Haselhuhn: Habitatsuche im Bayerischen Wald, Teil 2

Für das Haselhuhn (Bonasa bonasia) werden, über das Jahr verteilt, unterschiedliche Habitatpräferenzen angegeben werden. In einer 2-wöchigen Exkursion in den Böhmerwald bzw. Bayerischen Wald sollte sich zeigen, ob die bekannten Lebensraumbeschreibungen erstens gut zu identifizieren und zweitens gut zum Aufspürgen der Haselhühner geeignet waren.

Im Allgemeinen bevorzugt das Haselhuhn junge Waldstadien mit Pionierwaldcharakter. Ein hoher Anteil an Weichholzarten wie Birke (Betula pendula), Hasel (Corylus avelana) und Weide (Salix sp.) ist wichtig. Die Bepflanzung mit Kräutern und Sträuchern sollte reichlich, aber nicht zu dicht sein. Beerensträucher sind bei Haselhühnern sehr begehrt. In der Nähe sollte es tiefe Nadelbaumdickichte geben. Wichtig ist, dass die Äste fast bis zum Boden reichen. Diese Lebensraumanforderung ist als Deckung und Winterquartier besonders wichtig. Offene Kleinstlebensräume mit relativ niedriger Bodenvegetation (Lichtungen, Wege, Forststraßen, Waldränder, Altholzbestände in der Zerfallsphase) werden gerne aufgesucht. In einigen Untersuchungen zeigte sich, daß das Haselhuhn bemerkenswerte jahreszeitliche Veränderungen in der Habitatwahl vornimmt. Diese sind wohl bedingt durch Veränderungen im Nahrungs- und Deckungsbereich. Für den Spätsommer bzw. den Herbst – der Reisezeit in den Bayerischen Wald – sollten kahle Flächen mit Fichte (Picea abies) mit Beerensträuchern wie Heidelbeere (auch Blaubeere genannt) (Vaccinium myrtillus) oder Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) wichtig und kleine Feuchtgebiete wie Quellen mit frischer Bodenvegetation bevorzugt sein.

Folgende Sichtungen waren in der rauen Mittelgebirgsgegend des Böhmerwalds bzw. des Bayerischen Wald möglich:

  1. Oktober: Ein Haselhuhn fliegt auf aus einem lichten dichten Jung-Ahornareal. Das Huhn kommt wohl direkt unter den Ahornen zwischen dem Farn hervor, kommt zuerst Richtung Tal angeflogen, umkreist ein paar Bäumen, um sich dann in Richtung Hang in den dichten Fichtenwald zu verziehen. Am Rand stehen hohe Fichten, aber entlang des Baches stehen Laubhölzer. Wenig entwickelte Haselsträucher, ansonsten wird der Unterwuchs durch Adlerfarn bestritten. Totholz in geringer Stärke ist nur wenig vorhanden. Höhe auf 827 m NN in schattigen Wald am Wegesrand nur 500m unterhalb Hütte in schütter mit jungem Ahorn bewachsen Rinnsal in Bachtal.
  1. Oktober: Ein mittelgroßer Vogel, Haselhuhn durchaus möglich, fliegt auf aus einer dichten jung Fichten-Birken-Sukzession auf. An Kante zum Weg wachsen Blaubeeren. Auf 1.128 m NN.
  1. Oktober: Ein Haselhuhn fliegt aus einem dichten Bestand mit Jungfichten auf. Ein Bächlein plätschert ebenfalls nicht weit. Versuch, die Haselhühner mit Gesang zu locken, leider vergeblich. Dafür sehen wir keine 10 Meter weiter eines der Haselhühner aus dem dichten Fichtenbestand auffliegen, tief über die Fichten fliegen und dann über den Schotterweg hinweg in den dichten Fichten-Altbestand fliegen. Ein zweites Huhn zirkelt wenig später um dicke Fichten in Hochwald. Wir sind hier auf 956 m NN.
  1. Oktober: Ein schön erkennbares Haselhuhn kommt unter jungen, tiefbeasteten Fichten unterhalb einer Lichtung (wohl nach Kahlschlag in Folge Kyrill) hervor, fliegt elegant über das Wildgatter und landet dann am Waldrand, der mit hochstehenden Fichten bewachsen ist. kommen. Auf Nordseite des Sokol. Kommt aus recht schütter bewachsene Fichtenbestand, der dicht vielleicht mal gerade ein paar 100 m² ist. Die Ränder sind mit recht hohem, dichtem Grase bewachsen; einige eher schlanke Buchen haben offensichtlich dem Sturm bzw. dem Kahlschlag getrotzt. Sieht schon eher aus wie der Lebensraum, den ich in der Slowakei erlebt habe. Wenig Totholz im unmittelbaren Umfeld. Höhe auf 1.159 m NN am recht offenen Abhang des lokalen Berges Sokol.
  1. Oktober: Ein mittelgroßer Hühnervogel steigt aus Bodenvegetation ab und fliegt – soweit erkennbar – in einen Baumwipfel. Eine abstreichende Waldschnepfe ist nicht ganz ausgeschlossen. Hier handelt es sich um Aufichtenwald in unterschiedlichen Altersklassen, untersetzt mit dicken Moospolstern, sehr feucht, geradezu naß. Viel (vor allem stehendes) Totholz, Reisig bietet teilweise auch gute Verstecke. Höhe auf 910 m NN am Rand eines weiträumigen Bach-/Flußtal. Anschlußsuche –und sichtung: negativ

So läßt sich aus den 2 Wochen Haselhuhn-Suche zusammenfassen: das Haselhuhn ist im Rahmen der bekannten Habitate praktisch überall im Böhmerwald bzw. dem Bayerischen Wald täglich anzutreffen, wenn man an den „richtigen“ Stellen sucht. Eine gezielte, gar erfolgversprechende, Nachsuche ist aber nur bedingt möglich. Es gibt natürlich Habitate, da schließt sich das Haselhuhn (meist, weil es zu offen ist) von alleine aus. Aber eine Menge günstige Habitate zeigen weder mit Geduld noch dem Abspielen des Gesangs ein Haselhuhn. Eine Einschränkung muß ich allerdings machen. Morgens in der Dämmerung bin ich praktisch – bis auf den Ausflug am letzten Samstag – nicht unterwegs gewesen. Damit ist eine frühe Beunruhigung durch andere Wanderer nicht ganz auszuschließen, die dann die Vögel veranlaßt sich weiter in die Dickung zurück zu ziehen.

Eine weitere Einschränkung ist, daß das Verhören im Herbst deutlich eingeschränkt scheint. Im Vergleich zum Frühjahr in der Tatra in der Slowakei – dort durchaus regelmäßig das hohe Rufen (Spissen) – ist die Suche also im Oktober erschwert.

Nichtsdestotrotz heißt es: Ein Haselhuhn in freier Wildbahn zu entdecken, dafür braucht es wirklich Glück. In dem Tierfreigelände bei Neuschönau stehen die Chancen da schon deutlich besser und man kann richtig schöne und beeindruckende Fotos machen.

Gut sind dort die begehbaren Volieren. Hier steht der Besucher im Schatten und schaut zwischen großzügig dimensionierten – an Federn elastisch befestigten – Drähten hindurch auf ein sehr natürlich wirkendes Areal aus jungen Buchen, Fichten und Gestrüpp. Schnell kann der Blick auf eine fast bewegungslos stehende Henne des Haselhuhns fallen, die sich malerisch  auf eine schon verrottete Baumwurzel gestellt hat.

Im Tierfreigelände Neuschönau (das ist praktisch das Schaufenster des Nationalparks Bayerischer Wald) kann man richtig schöne und beeindruckende Bilder machen. Auch, dass es ein (Frei)-Gehege ist, erkennt man häufig nicht. Und sowohl die Perspektiven und vor allem die Motive sind echt klasse. Das Tierfreigelände im Nationalparkzentrum unterhalb des Lusen-Gipfels hat eine Fläche von 200 ha. Die reine Gehegefläche beträgt ca. 40 ha. In den weiträumigen Gehegen und großen Volieren des Freigeländes leben 45 heimische Tierarten in ihrer natürlichen Umgebung. An Vögeln ist u.a. der Rauhfusskauz (Aegolius funereus), die Waldohreule (Asio otus), der Habichtskauz (Strix uralensis), der Sperlingskauz (Glaucidium passerinum) und der Dreizehenspecht (Picoides tridactylus) und das Auerhuhn zu sehen.

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