Wer durch Brandenburg fährt, hört sie vielerorts noch: die Goldammer (Emberiza citrinella). Ihr etwas melancholischer Gesang gehört für viele Vogelfreunde einfach zur Feldflur dazu. Doch der vertraute Eindruck täuscht. Auch hier ist die Art langfristig nicht völlig unberührt vom Wandel der Agrarlandschaft.
Eine aktuelle Auswertung der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO) dokumentiert für das Bergische Land eine starke langfristige Bestandsabnahme der Goldammer. Die NWO beschreibt die Art dort als Charaktervogel der offenen bis halboffenen Kulturlandschaft und führt insbesondere die Intensivierung der Landwirtschaft sowie den Verlust von Hecken, Gehölzen und Saumstrukturen als wichtige Faktoren an.
Für Brandenburg fällt das Bild deutlich moderater aus. Die Auswertung der Agrarvögel für den Zeitraum 1995 bis 2016 weist für die Goldammer einen durchschnittlichen jährlichen Rückgang von lediglich 0,3 Prozent aus. Über den gesamten Zeitraum entspricht das einem Rückgang von etwa sieben Prozent. Damit wird die Art in der Studie als „stabil“ eingestuft, während zahlreiche andere Agrarvögel erheblich stärker abnehmen.
Warum ist die Goldammer in Brandenburg trotzdem noch regelmäßig zu beobachten? Entscheidend ist offenbar die Landschaftsstruktur. Die Art benötigt keine völlig offene Ackerfläche, sondern bevorzugt strukturreiche Übergänge: Hecken, Feldgehölze, Waldränder, Brachen und krautreiche Säume. Solche Elemente sind in Brandenburg vielerorts noch vorhanden. Bereits frühere Untersuchungen zeigten, dass die Goldammer auf Agrarflächen eine hohe Stetigkeit erreicht.
Hinzu kommen regionale Unterschiede in der landwirtschaftlichen Nutzung. Brandenburg verfügt über große, vergleichsweise dünn besiedelte Räume und einen hohen Anteil landwirtschaftlicher Fläche. Gleichzeitig liegt die Viehbesatzdichte deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, was auf eine andere Intensität der Tierhaltung und Flächennutzung hinweist.
Allerdings bedeutet „noch häufig“ nicht „ungefährdet“. Auch Brandenburg verliert Strukturen. Der Anteil ökologisch wertvoller Landwirtschaftsflächen ist zuletzt zurückgegangen, und die allgemeine Entwicklung der Agrarvögel bleibt negativ. Besonders auffällig ist deshalb der Kontrast zwischen der vergleichsweise stabilen Goldammer und den starken Rückgängen anderer Feldvögel.
Die Goldammer zeigt damit zweierlei: Sie kann sich an unterschiedliche Landschaften anpassen, ist aber weiterhin auf strukturreiche Agrarräume angewiesen. Brandenburg bietet ihr davon noch vergleichsweise viel. Gerade deshalb lohnt es sich, die Art nicht erst dann ernst zu nehmen, wenn ihr vertrauter Gesang seltener geworden ist.
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