Zu Beginn des letzten Winters beobachtete ich während des Frühstücks interessiert das muntere Treiben an der Vogelfütterung in unserem Garten. Es war ein schöner Morgen bei Sonnenschein. Die Vogelfütterung wurde immer wieder von einem Buntspecht (Dendrocopos major) angesteuert, weil er dort Sonnenblumenkörner zu finden meint. Wenig später ist eine Schar von mindestens 20 Kleinvögeln ständig zwischen dem Gebüsch und dem nahen Vogelhaus unterwegs. Auf Anhieb kann ich Weidenmeise (Poecile montanus), Tannenmeise (Periparus ater), Kohlmeise (Parus major), Blaumeise (Cyanistes caeruleus), Kleiber (europ.) (Sitta europaea), Grünfink (Chloris chloris), Stieglitz (Carduelis carduelis) und Haussperling (Passer domesticus) identifizieren. Während Kohl- und Blaumeisen bevorzugt das Futterhaus anfliegen, laben sich Grünfinken, Stieglitze und Haussperlinge an dem Futter, welches auf den Boden gefallen war. Ein Zaunkönig (Troglodytes troglodytes), eine Amsel (Turdus merula) und 2 Heckenbraunellen (Prunella modularis) treiben sich im Hintergrund herum. Doch was war das? Ein Vogel, der deutlich größer als die anderen war, landete plötzlich zwischen den Singvögeln, was diese zur Flucht veranlasste. Ich holte schnell das Fernglas, um den Störenfried zu bestimmen. Doch bis ich das Glas parat hatte, war der Vogel wieder weg. Nach wenigen Minuten tauchte er erneut auf. Sein kräftiger Schnabel verrät mir sofort, dass es ein Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes) ist. Schon seit Jahren stehen Fotos von diesem schönen Vogel auf meiner fotografischen Wunschliste, doch leider hatte ich ihn bisher nicht vor die Linse bekommen. Nach kurzer Überlegung beschloss ich, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen. Noch am selben Tag baute ich das Tarnzelt nahe der Fütterung auf und freute mich auf die bevorstehenden Stunden im Fotoversteck.
Während sich die ersten Vögel reichlich an der Futterstelle bedienten, sitzen – von ihnen vollkommen unbemerkt – zwei Fotografen nebeneinander in dem geräumigen Buteo Stealth Gear 2-Personen- Tarnzelt Extreme Professional Wildlife Square Hide, und füllten die Speicherkarten. Das läuft doch gut an. Während mein Kollege auf einem Klappstuhl Platz nahm, blieb ich auf dem Boden auf einer Isomatte.
Als standsichere Unterlage für die schwere Kamera-Objektiv-Kombination nutze ich das Cullmann Stativ Titan Professional CT200 und befestige den ProMediaGear GKJR Katana Pro Aluminum Gimbal Head. Fotografieren kann ich mit dem Canon-Objektiv EF 400mm f/2.8 IS II USM an einer Canon EOS R 5. Das klappbare Display der Canon EOS R 5 ist ein wahrer Segen. Anfangs stelle ich den Autofokus der Canon EOS R 5 auf mittenbetonten AF, wechsle dann aber zur Spotmessung.
Die Kleinvögel, die in seinem Garten erstaunlich scheu sind, brauchten eine Weile, bis sie das Tarnzelt in der Nähe der Futterstelle akzeptierten. Bislang blieben sie von Fotoversuchen unbehelligt und sind nicht, wie es anderswo schon mal vorkommt, an Menschen mehr oder weniger gewohnt.
Daher ist es auch normal, dass sie dem Tarnzelt gegenüber eine gewisse Skepsis an den Tag legen. Um die Vögel an die für sie neue Situation schneller zu gewöhnen, machten wir bei den ersten Anflügen keine Bilder. Auf diese Weise wurden sie nicht von den ebenfalls für sie unbekannten Objektivbewegungen irritiert und hatten ihr Erfolgserlebnis, wenn sie mit einem Sonnenblumenkern wieder abflogen oder ihn vor Ort aufpickten. Das Auslösegeräusch spielt inzwischen ja nicht mehr die Rolle. Durch den elektronischen Verschluß lassen sich zumindest bei der Canon EOS R 5 die Auslösegeräusche praktisch ausschließen.
Mit der Zeit war dann alle Zurückhaltung vergessen und wir starteten dezent mit dem Fotografieren. Das ein oder andere Geräusch aus dem Zelt war für Vögel in einer Wohngegend kein Grund zur Panik. Sie stutzten kurz, aber schon bald ließen die Geräusche sie kalt. Etwas Anderes jedoch verursachte da schon mehr Aufregung. Ich schwenkte mein Objektiv jetzt nämlich auch in eine andere Fotoposition. Das schien den Vögeln zunächst gar nicht zu gefallen. Zumindest einige hielten sich nun etwas zurück.
Das man zu zweit im Zelt sitzen kann, hat natürlich nicht nur Vorteile. Aber, so hilft ein geflüstertes Gespräch schon mal über eine längere Wartezeit hinweg und man kann sich auch mit dem Ausschauhalten abwechseln. Da das Zelt von Innen schwarz ausgekleidet und damit recht dunkel ist, sind von außen Bewegungen nahezu unsichtbar.
Wenn nicht sowieso jede Jahreszeit ihren eigenen fotografischen Reiz hat, dann kann der Winteransitz eine gute Möglichkeit sein, die vermeintlich naturfotografisch ruhigere Jahreszeit zu überbrücken. Der Platz für ein Versteck, ein Tarnzelt oder besser eine feste Ansitzhütte, sollte sorgfältig ausgewählt werden. Wenn man im Herbst das Versteck aufbaut, muss man bedenken, wo die Sonne in den nächsten Monaten stehen wird. Auch sollten Hecken, Baumschnitt und tief beastete Bäume in der Nähe sein, in die sich die Vögel bei Gefahr zurückziehen können. Während Singvögel Geräusche und leichte Bewegungen des Objektivs nach einigen Tagen akzeptieren, sind Greifvögel wie der Sperber (Accipiter nisus) wesentlich empfindlicher. Will man auch diese Arten vor das Versteck locken, ist vor allem eine ruhige Hand wichtig. Roter Milan (Milvus milvus), Mäusebussard (Buteo buteo) oder gar der Habicht (Accipiter gentilis) verzeihen weder unvorsichtige Schwenks mit der Kamera, noch sonstige für die Tiere sichtbare Bewegungen. Ob eine perfekte Tarnung mit Tarnnetzen und Ästen nötig ist, damit das Tarnzelt mit der Umgebung verschmilzt, darüber streiten sich noch die Gelehrten. Ich verzichte meistens darauf.
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