Vogelbeobachtung im Capo Feto, Sizilien

Capo Feto ist so ein Ort, den man eigentlich gar nicht laut weiterempfehlen will. Zu schön, zu ruhig, zu ursprünglich. Wenn man dort ankommt, wirkt alles wie ein kleiner Zufluchtsort fern vom Trubel Siziliens: heller Sand, klares Wasser und dieser weite Horizont. Nur an einer Stelle liegt ein leichter, unangenehmer Geruch in der Luft, der dem Gebiet seinen Namen gegeben hat. Was allerdings wirklich stört, ist nicht die Natur, sondern der Mensch. Immer wieder findet man Müll, achtlos zurückgelassen in einer Landschaft, die genau davon lebt, unberührt zu sein. Wer hierherkommt, sollte Verantwortung übernehmen und seinen Abfall wieder mitnehmen. Der Weg dorthin ist holprig, eine unbefestigte Straße mit groben Steinen, doch mit etwas Vorsicht gelangt man fast bis an den Strand.

Aus ökologischer Sicht stellt Capo Feto ein bedeutendes Feuchtgebiet dar, das durch eine Kombination aus Küstenstreifen, Dünen und sumpfigen Arealen geprägt ist. Diese Habitatvielfalt schafft ideale Bedingungen für zahlreiche Vogelarten sowie spezialisierte Pflanzen. Besonders bemerkenswert ist die Rolle des Gebiets als Rast- und Überwinterungsplatz für Zugvögel entlang der zentralen Mittelmeerroute.

Historisch gesehen war das Gebiet in den 1950er Jahren stark belastet, da intensive Jagdaktivitäten zu einem drastischen Rückgang der Vogelpopulation führten. Spätere Eingriffe, darunter geplante Infrastrukturprojekte wie eine Teststrecke für Motoren oder Wohnbebauung, konnten glücklicherweise verhindert werden. Dennoch kam es teilweise zu illegaler landwirtschaftlicher Nutzung, insbesondere Weinbau, der Teile des ursprünglichen Ökosystems beeinträchtigte.

Seit den 1990er Jahren stehen Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen im Fokus. Die Gemeinde Mazara del Vallo übernahm im Rahmen europäischer Programme Verantwortung für das Gebiet, und ein Biotop-Sanierungsprojekt wurde initiiert. Die Umsetzung bleibt jedoch fragmentarisch, was sich unter anderem in mangelnder Pflege und sichtbaren Umwelteinflüssen wie Algenansammlungen und angespültem Müll zeigt.

Ornithologisch ist Capo Feto besonders wertvoll. Zu den regelmäßig beobachtbaren Arten zählen der Stelzenläufer (Himantopus himantopus), der Kiebitzregenpfeifer (Pluvialis squatarola), der Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula) sowie der Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus). Ebenso treten der Regenbrachvogel (Numenius phaeopus), der Bruchwasserläufer (Tringa glareola) und der Rotschenkel (Tringa totanus) auf. Unter den Limikolen sind außerdem der Sichelstrandläufer (Calidris ferruginea) und der Zwergstrandläufer (Calidris minuta) hervorzuheben. Besonders selten und ökologisch bedeutsam ist die Zwergseeschwalbe (Sternula albifrons), die hier geeignete Brutbedingungen findet. Bei einem Besuch Ende April war die Beobachtung eines Regenbrachvogels (Numenius phaeopus) bemerkenswert.

Das jahreszeitliche Auftreten der Avifauna variiert stark. Während der Wintermonate dominieren überwinternde Arten, die das milde Klima nutzen. Im Frühjahr, insbesondere im Mai, erreicht die Artenvielfalt ihren Höhepunkt. Während des Vogelzugs lassen sich zahlreiche Durchzügler beobachten, darunter verschiedene Watvögel und Seeschwalbenarten, die das Gebiet als Rastplatz zur Nahrungsaufnahme nutzen. Diese Phase ist für Vogelliebhaber besonders attraktiv, da kurzfristig auch seltene oder unregelmäßige Arten erscheinen können.

Trotz bestehender Herausforderungen bleibt Capo Feto ein ökologisch wertvolles Gebiet mit hohem Potenzial für Naturschutz und Forschung. Die Kombination aus relativer Abgeschiedenheit, habitatlicher Vielfalt und ornithologischer Bedeutung macht es zu einem einzigartigen Beobachtungsraum im Mittelmeerraum.

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