Alpenstrandläufer auf St. Lawrence

AlpenstrandläuferEine der äußersten Zipfel Alaskas liegt direkt vor der Steilküste Kamtschatka. Hier verläuft die Tagesgrenze. Nirgendwo ist es möglich, den Tag später zu beginnen als hieran der Nordwestspitze der Insel St. Lawrence. Sowohl Seevögel wie auch vor allem die Limikolen sind hier sehr gut auf ihrem nordpazifischen Lebensraum zu beobachten. Eine schöne Abwechslung für einen westpaläarktischen Beobachter. Verwandte heimische Arten oder bisher unbekannte Unterarten können hier gut vergleichen werden. Gerade der Vergleich der Schwesterarten Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula) und Weißstirnregenpfeifer (Charadrius semipalmatus) sowie Beringstrandläufer (Calidris ptilocnemis) und Alpenstrandläufer (Calidris alpina) sind hier sehr gut auf ihrem Frühjahrszug zu beobachten.

Aber auch die Möglichkeiten Beringstrandläufer, Alpenstrandläufer und Bergstrandläufer (Calidris mauri) im Prachtkleid oder die Odinshühnchen (Phalaropus lobatus) direkt von der Schotterstraße in einem Pond bei Balzaktivitäten zu bewundern, sind hervorragend.

Im Rahmen eines Besuchs im Mai/ Juni 2016 wurden ausgiebige Exkursionen unternommen. Dabei wurden nicht nur der Troutman Lake, die vielen Sümpfe sondern die majestätischen Sevuokuk Moutains teils mehrmals am Tag erkundet. Der Landschaftseindruck ist atemberaubend. Richtige Tundra-Landschaft. Hier ist man wirklich am Ende der Welt. Immer wieder suchte ich die Alpenstrandläufer auf, die fleißig am balzen waren. Die von den Amerikanern „Dunlins“ genannten Alpenstrandläufer mit ihrer gut sichtbaren schwarzen Bauchbinde fliegen immer wieder zwischen Kiesflächen über das trockene Gras. Das mit den Subspezies scheint nicht so ganz trivial zu sein. Immerhin ziehen potentiell 3 Unterarten auf der Seward Peninsula durch. Allerdings sind nach neueren taxonomischen Einschätzungen die ssp. hudsonia mit ssp. pacifica, und pacifica mit ssp. sakhalina oder ssp. arcticola synchronisiert. Wie auch immer. C. a. arcticola würde jedenfalls im Nordwesten Alaskas und dabei im Norden der Seward Peninsula und im Norden Kanadas vorkommen und C. a. pacifica im sogenannten SW Alaska (dabei im Süden der Seward Peninsula) brüten. Ich bestimme erst mal alle als der ssp. pacifica zugehörig. Ein Paar der Dunlin fliegt kurz über das Gras und dann setzt – wohl das Männchen – zum minutenlangen Balzflug vor dem grauen, eintönigen Himmel an. Wenig später erklingt der der hohe Balztriller der Beringstrandläufer  (Calidris ptilocnemis). Der in Englischen „Rock Sandpiper“ genannte Watvogel auf der Insel gehört der sibirischen Unterart tschuktschorum an und ist deutlich kleiner als die Unterart auf St. Paul. Er scheint auch heller in der Gefiederfärbung zu sein.

Im Grunde läuft Birding um Gambell auf St. Lawrence wie auf den St. Paul Island/ Pribilofs ab. Unabhängig, ob man auf die Insel als Teil einer Birding-Gruppe, mit einem eigenen Guide oder als Einzelperson ohne Führung kommt. Man kann nichts verpassen. Der einzige Zufluchtsort ist das „Hotel“. Hier erfährt man auf jeden Fall, was von den lokalen Guides, den heimischen Experten gesehen wurde und welche Gruppe was wann beobachtet hat. Wenn eine der Gruppen mit ihrem Guide eine besonders gute Vogelart findet, werden die anderen Führer benachrichtigt und in der Regel sofort in das Gebiet fahren, so dass alle Ornithologen auf der Insel eine Chance haben, die Seltenheit zu sehen. Damit kann man so ziemlich alle regulären Zugvögel der Insel plus die ein oder andere echte Rarität sehen. Birding auf St. Lawrence heißt, früh aufstehen, dann Frühstück und dann raus bis ca. 20:00 oder 21:00 Uhr. Pausen gibt es nur für das Mittagessen und Abendessen. Man sucht praktisch alle produktiven Punkte ab.

Das Klima war diesmal sehr angenehm. Die Temperaturen sollen sonst aber im Sommer bei durchschnittlich 10° C liegen. Dichter Nebel und Regen bei einem wolkenverhangenen Himmel sind ansonsten häufig. Wir hatten dieses Jahr ausgesprochenes Glück. Nur an einem Tag war kein Sonnenaufgang zu beobachten. Das gute Wetter soll jedoch nach Aussagen der Einheimischen eher selten ist.

Eine Fotoausrüstung mit leidlich langen Brennweiten (ab 300mm) ist auch bei der Suche nach den alltäglichen Arten, wie den Alpenstrandläufern, ein Muss. Diese Vögel sind zwar – gerade beim intensiven Balzen – nicht sehr scheu. Mit einer langen Brennweite lässt sich aber der Bewegungsdrang der Strandläufer ablichten ohne immer wieder hinterher robben zu müssen. Beim Wandern sind kniehohe Gummistiefel, Wanderstiefel mit Überziehern (sogenannte NEOS) angeraten und an manchen Stellen auch unabdingbar.

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