegende Entenvögel sollten mal mit einem besonderen Continue reading Fliegende Vögel mit langen Verschlußzeiten

Komplizierte Balz des Paradiesvogels: ein Erlebnis

WimpelträgerDas Erscheinungsbild der Paradiesvogelarten ist sehr unterschiedlich. Das gilt auch für ihre Balzrituale. Einige von ihnen haben komplizierte Balzrituale, die normalerweise bei gutem Wetter stattfinden. Die Männchen des Großen Paradiesvogels (Paradisaea apoda) balzen z.B. am frühen Morgen und kurz vor Sonnenuntergang in Gruppen im Baldachin der Baumkronen, oft in einer Höhe von mehr als 40 Metern. Gleiches gilt für den Raggiparadiesvogel (Paradisaea raggiana). Bei diesen Wettbewerben versucht jeder Vogel, die Aufmerksamkeit eines Weibchens zu erregen, indem er laut und eindrucksvoll die dekorativen Federn präsentiert. Insbesondere das Präsentieren der Schmuckfedern ist eindrucksvoll. Solch ein Balztanz ist ein Rausch für die Sinne und ein Hin- und Her von Farben, Rufen und Bewegungen. Der Blauparadiesvogel (Paradisaea rudolphi) hingegen balzt allein und versucht, ein Weibchen mit ständigen lauten Rufen anzulocken. Wenn ein möglicher Partner kommt, schwingt das Männchen auf seinem Ast rückwärts, bis es kopfüber hängt und seine blauen Federn auf seinen Flügeln und Flanken ausbreitet. Der Ruf der Schmalschwanz-Paradieselster (Astrapia mayeri) ertönt auch in den frühen Morgenstunden im Kronendach des Waldes. Die Männchen sind ziemlich schüchtern und scheu, aber die Weibchen sind relativ leicht zu beobachten, wenn sie auf moosigen Zweigen stehen oder nach Nahrung suchen. Der nach dem sächsischen Prinzen benannte Wimpelträger (Pteridophora alberti) lässt seine Balzrufe hoch oben in den Baumwipfeln oder exponiert von abgebrochenen hohen Baumstämmen aus ertönen. Aber die eigentliche Balz und Continue reading Komplizierte Balz des Paradiesvogels: ein Erlebnis

WFT-E9 & Canon EOS 1DX Mark III: weitere Erfahrungen

Schon kurz nach dem Kauf der Canon EOS 1DX Mark III interessierte ich mich intensiv für die Kommunikationsein-richtungen. Ist man auf den Geschmack gekommen, kommen direkt Erweiterungen der Funktion ins Spiel. Insbesondere die Reichweite ist mit Bordmitteln etwas enttäuschend. Aber, die Canon EOS 1DX Mark III läßt sich mit einem sogenannten Wireless File Transmitter über angeblich 150 m Reichweite mit einer Geschwindigkeit von 5 GHz fernsteuern. Das sind deutlich größere Entfernungen mit weniger Interferenzstörungen als über den integrierten Ethernet-Anschluss oder die integrierte WLAN-Schnittstelle des Kamera-Bodys.

Nachdem ich erfolgreich zu meiner Canon EOS 1DX Mark III den passenden Wireless File Transmitter erworben hatte und mich zuerst über das Handbuch geärgert und dann durch das Handbuch gekämpft hatte, wollte ich natürlich die Funktionalität und Performance des WFT-E9 anhand der ferngesteuerten LiveView über EOS Utility ausprobieren.

Im freien Feld praktisch nutzbar könnte die Verwendung der Kamera als sogenannter Kamera-Zugangspunkt (deutsch für Access Point) sein, damit besondere Aufnahmen scheuer Tiere ohne die unmittelbare Anwesenheit des Fotografen möglich wären.

Um es kurz zu machen: Die ersten Versuche waren enttäuschend. Continue reading WFT-E9 & Canon EOS 1DX Mark III: weitere Erfahrungen

Einsatz von Geolokalisatoren bei Brachpiepern

BrachpieperEine zuverlässige Strategie, um die im Rhein-Main-Gebiet immer seltener gewordenen Brachpieper (Anthus campestris) zu beobachten, ist, sich auf dem Ober-Hilbersheimer Plateau nordwestlich von Mainz im Spätsommer einzufinden und die Art morgens früh auf den abgeernteten Äckern zu suchen.

Zugvögel legen auf ihren Flügen zwischen den Brut- und den Überwinterungsgebieten eine Reihe von längeren Zwischenstopps ein. Empirische Daten zum Flug- und Zwischenstoppverhalten auf diesen langen Flügen sind aber immer noch selten. Ein Forscherteam nutzte nun einen neuen Ansatz bei der Geolokalisierung. Dabei integrierten sie Instrumente zur Aktivitäts-  und Luftdruckmessung in die klassische Geolokalisierung bei Licht, um das Zugverhalten von Brachpiepern (Anthus campestris) zu beschreiben, die in Mitteleuropa brüten.

Dabei kam heraus, daß Brachpieper während ihres sechswöchigen, mehr als 5.000 km langen Herbstzuges durchschnittlich 10 Continue reading Einsatz von Geolokalisatoren bei Brachpiepern

Weißbrauenbülbül beim Baden

WeißbrauenbülbülDie Tropfen spritzen meterweit. Ausgiebig hat der Weißbrauenbülbül (Pycnonotus luteolus) schon in dem seichten Springbrunnen gebadet. Die Federn sind völlig durchnässt. Ob der Nichtschwimmer ist, weiß man nicht; wasserscheu ist er jedenfalls nicht. Auch in Sri Lankas Süden ist richtige Abkühlung wichtig. Auch Vögel sollen versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren. Zuerst kommt der Weißbrauenbülbül auf den Keramikrand, sichert und nippt vom Wasser in der Schale. Die Kühle tut gut. Dann stellt sich der Vogel mitten in den flachen Beckenbereich hinein. Das Wasser geht dem stehenden Vogel maximal bis zum Bauch. Dann heißt es den Kopf eintauchen, das Wasser in einer Drehbewegung hochschleudern und warten bis die Wassertropfen wieder herunter kommen. Dann noch einmal von der anderen Seite: Kopf hinunter, nach links und rechts hoch reißen, still stehen und duschen. Anschließend mit nassem Bauchgefieder eine Weile im Wasser knien und Luft holen. Geschafft!

Für Vögel ist die Reinigung und Pflege des Gefieders eine wichtige Hygienemaßnahme und notwendige Gesundheitsvorsorge. Der Weißbrauenbülbül nimmt beispielsweise ausgiebige Wasser und Continue reading Weißbrauenbülbül beim Baden

Verhalten überwinternder Gänse am Niederrhein

Irgendwann ab Mitte Oktober hört man am Niederrhein die ersten weit entfernten Rufe der Bläßgänse (Anser albifrons), die aus ihren sommerlichen Brutgebieten zum Überwintern an den Niederrhein ziehen. Meist nachts kommen sie in hoch fliegender Keilformation fast unsichtbar, aber gut hörbar in die Rheinauen unterhalb von Duisburg bis nach Holland geflogen. Der Aufenthalt der vielen 10.000 arktischen Wildgänse in den Wintermonaten ist nicht nur ein akustisches sondern auch ästhetisches Schauspiel.

Gänsetrupps können neben den Bläßgänsen auch aus Kurzschnabelgänsen (Anser brachyrhynchus), Nonnen- bzw. Weißwangengänsen (Branta leucopsis) und Saatgänsen (Anser fabalis) bestehen. Im Überwinterungsgebiet halten die Tiere einen festen Tagesrhythmus ein. Sie schlafen an wenigen Stellen im Gebiet. Diese Konzentrationsflächen werden von den Biologen „Schlafplätze“ genannt. Diese Schlafplätze müssen einige Kriterien erfüllen. Sie müssen nah am Wasser und damit in der Nähe des Rheins liegen und sie müssen weitgehend störungsfrei und übersichtlich sein. Sind die Bedingungen erfüllt, können sich an einem Schlafplatz bis zu 50.000 Gänse versammeln. Beim ersten Tageslicht fliegen dann zehntausende Gänse in einem Zeitrahmen von circa 20 Minuten ab. Das heißt bis zu 50.000 Gänse fliegen in dieser Zeit auf, verlassen den Schlafplatz und suchen ihre Continue reading Verhalten überwinternder Gänse am Niederrhein