Samtenten auf dem Mellensee

Die Seen im südlichen Brandenburg sind vielleicht weniger bekannt als der Schwielowsee zwischen Potsdam und Ferch aber nicht weniger interessant für winterliche Vogelbeobachter. So sind auf dem Mellensee gut 30 km südlich von Berlin zwar keine Mittelsäger (Mergus serrator) oder Ohrentaucher (Podiceps auritus) zu beobachten, aber dafür sind auch hier Schellenten (Bucephala clangula), und Gänsesäger (Mergus merganser) sehr zahlreich. Eine Überraschung waren zu Neujahr die 4 Samtenten (Melanitta fusca). Eine Überraschung war auch der vereinzelte Sterntaucher (Gavia stellata), der auf dem nahe gelegenen Großen Wünsdorfer See am gleichen Tag zu sehen war.

Die Samtenten waren vom Westufer nur als dunkle, fast schwarze, Enten vor dem Schilfstreifen am Ostufer zu erkennen. Selbst mit dem Spektiv war die Beobachtung im neblig-grauen Winterwetter nur unzureichend möglich. Von einer offenen Stelle am Ostufer schwammen die Enten aber im Trupp sehr schön über einer der beiden tiefsten Stellen (hier wird wohl eine maximale Tiefe von 9 Metern erreicht) des Sees und badeten mit vielen Wasserspritzern. Von Zeit zu Zeit tauchten die Enten und kamen dann mit Krebsen, wohl Kamberkrebse (Orconectes limosus) im Schnabel wieder hervor.

Der Mellensee bei der Ortschaft Am Mellensee weist eine Seegröße von immerhin 216 ha und eine maximale Tiefe von 9 Metern auf. Er ist damit etwas kleiner als der gerne besuchte Blankensee westlich von Trebbin aber dafür an der tiefsten Stelle doppelt so tief. Im Vergleich der Blankensee: Seegröße (ha): 283 und eine maximale Tiefe von 4 Metern. Das könnte das Vorkommen der Samtenten hier ebenso wie die kopfstarken Bestände des Fischjägers, des Haubentauchers (Podiceps cristatus) auf dem Mellensee erklären.

Samtenten sind im Winter immer mal wieder – mit Schwerpunkten an den Küsten von Nord- und Ostsee – sowie im Osten Deutschlands zu beobachten. Sie tauchen im Binnenland aber deutlich häufiger auf, als die eher seltenen Trauerente (Melanitta nigra), die im abgelaufenen Jahr aber auch mal, u.a. am Schwielowsee, in Brandenburg zu sehen waren. Die besten Aufnahmen mehrerer weibchen-farbener Exemplare konnten vor einigen Jahren von bird-lens.com an der Main-Staustufe bei Mühlheim in der Nähe von Hanau am Main geschossen werden. Auch dort tauchten die Enten intensiv nach dem Kamberkrebs, der auch Amerikanischer Krebs oder Amerikanischer Flusskrebs genannt wird. Der Kamberkrebs ist ein bis zu 12 cm großer, zehnfüßiger Krebs aus der Familie der Flusskrebse, der faunenfremd ist und aus Nordamerika eingeschleppt ist.

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