Erster Erfahrungsbericht mit der Canon EOS 1 DX Mark II

Als zufriedener Canon EOS 1D X und ehemaliger EOS 1D Mark IV – User wollte ich irgendwann natürlich auch die nächste Generation dieses Profimodells testen. Über die Jahre hatte ich festgestellt, daß mich sowohl die Canon EOS 1D Mark IV oder auch die D1 X fast immer voll überzeugte, aber eben auch nur fast immer. Bei beiden kritisiere ich den lauten Silent-Mode. Weiter war ich davon überzeugt, daß es inzwischen technische Verbesserungen in der AF-Verfolgung geben müsste. Trotz iTR AF in der Canon EOS 1D X waren die Ergebnisse gerade vor strukturierten Hintergrund nicht wirklich überzeugend. Fliegende Vögel stellen die Technik eben nicht nur aufgrund ihrer Geschwindigkeit sondern auch aufgrund des vielfältigen Lebensraums vor einige Herausforderungen.

Vögel im Flug zu fotografieren ist eine der anstrengendsten aber auch erfüllensten fotografischen Herausforderungen. Die Vögel in ihrem Element, dem Flug, festhalten ist zudem häufig die einzige Möglichkeit, diese Vögel überhaupt aus der Nähe fotografieren zu können. In der Luft fühlen sie sich offensichtlich sicher und kommen deutlich näher an den Fotografen, wie dies auch schon bei Schwalben und Segler-Aufnahmen in Kamerun oder bei einem nach Fliegenschnäpper-Art im Regen fliegenden Bülbül deutlich wurde.

An der Canon EOS 1D X hatte ich dazu meistens Case 2 in der AF-Konfiguration eingestellt, mit der Motive weiter verfolgt werden und Hindernisse ignoriert werden. Das geschieht in der Automatik dadurch, daß die AI Server Reaktion leicht verzögert wird. Die Nachführbeschleunigung bleibt dabei unangetastet. Ich habe dazu aber auch schon mal Case 3 in der AF-Konfiguration genutzt, bei dem auf Motive sofort fokussiert wird, wenn diese in AF-Felder eintreten. Das ist natürlich dann besonders interessant, wenn man das mit der automatischen AF-Feld-Wahl kombinieren kann bzw. könnte. Denn die Versuche bei der Canon EOS 1D X scheiterten meist; offensichtlich reagierten die AF-Felder nicht schnell genug, um z.B. Schwalben über einem Teich beim Trinken geschweige denn Vorbeiflug fotografieren zu können. Auch Versuche mit der Manuellen AF-Messfeldwahl in einer Zone blieb der Erfolg verwehrt.

Bei einem Ansitz aus einem Hide beim Ranger Bollmann auf den Schreiadler (Aquila pomarina) konnte ich dies mal an fliegenden Rauchschwalben (Hirundo rustica) ausprobieren. Die Aufnahmen geschahen mit einem Canon 400 2,8. Der Schreiadler hatte – wie bereits vor ihm – eine  junge Rohrweihe (Circus aeruginosus), an einem ausgelegten Köder gefressen und ich wartete nun eigentlich bei einsetzendem Sommerregen auf seine Wiederkehr. Der war direkt an einer überfluteten Fläche in einer wunderschön gelegenen Pferdeweide ausgelegt. Die Weide ist direkt an einer dicht mit Stauden bestandenen seichten Überschwemmungsfläche an der Grenze zu landwirtschaftlichen Wiesen, Feldern und dem Wald gelegen. Dem Ranger ist es gelungen, die Erlaubnis zur Errichtung einer Ansitzhütte sowohl von einem Bauern als auch den zuständigen Naturschutzbehörden zu bekommen. Ideale Voraussetzungen, um Bilder von Vögeln auf kurze Distanz zu fotografieren. bei einsetzenden Regen kamen immer mehr Rauchschwalben und nutzen die Gelegenheit sich zwischen den Ruhepausen auf dem Weidedraht ins Wasser zu stürzen. Dabei nutzten sie gerne und im schnellen Flug einen Ausläufer der Wasserfläche, der nicht so dicht bewachsen war.

Gegen eine strukturierten Hintergrund fliegende Vögel zu fotografieren. Das konnte bei den bisherigen Kameramodellen noch verbessert werden. Das wollte ich jetzt mal an der neuen EOS 1D X Mark II mal ausprobieren. Die Bedingungen war – landläufig gesagt – alles andere als optimal. Eine dichte Wolkendecke sorgte für Verschlußzeiten bei ISO 100, die bei gerade mal 1/250 sec. bei Blende 4,0 lagen. Die Entfernung zwischen Ansitz im Versteck und dem Ausläufer der Wasserfläche betrug  gut 15 Meter. An der Canon EOS 1D X Mark II stellte ich für die Aufnahmen die Automatik auf M (manuell), stellte eine sehr kurze Verschlußzeit ein 1/1250 und stellte die Blende auf 8.0 ein. Die Betriebsart mußte auf Schnelle Reihenaufnahme – das sind sehr anständige 14 Bilder/ sec. – eingestellt werden. Der AI-Servo war selbstverständlich als AF-Betrieb eingestellt. Die bei der Blende-Verschlußzeit-Kombination in der ISO-Automatik zugespielten ISO-Werten tendierten dabei zwischen 1250 und 2000, was den Reiz der Aufgabe (wie ist das Rauschverhalten) weiter erhöhte. Zuerst verwendete ich Case 1 in der AF-Konfiguration (also die Standardeinstellung) mit der Manuellen AF-Messfeldwahl in einer Zone. RauchschwalbeDie Bilder der fliegenden Rauchschwalbe (Hirundo rustica) sprechen für sich. Anschließend stellte ich auf die AF-Konfiguration, bei der auf Motive sofort fokussiert wird, wenn diese in AF-Felder eintreten (Case 3). Das sollte doch in Kombination mit der automatischen AF-Feld-Wahl zu sogar noch besseren Ergebnissen führen.

Die Ergebnisse sind gut zu erkennen. Keine meisterlichen Fotos. Aber immerhin solche, die das Potential der neuen Canon EOS 1 DX Mark II zeigen.

Wie allein von der Papierform (und beim Preis) zu erwarten, ist  die Schnelligkeit einer Canon EOS 1D X Mark II unübertroffen. Die nur leicht größeren RAW-Dateien (im Vergleich zum Vorgängermodell) werden nun in einen größeren Pufferspeicher eingestellt. Ihn konnte ich auch mit CF-Karten nicht an seine Grenzen bringen. Beim Silent Mode ist man bei der Canon EOS 1D X Mark II zwar leiser geworden. Ihn gibt es sogar – im Gegensatz zur EOS 1D X – in zwei Varianten (Single Shot und Continous Shot) und ist deutlich weicher und leiser als bei der EOS 1D X. Im Vergleich zu den Canon 5D Modellen aber immer noch deutlich lauter. Eine Canon EOS 1D X Mark II ist ebenso wie ihr Vorgänger oder auch die „alte“ Canon EOS 1D Mark IV ein schwerer, solider Apparat. Das weiß man zu schätzen – oder mal läßt es.

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