Luftkampf Wiesenweihe und Schwarzer Milan

WiesenweiheLaut und schrill rufend nähert sich die weibliche Wiesenweihe (Circus pygargus) dem gemächlich am Himmel kreisenden Schwarzen Milan (Milvus migrans). Über der Feldflur bei Oehna /Niedergörsdorf fand ein eindrucksvoller Luftkampf zwischen einer weiblichen Wiesenweihe und einem deutlich größeren, aber ebenfalls sehr gewandten, Milan über einem Getreidefeld statt. Dabei ging sie den Milan meistens von unten an, drehte sich kreischend auf den Rücken und präsentierte die Krallen. Obwohl sehr heftig der Flugfeind angegangen wurde. Ein direkter Körperkontakt konnte nicht beobachtet werden; es wurden wohl keine Federn gelassen. Doch die weibliche Wiesenweihe ließ – wohl direkt über dem ausgesuchten Brutplatz – nicht locker. Immer wieder attackierte die Weihe auf den Milan, der schließlich das Weite suchte und in Richtung Jüterbog abstrich.

Feststellungen in der Literatur, wonach sich Wiesenweihen am Brutplatz ängstlicher als Kornweihen verhalten, können zumindest für dieses Weibchen und seinen Partner nicht bestätigt werden. Neben der oben beschriebenen Attacke auf den Schwarzen Milan war auch ein Anflug auf einen Turmfalken (Falco tinnunculus) und eine ebenfalls minutenlange Auseinandersetzung mit 2  Nebelkrähen (Corvus cornix) zu vermelden. Interessant war, daß sowohl das Männchen als auch das Weibchen abwechselnd die aktive Rolle übernahm.

Obwohl Wiesenweihen als nicht territorial beschrieben werden und häufig in lockeren Kolonien von bis zu 30 Paaren brüten, sind sie gegenüber Boden- und Flugfeinden offensichtlich sehr durchsetzungsstark. Wenn die Wiesenweihen aus ihren Winterquartieren zurückkehren – in der Regel von Ende April bis Mitte Mai – beginnen sie gleich in Abhängigkeit von Wetter, tierischen und menschlichen Störungen und ausreichender Höhe der umgebenden Pflanzen mit der Brut. Bei einer Ankunft Ende April, ist die Revier-Entscheidung schon in den ersten Maitagen gefallen. Die Eiablage erfolgt umgehend im Anschluß und das Ausfliegen der Jungvögel ab Anfang Juli. Nur das Weibchen brütet und wird dabei vom Männchen mit Nahrung versorgt (Bauer et al. 2005).

Wiesenweihen sind mittelgroße Greifvögel, die ein großes, paläarktisches Brutareal von Südwest-Europa bis Nordwest-China besiedeln. Bemerkenswert ist der elegante Flug. Das helle Männchen am abendlichen Himmel über einem Getreidefeld ist ein echter Hingucker.

Als Brut- und Nahrungshabitate werden offene, mehr oder weniger ebene Landschaften genutzt. Die von Wiesenweihen bevorzugten Flächen südlich von Berlin liegen im Bereich des Niederen Flämings im Süden Brandenburgs. Sie umfassen das intensiv landwirtschaftlich genutzte  Gebiet  westlich,  südlich  und  östlich  von  Jüterbog,  von  Marzahna  im  Westen  bis  Dahme/Mark im  Osten.

Auch in anderen Gebieten Deutschlands, u.a. in Nordrhein-Westfalen oder im bayerischen Franken, brüten Wiesenweihen. In der nordrhein-westfälischen Hellwegbörde zwischen Unna und Paderborn besteht für die Wiesenweihe eines der wichtigsten Brutgebiete. Überwiegend wurden die Nester in Wintergerste angelegt. In den letzten Jahren brüteten 30-40 Paare Wiesenweihen.

Die Wiesenweihenbestände werden im Niederen Fläming seit Jahren sehr erfolgreich ehrenamtlich betreut. Die ursprünglichen Bruthabitate der bodenbrütenden Wiesenweihen sind – wie der deutsche Name nahelegt – Feuchtwiesen, Mooren, offenen Grünflächen und Heiden. Insgesamt wird eine recht hohe, dichte Vegetation bevorzugt. In den letzten Jahrzehnten ist im westlichen Europa die  Besiedlung  von  ackerbaulich  genutzten  Flächen,  insbesondere Getreidefeldern,  zu beobachten.

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