Graugans brütet in Greifvogelnest

GraugansVorwitzig schaut ein Kopf aus einem ausladenden Nest 8 Meter hoch in einer Europäischen Lärche (Larix decidua) im frühjahrsbedingt kärglich belaubten Mischwald. Der orange-rosa Schnabel ist auffallend und läßt in Verbindung mit dem grau-braunen Kopf nur eine Art als Brutvogel zu. Eine Graugans (Anser anser). Geduckt sitzt sie auf dem Nest und wäre wohl sonst dem vorbeilaufenden Beobachter in dem von Kiefern geprägten Waldstück gar nicht aufgefallen. Eigentlich auf der Suche nach dem Habicht (Accipiter gentilis), war diese Entdeckung eine echte Premiere. Noch nie hatte ich ein Graugans-Nest anders als auf dem Boden gefunden. Auch eine anschließende Recherche im Internet ergab keine Hinweise. Das Nest scheint eine eher flache Mulde aufzuweisen. Sonst würde sich die große Gans tiefer im Nest verstecken können. Dass die Graugans brütet, wird auch dadurch unterstützt, dass an Folgetagen die Gans immer noch auf dem Nest sass, wenn auch teilweise anders ausgerichtet. Sie scheint also von Zeit zu Zeit die Sitzrichtung zu ändern und wohl dabei auch die Eier neu zu sortieren. Ein paar Tage später war das Nest am Rand mit Nestdunen so weit ausgepolstert, dass einzelne Dunen an den Nestseiten hervorkamen.

Ähnliches zu der Brut einer Gans in einem Greifvogelnest findet sich in der mitteleuropäischen Literatur nur von der Rostgans (Tadorna ferruginea) beschrieben. Diese nistet bevorzugt zwar in Gesteinshöhlen oder höhlenartigen Bauen und Vertiefungen. Sie nutzt aber auch verlassene Greifvogelnester für ihre Gelege.

Jetzt ist die Frage, welcher Greif wohl das Nest gebaut hat. Der Habicht hatte ganz in der Nähe in einem Nest erfolgreich gebrütet und 2 Junge großgezogen. Dessen Nest war aber deutlich kleiner gewesen. Seeadler (Haliaeetus albicilla) errichten gewaltige Horste aus Ästen und Zweigen. Die Nestmulde wird mit Gras und Moos ausgekleidet. In Mitteleuropa werden zur Horstanlage vor allem alte Bäume benutzt. In Norddeutschland werden vor allem Rotbuchen (Fagus sylvatica) präferiert, in Brandenburg vor allem Waldkiefern (Pinus sylvestris). Neue Horste haben einen Durchmesser von etwa 1,2 bis 1,5 Metern und eine Höhe von 50 bis 80 Zentimetern. Das könnte ungefähr der Größe des beobachteten Nest entsprechen. Es ist bekannt, daß viele Seeadler-Reviere einen oder mehrere Wechselhorste aufweisen, die abwechselnd oft über Jahrzehnte genutzt werden. Wenn es ein Seeadler-Nest ist, kann man nur hoffen, daß die Graugans unbehelligt bleibt. Der Habicht rief dieses Jahr ganz aus der Nähe, ohne das die Gans erkennbar beeindruckt oder gar ängstlich erschien. Spannend wird es, wie die Jungen sich im Nest wohlfühlen werden und dann aus dem Nest kommen.

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