Als das erste Licht der Morgendämmerung den Himmel in Rosa- und Orangetöne taucht, versammelt sich eine kleine Gruppe unerschrockener Vogelbeobachter am Eingang des Nationalpark Stilfser Joch. Bewaffnet mit Ferngläsern, Kameras und der gemeinsamen Leidenschaft für die geflügelten Bewohner dieses Alpenparadieses begeben sie sich auf eine Reise ins Herz des Stilfserjochs.
Die frische Bergluft beflügelt die Vorfreude, als sie sich über die kurvenreichen Pfade wagen, umgeben von hoch aufragenden Kiefern und Wiesen, die mit bunten Alpenblumen geschmückt sind. Der allgegenwärtige Gesang des Bergpiepers (Anthus spinoletta) hallt durch die Luft, eine Melodie, die mit dem sanften Rascheln der Blätter und dem fernen Rauschen eines kristallklaren Gebirgsbaches harmoniert.
Als die Gruppe in höhere Lagen aufsteigt, verwandelt sich die Landschaft in ein Mosaik aus Felsvorsprüngen und schneebedeckten Gipfeln. Die scharfen Augen der Vogelbeobachter entdeckten bald die Silhouette einer Alpendohle (Pyrrhocorax graculus), die mühelos über ihnen schwebt und deren glänzendes schwarzes Gefieder einen Kontrast zum azurblauen Himmel bildete. Wenig später sind noch Kameraden dieses auffallenden Vogel zu erkennen. Kameras klicken und auch die ein oder andere Videokamera surrt, während die Naturfreunde den flüchtigen Moment festhalten und den Alpenakrobaten im Flug verewigen.
Der Nationalpark Stilfser Joch liegt im Dreiländereck Italien, Österreich, Schweiz und ist mit seinen etwa 1350 Quadratkilometern das größte derartige Schutzgebiet Italiens. Er liegt im Trentino-Alto Adige. Der Park umfasst alle alpinen Landschaftsformen. Bereits 1935 wurde der Nationalpark gegründet, seine heutige Ausdehnung erreichte er aber erst nachdem 1977 der nordwestliche Teil angefügt wurde. Der stellt nun die direkte Verbindung zum schweizerischen Engadin-Nationalpark her. Dieses grenzübergreifende Schutzgebiet ist unter anderem von großer Bedeutung für das im Park lebende Rotwild, das auf seinen periodischen Wanderungen, im Frühjahr und Herbst ungestört bleibt. In dieser weitläufigen Bergregion findet man eine Vielzahl unterschiedlicher Biotope: Gletscher und Schneefelder, blumenreiche Almwiesen, dicht bewaldete Täler, Gebirgsbäche und Wasserfälle, steil aufragende Felswände, Blockhalden, abwechslungsreiche Bergwälder und eine enorme Zahl unterschiedlicher Tiere und Pflanzen.
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