Die Wenigsten werden sie sehen im norddeutschen Winter. Eine Sumpfohreule (Asio flammeus) fliegt mit typischem, rudernden Flügelschlag vor dem dunklen Waldrand über das Luch. Die Sonne ist schon seit einer halben Stunde untergegangen. Nebel steigt aus dem Moor auf. Bald wird auch der letzte Schein der untergehenden Sonne komplett im Westen verschwunden sein. Kaltes, traumhaftes Winterwetter herrscht schon seit Tagen.
Plötzlich taucht ein zweiter Vogel vor dem Waldrand auf. Er folgt der ersten Eule. Lautlos fliegen sie einige Male die Lichtung entlang. Eine Eule schert dann aber aus und fliegt den östlichen Waldrand ab. Plötzlich fliegt sie den Ansitz an, auf dem ich schon 1,5 Stunden ausgeharrt habe. Sehr gut sind die langen, abgerundeten Flügel und der runde Kopf zu erkennen. Vielleicht hat die Eule sich vom Abspielen der Rufe anlocken lassen?
Wenn das Moor im Winter auch verlassen erscheinen mag, so sind doch einige Gäste auch in der kalten Jahreszeit vorhanden. Im Laufe der letzten halben Abendstunde war an diesem Abend auch eine Kornweihe (Circus cyaneus) – ein Weibchen – eingeflogen. Auch ein Raubwürger (Lanius excubitor) stand plötzlich in weiter Entfernung auf einer Baumspitze.
Ein Luch ist die nordostdeutsche Bezeichnung für eine ausgedehnte, vermoorte Niederung. Diese Luchs sind besonders in Brandenburg in den noch von der Eiszeit geprägten Landschaften zu finden. Sie werden dominiert von Pfeifengras (Molinia caerulea) und leider – auch schon – eingestreuten Kiefernwuchs (Pinus sylvestris). Ganz offen ist das Gelände nicht; es stehen kleine Kiefernstämmchen in dem Gebiet. Das von Pfeifengras dominierte Gebiet ist ansonsten noch u.a. mit Scheidigem Wollgras (Eriophorum vaginatum, Sumpfporst (Ledum palustre), Rosmarinheide (Andromeda polifolia) und Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxycoccos) bestanden.
Sumpfohreulen habe ich jetzt schon einige Male über dem Luch gesehen. Ohne eine Wärmebildkamera ist man bei den Lichtverhältnissen aber erfolglos. Bisher sind die Eulen immer in den letzten paar Minuten vor totaler Dunkelheit unterwegs gewesen. Sie auch nur zu erahnen mit dem Fernglas ist völlig aussichtslos. Das könnte auch der Grund für die wenigen Meldungen von Sumpfohreulen aus Brandenburg sein.
Daher ist das Foto des Blogs mit einer überwinternden Sumpfohreule an der Laguna Gallocanta in Mittelspanien aufgenommen worden. Dort sind die Sumpfohreulen schon deutlich früher unterwegs. Die Meldungen, die reinkommen, sind aber von einer gewissen Regelmäßigkeit geprägt. So gibt es praktisch jedes Jahr im Winter Meldungen vom ehemaligen Flughafen am Tempelhofer Feld mitten in Berlin.
Die überwinternden Sumpfohreulen an der Mittelelbe, so u.a. an der Alten Elbe bei Bösewig östlich von Wittenberg sind auch meist in der Dämmerung zu sehen. Aufgrund der offenen Landschaft sind sie aber deutlich leichter zu entdecken.
Um die wachsende Nachfrage nach Top- Aufnahmen der selteneren Arten der Paläarktis zu bewältigen, ist Bird-lens.com bestrebt, das Spektrum der Bilder von Vögeln der Westpaläarktis weiter auszubauen. Trips zu nahen und zu abgelegenen Orten, um Bilder von seltenen Vögeln der Westpaläarktis zu machen, waren sehr erfolgreich. Dieses schöne Bild des Blogs ist nur ein erster Eindruck, was Sie in der Galerie im “Picture Shop” sehr bald finden können. Hinterlassen Sie doch einfach eine Nachricht, wenn bird-lens.com mit einem Bild dienen kann.