Schwarzhalstaucher auf dem Müggelsee

Ein typischer Novembertag. Hochnebel läßt eine neblige, graue Stimmung auftauchen. Ohne Wind liegt auch am Nachmittag noch ein sanftes Schimmern über dem Müggelsee im Osten Berlins, eine kalte Stille, die den See spiegelglatt erscheinen läßt. Durch das Fernglas, zwischen Stockenten (Anas platyrhynchos), Bläßrallen (Fulica atra), Kormoranen (Phalacrocorax carbo), Löffelenten (Anas clypeata) und Schnatterenten (Anas strepera) gleitet etwas Kleineres und Dunkleres über die silbrige Oberfläche – ein Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis), dessen schlanke Gestalt und purpurrote Augen sofort ins Auge fallen. Nicht weit davon entfernt treiben sich mehrere Ohrentaucher (Podiceps auritus) herum. Auch sie tauchen immer wieder auch für längere Zeit ab. Begegnungen wie diese verwandeln einen gewöhnlichen Novembermorgen in einen seltenen Einblick in die Eleganz des Nordens.

Der Schwarzhalstaucher ist ein regelmäßiger, aber lokal begrenzter Wintergast im deutschen Binnenland und bevorzugt größere, nährstoffreiche Seen wie den Müggelsee. Diese Art brütet hauptsächlich in flachen, salzhaltigen oder eutrophen Seen mit üppiger Ufervegetation, wechselt aber im Winter ihren Lebensraum. Während der kalten Monate bevorzugt sie tiefere, eisfreie Gewässer, die ausreichend Zugang zu Wasserwirbellosen und kleinen Fischen bieten. Das Vorkommen dieser Art in den größeren Seen Berlins während des Vogelzugs und im Winter deutet sowohl auf geeignete Nahrungsbedingungen als auch auf das Fehlen größerer Störungen hin.

Im Gegensatz dazu hat der Ohrentaucher ein nördlicheres Brutgebiet, das sich von Skandinavien bis zu den baltischen Staaten und Teilen Nordrusslands erstreckt. Er ist als Wintergast in den Binnengewässern Mitteleuropas seltener anzutreffen und bevorzugt typischerweise Küstenzonen und größere Seen mit stabilen offenen Wasserflächen. Dennoch erscheinen jedes Jahr einige Individuen am Müggelsee und den umliegenden Gewässern, die wahrscheinlich durch die Frostbedingungen weiter nördlich nach Süden verdrängt wurden.

Sowohl Ohrentaucher als auch Schwarzhalstaucher haben im Winter ähnliche ökologische Ansprüche: offenes Wasser, mittlere Wassertiefe und reichhaltige Nahrungsquellen. Ihr Vorkommen am Müggelsee spiegelt das relativ milde Mikroklima und die artenreiche Bodenfauna des Sees wider. Die thermische Trägheit dieses großen Gewässers verzögert das Zufrieren im Vergleich zu kleineren Seen, sodass Tauchvögel bis spät in die Saison hinein Nahrung suchen können. Darüber hinaus fördert der lokale Nährstoffeintrag dichte Populationen von Wirbellosen – eine wichtige Nahrungsgrundlage in Zeiten mit wenig Tageslicht und niedrigen Temperaturen.

Meteorologische Faktoren, insbesondere starke Winde und Temperaturgradienten in Europa, beeinflussen ebenfalls die Winterverteilung. Nordstürme und plötzliche Kälteeinbrüche führen oft zu Wanderungen nach Süden und konzentrieren die Vögel in gemäßigteren Tieflandgebieten. Das Auftreten von Ohrentaucher und Schwarzhalstaucher am Müggelsee kann daher als Teil eines umfassenderen ökologischen Musters betrachtet werden, in dem Wetter, Hydrologie und Lebensraumqualität zusammenwirken und temporäre Rückzugsgebiete für Zugvögel schaffen.

Im Moment dient der Müggelsee diesen eleganten Tauchern als ruhige Bühne – ein Ort, an dem die nördlichen Arten innehalten, fressen und sich ausruhen, bevor sie ihre stille Winterreise durch die Binnenmeere Europas fortsetzen.

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