Ein Irrgast: eine Rostflügeldrossel im Erzgebirge

Es war schon eine kleine Sensation. Eine Rostflügeldrossel (Turdus eunomus) war mitten im Erzgebirge bei Stollberg süd-westlich von Chemnitz in einem Trupp Wacholderdrosseln (Turdus pilaris) gesichtet worden. Eine vor 4 Jahren auf Helgoland festgestellte Rostflügeldrossel war die einzige Meldung, die ich auf der Birder-Website ornitho.de für Deutschland sonst noch entdecken konnte.

Die Entscheidung, das Ornithologen-Glück trotz der Entfernung von 265 km zu versuchen, wurde nach einigem Zögern am – hoffentlich – 4. Tag des Bekanntwerdens getroffen. Der Entdecker, Thomas Hallfarth, hatte die Rostflügeldrossel zusammen mit Wacholderdrosseln zunächst aus einer Entfernung von 200 m bei diesigem Wetter für eine Rotdrossel (Turdus iliacus) gehalten. Dann aber hatte er aufgrund der rostroten Struktur auf dem Oberflügel die seltene Rostflügeldrossel vermutet und nach Foto und Auswertung dessen war die Bestimmung auch abgesichert.

Gegen 6:30 schickte die Sonne die ersten zaghaften Strahlen aus dem Osten über die sanften Hügel des Erzgebirges. Der Vogel war noch am Nachmittag des Vortages mehrfach im weiteren – aber überschaubaren – Umkreis des Platzes der Erstentdeckung gesehen worden. Es war kalt, das Thermometer zeigte -3°C an. Ein traumhafter Morgen ohne Wind und ohne Wolken. Der Vogel war natürlich noch nicht zu entdecken. Überhaupt war die Vogelwelt noch sehr verhalten und nur zu hören.

Einige Feldlerchen (Alauda arvensis) schwirrten schon über den Wiesen und Weiden, einige Stare (Sturnus vulgaris) flogen in die hohen Spitzen einer Birke an einem kleinen, künstlich angelegten Tümpel. Hier war die Rostflügeldrossel am Samstag gesichtet worden. Am zweiten gemeldeten Tag war die Rostflügeldrossel zuerst hoch in Fichtenspitze zu sehen, um dann gegen 09:15 Uhr am kleinen Teich auf einer Birke entdeckt zu werden. Anschließend war sie zur Nahrungsaufnahme zu einem Waldrand abgeflogen.

Das Schäckern eines Trupps Wacholderdrosseln ließ die Birder erwartungsvoll aufhorchen. Einige Wacholderdrosseln landeten in den hohen Spitzen der Birken an dem kleinen, künstlich angelegten Teich. Aber nicht lange. Der Trupp Wacholderdrosseln flog in Richtung eines nahe gelegenen, frisch gepflügten Ackers, der an eine Weide grenzte. Hier konnten wir die Sensation perfekt machen: Eine Rostflügeldrossel war mitten auf dem Acker mit Staren und Wachholderdrosseln zusammen zu beobachten. Wobei „zusammen“ nicht unbedingt eine räumliche Nähe bezeichnet, sondern eher ein Ausdruck für „gemeinsam auf dem Acker“ ist. Der Vogel hielt sich nicht so zwischen den Wacholderdrosseln auf, sondern etwas abseits, aber in durchaus in der Nähe. Leider hatten wir schräg einfallendes Seitenlicht, was die Beobachtung nicht sehr lohnend machte.

Plötzlich flogen Wachholderdrosseln mit den Staren auf und wir vermuteten schon, daß auch die Rostflügeldrossel weg sei. Als wir uns in eine Sonne-im-Rückenposition gestellt hatten und mit den Spektiven den Acker noch einmal absuchten, konnten wir die Rostflügeldrossel am Rand des Ackers sehr schön im Morgenlicht sehen. Ein Genuß. Leider nur von kurzer Dauer.

In dem Trupp, den die Rostflügeldrossel noch aufgewertet hatte, blieben wenig später nur noch Wachholderdrosseln mit einer Rotdrossel und vielen Staren übrig.

Diese Erfahrung erinnert ein wenig an die des Tienshan-Laubsänger (Phylloscopus humei) im nördlichen Spreewald. Dort konnte am ersten Tag dieser seltene Laubsänger morgens früh zwischen 08:50 und 09:05 mehrfach rufend verortet werden. Obwohl eine Annäherung bis auf ca. 10 bis 15 Meter erfolgte, war der Vogel im Weidengebüsch/Schilf auf der gegenüber liegenden Seite des Skabyer Torfgrabens nur schwer zu sehen, dann aber doch erstaunlich gut zu beobachten. Nach 3 Tagen war der Tienshan-Laubsänger verschwunden und blieb unauffindbar.

Für bird-lens.com eine schöne Ergänzung der Deutschland- und Western Paläarktis-Liste. Bisher hatte ich die Rostflügeldrossel nur im östlichen China gesehen, wo sie allerdings recht häufig als Wintergast auftritt.

Um die wachsende Nachfrage nach Top- Aufnahmen der selteneren Arten der Paläarktis befriedigen zu können, hat bird-lens.com gezielt Reisen in die schönsten Naturlandschaften Brandenburgs oder Berlins aber auch an entfernte Orte unternommen. Dies alles um exzellente Fotos der Vögel der Westpaläarktis machen zu können. Die Ausbeute an Bildern auch von seltenen westpaläarktischen Vögeln ist sehr gut. Das Belegbild, das Sie im Blog sehen, ist nur ein erster Eindruck, was Sie in hinter dem Reiter “Picture Shop” sehr bald finden werden. Geben Sie bird-lens.com einfach Bescheid, wenn Sie das Bild einer Vogelart benötigen, bevor neue Bilder online sind.

Leave a comment

Your email address will not be published.