Kleiner Gelbschenkel in den Niederlanden.

Kleiner GelbschenkelManchmal bietet sich die Gelegenheit, eine seltene Tringa-Watvogelart in einem Naturschutzgebiet an der Küste von Nordholland zu sehen. Besonders erfolgreich war ich mal bei einem Kurzurlaub zwischen Den Helder und Callantsoog. Ein adulter Kleiner Gelbschenkel (Tringa flavipes) konnte damals nördlich von Callantsoog im neu eingerichteten Naturschutzgebiet „De Nollen van Abbestede“ gesichtet werden. Nach einer Meldung konnte der Vogel an einem Nachmittag erneut beobachtet werden; hierfür parkte man das Auto entlang eines Feldwegs in dem Naturschutzgebiet – nahe der Sandküste und der Dünen – nur 200 Meter von der Stelle der Erstbeobachtung entfernt.

Die frühere Meldung stammte aus dem Feuchtgebiet direkt an der N 502, dem Duinweg. Die ersten Versuche, den Vogel am nächsten Morgen gezielt aufzusuchen (zu „twitchen“), blieben erfolglos. Als ich im Internet sah, daß der Kleine Gelbschenkel erneut gesichtet worden war – und zwar bis 17:00 Uhr im Feuchtgebiet „Nollen van Abbestede“ –, eilte ich sofort wieder zum Fundort. Diesmal lauteten die Koordinaten N 52,851 und E 4,707. Der Markierungspunkt verwies auf eine Stelle unmittelbar neben der Straße. Die Fotos zeigten einen adulten Vogel im Sommerkleid, der sich neben einem Kampfläufer (Calidris pugnax) aufhielt.

Unmittelbar nach dem Abendessen, im schönsten Abendlicht gegen 19:30 Uhr, machten wir uns auf den Weg. Die Entfernung betrug lediglich 8 Kilometer. Wir mussten nicht lange suchen: Am Straßenrand standen bereits weitere Autos. Und tatsächlich – der Kleine Gelbschenkel war da. Ganz in der Nähe. Ich schoß einige Belegfotos und wendete das Auto – und schon war der Vogel verschwunden. Allerdings nur bis zur nächsten Straßenbiegung. Nun befand sich der Vogel nur noch 10 Meter abseits der Straße. Der Gelbschenkel lief direkt vor uns entlang. So nah, daß ich glaube, den Vogel selbst in Südamerika niemals aus einer derart geringen Distanz fotografiert zu haben.

Plötzlich kreiste ein Sperber (Accipiter nisus) über den Feuchtwiesen und Feldern. Sämtliche Enten und die meisten Watvögel flüchteten – leider auch der Kleine Gelbschenkel. Während die Enten nach einer Weile zurückkehrten und die Säbelschnäbler ihre Nahrungssuche nicht einmal unterbrachen, ließ sich der Gelbschenkel erst gegen 21:00 Uhr wieder blicken.

Für Deutschland gilt der Kleine Gelbschenkel als absolutes „Mega“. In den Niederlanden tritt dieser Watvogel jedoch mit einer höheren Regelmäßigkeit auf. Am Lauwersmeer nahe dem Ezumakeeg wurde ebenfalls ein Exemplar beobachtet – vom 1. Juni (bzw. zumindest ab dem 8. Juni) bis zum 22. Juni 2014. Möglicherweise handelte es sich dabei um dasselbe Individuum, da die Gefiederbeschreibung in beiden Fällen übereinstimmte. Zuvor war am 7. Mai 2014 bereits eine Sichtung eines Kleinen Gelbschenkels aus dem Gebiet Den Oever – Schor in Nordholland gemeldet worden. Wer ebenfalls Interesse daran hat, diese paläarktische Rarität zu Gesicht zu bekommen und nicht zu weit von der holländischen Grenze entfernt wohnt, sollte nicht zögern, sich bei der ersten Meldung auf dem niederländischen Vogelbeobachter-Portal zur angegebenen Stelle zu begeben. Bei meinem eigenen Besuch traf ich damals auf deutsche und niederländische Vogelbeobachter.

Um der wachsenden Nachfrage nach Top-Bildern der selteneren Arten der Paläarktis gerecht zu werden, hat Bird-lens.com zwar auch gezielt Reisen an entlegene Orte unternommen. Aber auch das unmittelbare Wohnumfeld bietet immer wieder Interessantes. Dies alles, um hervorragende Fotos der Vögel der Westpaläarktis zu gewährleisten. Die Ausbeute an Bildern auch von seltenen westpaläarktischen Vögeln ist sehr gut. Es gibt noch weitere schöne Vogelbilder, die Sie unter der Registerkarte „Picture Shop“ finden. Geben Sie einfach Bescheid, wenn Sie ein Bild von einem Vogel benötigen, der nicht online ist.

 

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