Massenwanderung der Ringeltaube im Herbst über Brandenburg

RingeltaubeWenn im Oktober der kühle Morgenwind über die brandenburgischen Felder streicht, lohnt sich der Blick gen Himmel mehr denn je. Plötzlich rauscht es gewaltig über den Baumwipfeln, und Tausende kleiner Punkte verdichten sich zu riesigen Wolken – die Ringeltaube (Columba palumbus) tritt ihre beeindruckende Herbstreise an!

Der herbstliche Massenzug der Ringeltaube gehört zu den quantitativ imposantesten Phänomenen des mitteleuropäischen Vogelzugs. Jedes Jahr überqueren im Schnitt schätzungsweise 500.000 bis über eine Million Individuen das Territorium Brandenburgs. Die ausgeprägte Aggregation in Großschwärmen erfüllt dabei primär anti-prädatorische sowie aerodynamische Funktionen. Das Schwarmverhalten reduziert das individuelle Prädationsrisiko durch Greifvögel drastisch und steigert gleichzeitig die Orientierungs- und Navigationseffizienz während des Fluges. Das Ziel dieser meist nach Südwesten gerichteten Breitfrontwanderung sind die überwinterungsbegünstigten Regionen Westeuropas sowie des südwestlichen Mittelmeerraums.

Für das Auftreten ausgeprägter Zugtage sind spezifische meteorologische und zeitliche Parameter erforderlich. Peak-Tage treten vornehmlich im Oktober auf. Als optimale Witterungsbedingungen erweisen sich klare, feuchtkalte Morgenstunden nach dem Durchzug einer Kaltfront, verknüpft mit moderatem Rückenwind aus nördlichen bis östlichen Richtungen. Unter diesen Bedingungen setzt der Zug unmittelbar nach Sonnenaufgang ein und erreicht in den ersten Flugstunden seine maximale Intensität.

In Brandenburg bieten sich exponierte Erhebungen und freie Flußlandschaften hervorragend zur Beobachtung an. Als primäre Leitlinien dienen den Tauben markante Topographien wie das Odertal im Nationalpark Unteres Odertal oder die Höhenzüge der Nuthe-Nieplitz-Niederung sowie des Flämings. Hier lassen sich an starken Zugtagen zehntausende Vögel innerhalb weniger Stunden protokollieren. Eine ornithologische Besonderheit stellt die enorm variable Zugdynamik dar: Während nord- und osteuropäische Populationen strikte Obligatzieher sind, agieren mitteleuropäische Bestände zunehmend als Teilzieher, deren Zugneigung stark durch winterliche Nahrungsressourcen und klimatische Mildererwärmung beeinflußt wird.

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