Canon EOS 1 Mark IV, ein Erfahrungsbericht

EOS-1D Mark IVAls (nach 25 Jahren) unzufriedener Nikon-Fotograf hatte ich Gelegenheit ein völlig neues fotografisches System zu suchen. Da ich mich weiter in Richtung Vogelfotografie entwickeln wollte und die neuen Kameras bei Nikon aus den o.a. Gründen nicht zu Verfügung standen, habe ich verschiedene Alternativen bei Canon gesucht. Als Vogelfotograf habe ich mich auf das Ablichten möglichst vieler Vogelarten für wissenschaftliche Zwecke spezialisiert. Zuerst habe ich meine Bedürfnisse genau geprüft. Ich laufe viel in den unterschiedlichsten Gegenden, im Gebirge auf 2.500m NN oder im Regenwald.

Das Gewicht der Gesamtkombination spielt also eine große Rolle. Zur Disposition stand eine gebrauchte Canon 1D Mark III, die Canon EOS 7D oder die Canon EOS 5D Mark II oder eben das damalige Top-Modell, die Canon EOS 1D Mark IV. Die EOS 1D Mark III schied aus, weil die Berichte u.a. in Dforum über die Autofokus-Probleme zu eindeutig gegen diese Kamera sprachen und auch die Canon EOS 7 D wurde in den Foren m.E. zu negativ bzgl. des verwendbaren ISO-Spielraums diskutiert. Blieb also noch die Canon EOS 5D Mark II als Alternative. Um meine Wahl abzusichern, nahm ich die Gelegenheit wahr, mir über GM-Foto in Frankfurt eine Canon EOS 1D Mark IV zusammen mit einem Canon EF 400mm f/2.8L IS USM auszuleihen und ein Wochenende zu testen. Eine Canon EOS 5D Mark II konnte ich von einem Freund ausleihen. Der Vergleich ergab, dass die Canon EOS 1D Mark IV gegenüber der 5D einfach deutlich flotter ist, wenn es um Schnelligkeit des Autofocus und Serienbildfunktion geht. Zwei Eigenschaften, die gerade für gelungene Flugaufnahmen von Vögeln unabdingbar sind. Bei dem Objektiv habe ich mich übrigens aus Gewichtsgründen für das Canon 400mm f4,0 DO entschieden.

Weitere Kriterien: Um die Nachteile der Lichtstärke und der gegenüber dem alten 500er reduzierten Brennweite bei der Canon 400mm f4,0 DO aufzuheben, sollte das damals aktuelle Profimodell mit einem Crop-Faktor von 1,3 aufwarten können. Da ich die Aufnahmen in Adobe Bridge prüfe und werte, fotografierte ich bisher sowohl mit JPEG-Bilder (Small) als auch mit RAW. Der Pufferspeicher sollte also gut dimensioniert sein, um möglichst viele JPEG-Bilder zusammen mit den RAW-Bilder zu erzeugen. Das robuste Gehäuse aus Magnesium sollte die EOS-1D Mark IV vor den typischen Einflüssen, die der raue Einsatz in der Natur mit sich bringt, schützen. Überzeugend fand ich bei der Gehäusekonstruktion die Dichtungselemente, die nach allgemeiner Aussage für bestmöglichen Schutz vor Feuchtigkeit und Staub sorgen.

Nach knapp 3 Jahren in Gebrauch, Reisen nach u.a. Papua New Guinea, Thailand, Schottland, Kalifornien, Portugal, Arabien, Rumänien, Norwegen, Finnland und insgesamt gut 266.000 Auslösungen kann ich folgendes Resümee ziehen:

Die Entscheidung für Canon EOS 1D Mark IV war genau richtig. Die Mark IV hat meine Erwartungen genau getroffen, vielleicht sogar übertroffen. Der AF ist hochpräzise und äußerst schnell. Die Auflösung ist absolut ausreichend. Die Aufnahmen zeichnen sich durch eine sehr hohe Farbtiefe und ein insgesamt sehr gutes Rauschverhalten aus. Die Empfindlichkeit und damit die Rauscharmut ist sehr gut bis 1600 ISO, Bildrauschen ist bis 3200 ISO kaum sichtbar und noch akzeptabel bei 6400 ISO. Kontrastreiche Motive werden sehr gut gemeistert und sowohl dunkle Bildflächen als auch die hellen Bildpartien optimal wiedergegeben. Der automatische Weißabgleich funktioniert perfekt.

Den Videomodus benötige ich nicht, finde aber die Live-View-Funktion, die ja wohl damit einhergeht, eine willkommene Ergänzung. Schön ist, dass die Kamera im Live-View Modus auch über Autofokus verfügt.

Insgesamt also eine super Kamera. Bilder, die mit der Mark IV geschossen wurden, gibt es z.B. hier:

Sehr gut hat mir das EOS-Integrated-Cleaning-System zur automatischen Reduzierung und Entfernung von Staubpartikeln auf dem Sensor gefallen. Dieses arbeitet sehr zuverlässig. Das soll wohl an einer Fluor-Beschichtung liegen, die auch klebrige Staubpartikel gut fernhält. Staub auf dem Sensor war ein echtes Manko, was ich bei den älteren Nikon-Modellen noch in leidvoller Erfahrung habe.

Zum Thema Rauschen: ich fotografiere auch in der Dämmerung oder im Wald und fotografiere dann mit ISO-6400 oder – ausnahmsweise – höherer Empfindlichkeit. Hier heißt es, im RAW – Konverter von Photoshop vernünftig entwickeln, moderat in Photoshop/Lightroom mit der Luminanzrausch-Reduzierung arbeiten. Das funktioniert ganz gut und lässt viel Spielraum um Fotos auch in größeren Ausgabeformaten auszudrucken.

Ich verwende übrigens AdobeRGB  und nicht das standardmäßig bei der CANON 1D Mark IV eingestellte sRGB.  AdobeRGB ist ja der umfänglichere Farbraum, während sRGB einen im oberen und unteren Spektrum beschnittenen Teilbereich dieses größeren Farbraums darstellt. Da ich sowieso nicht mit Out-of-Cam-Aufnahmen arbeite, einen ordentlichen PC habe und auch den Monitor samt Bildschirmkarte vernünftig kalibriert habe, ist mir der AdobeRGB-Farbraum mit seinen deutlich differenzierten und feiner gestuften Tönen lieber. Nicht nur die Farben wirken natürlicher, besonders wichtig sind die vielfältigeren Schattierungen.

Zu den Custom-Funktionen habe ich ja bereits in einem anderen Blog etwas geschrieben. Außerdem habe ich die Funktion AF-Stopptaste (C.Fn III-6) so eingestellt, daß ich bei IS-Superteleobjektiven mit einem Druck zwischen dem One Shot und dem AI Servo-Modus wechseln kann. Die ISO – Einstellung habe ich grundsätzlich auf „Automatik“ bei Blitzaufnahmen auf 400 ASA stehen.

Insgesamt kann ich sagen, daß diese Kamera perfekt Schnelligkeit, hohe Auflösung, hohe ISO-Performance, Robustheit und eine sehr gute Bildqualität in einem Gehäuse verbindet. Sehr schön finde ich auch das haptische Konzept. Die Drücker / Rädchen befinden sich dort, wo man sie braucht. Es gibt nicht zu viel und nicht zu wenig. Die Canon EOS 1D Mark IV bietet dem Fotografen daher die Möglichkeit, sich ganz dem entscheidenden Moment der Aufnahme zu widmen.

Als nachteilig empfinde ich das etwas umständliche Suchen/ Einstellen der Individualfunktionen (C.Fn), deren Leistungsumfang man sich auch gut merken muß. Hier bietet die neue 1 DX doch deutlich mehr Komfort. Die Festlegung eines „Bildstils“ empfinde ich als Spielerei, was umso ärgerlicher ist, als diese Funktion einen eigenen Druckknopf zugewiesen bekommen hat. Das hätte man sich bei einem Profimodell schenken können. Nicht Jedermanns Sache ist sicher auch das klobige Aussehen und das Gewicht. Beides aber wohl bei einer Kamera dieses Leistungs-/Funktionsumfangs unvermeidlich.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, daß nach fast 3 Jahren der Arretierstift für die Objektivbefestigung klemmte. Canon hat die Kamera innerhalb einer Woche repariert zurückgeschickt. Zusätzlich wurde die Kamera inspiziert (Clean & Check) wofür Canon insgesamt 190,- € netto in Rechnung stellte. Die Abwicklung und Kommunikation habe ich insgesamt als sehr professionell erlebt.

Als ich mir die neuen LEXAR 1000x GB 32 gekauft habe, fiel mir auf, daß die Kamera ggf. zu langsam den Kartenspeicher bediente, als die Karte das antizipiert hatte. Das liegt ggf. daran, daß die neuen LEXAR-Karten mit UDMA 7 aufwarten. Jedenfalls habe ich einige Male eine Fehlermeldung bekommen. Dies allerdings nur bei der Abspeicherung von Small JPG und RAW gemeinsam. Die Aufnahme allein von RAW-Dateien hat keine Fehlermeldung mehr erbracht.

NACHTRAG 2014-07-17: Ich habe nun auf der LEXAR-Webiste folgendes gefunden.

Which host devices in the market today are UDMA 7 compatible?

The Canon EOS 1D-X is UDMA 7 enabled.

The Canon EOS 7D, EOS 50D, EOS 1D Mark IV and the EOS 5D Mark II can be UDMA 7 enabled though a firmware upgrade.

Canon EOS 7D firmware upgrade »

Canon EOS 7D, EOS 50D, EOS 1D Mark IV and the EOS 5D Mark II firmware upgrade »

Ok, habe ich etwa nur den Firmware Upgrade nicht gemacht? Das ist jedenfalls das erste Mal, daß ich von dieser Möglichkeit überhaupt höre.

One thought on “Canon EOS 1 Mark IV, ein Erfahrungsbericht”

  1. Hallo Johannes,
    die Aussagen Deines Erfahrungsberichtes kann ich nach gut dreijähriger Nutzung der Mark IV voll bestätigen. Mir wird diese Kamera bestimmt noch lange viel Freude bereiten. Interessant finde ich Deine Erfahrungen mit der Lexar Speicherkarte …

    Viele Grüße
    Christoph

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