Knutt ganz nah

KnuttManchmal steht man am Ostseestrand, schaut über die Sandbank und denkt bei den Limikolen: Näher komme ich an diese Watvögel wohl nicht heran. Doch plötzlich läuft ein Knutt (Calidris canutus) aus dem Trupp wenige Meter entfernt durch das flache Wasser und sucht konzentriert nach Nahrung.

Wer Knutts fotografieren möchte, arbeitet am besten mit Geduld statt mit Annäherung. Die Kamera bleibt niedrig, idealerweise direkt auf Bodenhöhe. Eine Tarnliege, ein Tarnzelt oder dezente Tarnkleidung könnten grundsätzlich helfen, die eigene Silhouette aufzulösen. Aber die Strände an der Ostsee sind gut besucht. Das weckt nur Aufmerksamkeit. Da ist es noch besser, eine Stelle aufzusuchen, an der die Vögel regelmäßig Nahrung finden, und dort ruhig zu warten. Entscheidend ist, daß der Knutt selbst die Distanz bestimmt. Wird er unruhig, sollte man zurückweichen.

Besonders ergiebig ist der Herbstzug von Juli bis Oktober. An sandigen Uferbereichen lassen sich neben Knutts auch Alpenstrandläufer (Calidris alpina), Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula) und gelegentlich Sichelstrandläufer (Calidris ferruginea), Sanderlinge (Calidris alba) und Pfuhlschnepfen (Limosa lapponica) fotografieren.

Die scheinbare Zutraulichkeit des Knutts entsteht vor allem durch seine starke Konzentration auf die Nahrungssuche. So konnte ich an einem stark besuchten Strandabschnitt an der polnischen Grenze mit Hunden, Spaziergängern und sogar Kite-Surfern diese schönen Fotos machen. Generell sind größere Trupps jedoch empfindlich gegenüber Störungen.

Besonders faszinierend ist sein Zug: Einige Knutts fliegen zwischen arktischen Brutgebieten und afrikanischen Winterquartieren über Tausende Kilometer. Die Unterart C. c. canutus nutzt dabei auch die südliche Ostsee als Rastgebiet.

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