Wiesenweihen im Fläming

WiesenweiheTau liegt auf den Gräsern. Anfang Mai liegen die morgendlichen Temperaturen noch deutlich im einstelligen Bereich, bei Sonnenschein wird es später aber schon recht warm. Elegant schwebt ein Greifvogel tief über dem noch niedrigen Getreidefeld. Im Winter sind Kornweihe (Circus cyaneus) im Gebiet ebenso wie in den Niederungsgebieten Brandenburgs – wie dem Havelländischen Luch – nicht selten. Beim Näherkommen fällt dann auf, daß diese Weihe auffallend zierlicher als die Kornweihe ist und deutlich längere, schlankere und spitzere Flügel aufweist. Da wird es sich wohl um die Wiesenweihe (Circus pygargus) handeln, die im Bereich des Niederen Flämings im Süden Brandenburgs seit Ende April zu sehen ist. Als Alternative käme nur noch die Steppenweihe (Circus macrourus) in Frage. Diese Weihe ist allerdings ein seltener Irrgast auch wenn sie zunehmend auf dem Zug oder auch übersommernd in Deutschland festgestellt wird. So wurde eine immature Steppenweihe (Circus macrourus) seit dem 14. Mai 2015 aus dem Havelländischen Luch gemeldet. Damals konnten bei einem Besuch des Turms bei Buckow, mitten im Havelländischen Luch, Beobachtungen eines jagenden Exemplars, ein Männchen im 2. Kalenderkleid, über einen längeren Zeitraum gemacht werden.

Der Flug der Wiesenweihe ist elegant und leicht. Besonders während des Patrouillierens schlägt sie langsamer und tiefer mit den Flügeln. Die Flügel werden stärker angehoben als bei den beiden anderen Arten. Obwohl Männchen der Wiesenweihe von den 3 „hellen“ Arten am dunkelsten gefärbt sind, ist die helle Färbung des Männchens schon von weitem zu erkennen. Mit Ausnahme der 2 bis 3 inneren Federn sind die Handschwingen schwarz, die Flügelspitze ist also ausgedehnter schwarz als bei der Kornweihe. Auf der Oberseite verläuft entlang der Basis der Armschwingen ein schwarzer Flügelstreif, über die Mitte der Flügelunterseite ziehen sich zwei schwarze Bänder und ein helleres entlang des Flügelhinterrandes. Die Flügel und der Körper sind oberseits sowie auf Kopf und Brust dunkel aschgrau. Nur der Bereich vor der schwarzen Flügelspitze ist heller silbergrau gefärbt. Der Bauch hat eine weiß Färbung mit deutlichen, rostbraunen Stricheln. Diese sind besonders auf den Flanken aber auch auf den Unterarmdecken markant ausgeprägt.

Wiesenweihen sind mittelgroße Greifvögel, die ein großes, paläarktisches Brutareal von Südwest-Europa bis Nordwest-China besiedeln. Als Langstreckenzieher überwintern sie in Afrika südlich der Sahara sowie auf dem Indischen Subkontinent und konnten u.a. von bird-lens.com im Awash-Nationalpark, einem trockenen Nationalpark am Rift Valley in Äthiopien im November beobachtet werden.

Als Brut- und Nahrungshabitate werden offene, mehr oder weniger ebene Landschaften genutzt. Direkt nach ihrer Rückkehr im April beginnen die männlichen Wiesenweihen ihre großartigen Balzflüge. Sie schrauben sich in spektakulären Loopings in die Luft oder lassen sich in artistischen Verdrehungen herunter fallen. Das soll sicher auf die Weibchen Eindruck machen oder sie anlocken. Diese Flüge haben durchaus eine aggressive Komponente und werden auch auf das sitzende Weibchen geführt. Dabei geben die Männchen keckernde, laute Rufe von sich.

Die von Wiesenweihen bevorzugten Flächen liegen im Bereich des Niederen Flämings im Süden Brandenburgs. Sie umfassen das intensiv landwirtschaftlich genutzte Gebiet westlich, südlich und östlich von Jüterbog, von Marzahna im Westen bis Dahme/Mark im Osten. Die flach gewellte, leicht hügelige Landschaft auf einer Höhe zwischen etwa 70 und 90 m ü. NN erstreckt sich über eine Ost-West-Ausdehnung von knapp 50 km und über eine Fläche von bis zu 400 km². Mit einer Jahresdurchschnitts-Temperatur von 9,2 °C und einem Jahresniederschlag von 561 mm ist die Hochebene etwas wärmer und deutlich trockener als der deutschlandweite Durchschnitt.

Die Wiesenweihenbestände werden im Niederen Fläming seit Jahren sehr erfolgreich ehrenamtlich betreut. Die ursprünglichen Bruthabitate der bodenbrütenden Wiesenweihen sind – wie der deutsche Name nahelegt – Feuchtwiesen, Mooren, offenen Grünflächen und Heiden. Insgesamt wird eine recht hohe, dichte Vegetation bevorzugt. In den letzten Jahrzehnten ist im westlichen Europa die Besiedlung von ackerbaulich genutzten Flächen, insbesondere Getreidefeldern, zu beobachten. So befinden sich auch die in den letzten Jahren im Niederen Fläming gefundenen Wiesenweihen-Brutplätze sich auf ackerbaulich genutzten Flächen. Vor allem Felder mit Gerste, Weizen und Roggen als Feldfrüchte wurden als Bruthabitate von Wiesenweihen registriert. Wie eine Studie von T. Schaub nahelegt, weisen die Anteile von Weizen und Gerste einen Zusammenhang mit den März-Mitteltemperaturen auf, mit umgekehrter Tendenz: Mit steigender Temperatur stieg der Anteil von Weizen, während der Anteil von Gerste sinkt.

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