An einem schönen aber schon heißen Januarvormittag, erlebte ich einen dieser seltenen Momente, die einen Spaziergang im tropischen Urwald unvergesslich machen. Während ich einem schmalen Pfad entlang eines kleinen Wasserlaufes an der Pazifikküste Costa Ricas folgte, entdeckte ich einen Weißzügel-Faulvogel (Malacoptila panamensis), der bewegungslos auf einem horizontalen Ast saß – mit einem auffallend dunklen Schmetterling im Schnabel, dessen leuchtend rote Flecken selbst im gedämpften Licht des Unterwuchses hervorblitzten.
Der Faulvogel zeigte das für ihn typische Verhalten: nahezu regungslos, die Beute fest im Schnabel, wirkte er ganz konzentriert. Der Schmetterling lebte zu diesem Zeitpunkt noch, seine Flügel zuckten schwach, bis der Vogel ihn durch ein kurzes Kopfschütteln endgültig fixierte und verschwand.
Der Weißzügel-Faulvogel gehört zur Familie Bucconidae und ist in feuchten Tieflandwäldern Mittelamerikas weit verbreitet, insbesondere entlang der Karibik- und Pazifikhänge bis in Höhenlagen von etwa 1.200 m. Bevorzugt hält er sich in dichter Vegetation, häufig in der Nähe von Gewässerläufen oder in durch lückige Überdachung lichtdurchfluteten Waldrändern auf. Seine Präsenz ist durch den meist stillen und bewegungsarmen Lebensstil schwer zu bemerken, was direkte Beobachtungen, insbesondere zum Jagdverhalten, umso wertvoller macht.
Die Beute war vermutlich ein Vertreter der Gattung Heliconius oder Dryas (Unterfamilie Heliconiinae, Familie Nymphalidae), auffällig durch die kontrastreiche Färbung und die bekannten chemischen Abwehrstoffe, die diese Schmetterlinge durch die Aufnahme toxischer Verbindungen aus ihren Futterpflanzen (Passiflora spp.) anreichern. Viele Vogelarten meiden derartige Beute aufgrund ihrer Bitterkeit oder Toxizität – dass der Faulvogel dennoch zugreift, lässt auf eine gewisse ökologische Plastizität schließen.
Bisherige Studien beschreiben das Nahrungsspektrum des Weißzügel-Faulvogels überwiegend als insektenbasiert (Coleoptera, Orthoptera, Hymenoptera), mit gelegentlichen Ergänzungen durch Spinnentiere oder kleine Wirbeltiere. Lepidopteren wurden bislang selten dokumentiert, insbesondere solche mit warnfarbiger Musterung. Der heutige Fund legt nahe, dass auch chemisch geschützte Beute aufgenommen wird – möglicherweise nach vorheriger mechanischer Bearbeitung oder durch individuelle Lernerfahrungen.
Diese Beobachtung erweitert die Kenntnisse über das trophische Verhalten des Weißzügel-Faulvogels und wirft Fragen zur Selektion, Verarbeitung und möglichen Toleranz gegenüber toxischen Beutetieren auf. Langfristige Verhaltensstudien könnten klären, ob es sich um zufällige Gelegenheitsbeute handelt oder ob bestimmte Schmetterlingsarten regelmäßig im Nahrungsspektrum vorkommen.
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