Nach einem langen, heißen Sommertag in sowieso regenarmen südlichen Brandenburg flimmert die Luft noch leicht über dem Feld. Die ganze Zeit schon sind die rätschenden Rufe von Eichelhähern (Garrulus glandarius) in den Bäumen zu hören. Zu sehen ist aber nichts. Plötzlich landet einer der Eichelhäher am Rand einer flachen Quelle, die einen Hang entwässert. Im Hochsommer ist hier das einzige Naß weit und breit zu finden. Mit ruckartigen Bewegungen taucht er sein Gefieder ins Wasser, schüttelt sich, schlägt mit den Flügeln – eine kleine Explosion aus Tropfen und Federn.
Das Baden gehört beim Eichelhäher – wie bei vielen Singvögeln – zum sogenannten Komfortverhalten. Es dient nicht nur der Reinigung des Gefieders, sondern auch der Thermoregulation. Gerade an heißen Tagen zeigt der Eichelhäher ein verstärktes Bedürfnis, seinen Körper aktiv zu kühlen. Durch das Eintauchen in Wasser und anschließendes Schütteln kann überschüssige Wärme effizient abgeführt werden.
Beobachtungen zeigen, dass Eichelhäher im Sommer bevorzugt in den frühen Morgen- oder späten Nachmittagsstunden baden – also dann, wenn die Temperaturen zwar hoch, die direkte Sonnenstrahlung aber weniger intensiv ist. Die Badeplätze wählen sie gezielt. Während kleine Vöge, wie die Kohlmeise (Parus major) eher geschützte Naßstellen, gerne mit überhängenden Ästen, wählen, bevorzugt der Eichelhäher flache, gut zugängliche Wasserstellen mit freier Sicht zur Umgebung. Diese werden bevorzugt, vermutlich wegen der erhöhten Aufmerksamkeit gegenüber möglichen Prädatoren.
Neben der Kühlwirkung spielt das Baden eine zentrale Rolle bei der Gefiederpflege. Feuchtes Gefieder lässt sich im Anschluss leichter mit dem Schnabel ordnen (Putzen oder “Zieren”). Dabei werden lose Federn entfernt, und die Federstruktur bleibt intakt – entscheidend für isolierende und flugtechnische Eigenschaften. Zudem hilft das Wasser, äußere Parasiten wie Federlinge oder Milben zu reduzieren, was besonders im warmen Sommerhalbjahr von Bedeutung ist.
Obwohl der Eichelhäher außerhalb der Brutzeit oft einzeln auftritt, lassen sich an beliebten Wasserstellen gelegentlich mehrere Individuen beobachten, die nacheinander oder sogar gleichzeitig baden. Dabei zeigen sie oft eine gegenseitige Aufmerksamkeit – ein Verhalten, das als Zeichen komplexer sozialer Interaktion gewertet werden kann.
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