Mauerläufer in der Sierra de Guara in Aragon

MauerläuferMeine ersten Versuche waren nicht erfolgreich. Stattdessen brachte mir die sehr zuverlässige Mauerläuferwand in der Stadt Alquezar „nur“ einen männlichen Sperber im Gegenlicht. Auf der Suche nach dem Mauerläufer (Tichodroma muraria), diesem schwer fassbaren Hochgebirgsbewohner fand ein Artikel von Dave Gosney vom 19. find März 2008 zum Thema ” Birding abroad” meine Aufmerksamkeit. Der Artikel trägt den Titel: “Finding Wallcreepers in the Sierra de Guara”. Die Sierra de Guara ist ein Gebirgszug südlich des berühmten Nationalparks Ordesa im Norden Spaniens. Die Gipfel erreichen bis zu 2000 Meter und werden durch Flüsse in teilweise tiefen Schluchten geteilt. Das macht die Gegend perfekt für Mauerläufer, die von den höchsten Gipfeln der Pyrenäen herunter ins Tal wandern, um den Winter auf senkrechten Felswänden in tieferen Lagen zu verbringen. Dave Gosney erwähnt, dass diese überwinternde Vögel bis Anfang April zu sehen sind. Gosney empfiehlt die Sierra de Guara in Aragon. Hier vor allem die Orte “El Huevo de Morrano”, den “Embalse de Calcon” den Vadiello Damm, den Canyon de Mascun beim Klettererort Rodellar und schließlich die Felswände in und um Alquezar. Seine Worte “…..the area has so many sites for wintering Wallcreeper (Tichodroma muraria) that really you can’t go wrong – if you fail at one site, there’s always plenty more to try…”  hatten mich wirklich beeindruckt. Das Gebiet eignet sich hervorragend auch zur Vogelbeobachtung anderer Vögel – vor allem den Geiern (Bartgeier (Gypaetus barbatus), Schmutzgeier (Neophron percnopterus) und Gänsegeier (Gyps fulvus)) aber der Mauerläufer war mein Zielvogel Nummer 1.

Nachdem ich den ersten Morgen ohne Mauerläufer auf dem (allerdings sehr sehenswerten) Aussichtsplattformen, den Miradores, von Alquezar verbracht hatte, versuchte ich die weiteren Ziele, die Gosney erwähnt, abzuklappern. El Huevo de Morrano ist leicht zu finden, wenn man über Bierge zum nächsten Dorf fährt. Morrano liegt nicht weit im Norden. Kurz nach der zweiten Abzweigung in den Ort Morrano biegt ein Weg rechts ab. Hier steht ein gelbes Schild mit der Aufschrift “Espacio Natur Protegido” und ein weißes Schild “Coto Deportivo de Casa”. Beide von Gosney erwähnten Schilder sind immer noch da. Man kann jetzt aber rund 100 Meter weiter in das Gebiet fahren und auf einem Plateau mit Blick auf die beeindruckende Felswand parken. Ich nehme an, dass der Weg zu den Huevo de Morrano viel mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, als die geschätzten 10 Minuten. Ich war jetzt nicht so scharf darauf, das Auto allein in Niemandsland stehen zu lassen. Also beschloss ich, das 2. Ziel anzusteuern.

Aus Gründen der Vollständigkeit sei gesagt, dass es noch einen anderen Zugang – ich nehme an, den “offiziellen” – zu den El Huevo de Morrano gibt. Die Einfahrt ist sogar leichter zu finden als die o.a. Stelle, Dazu fährt man von der Abzweigung zum Dorf Morrano in Richtung Norden. Nach knapp 1 km gibt es eine Abzweigung vor einer scharfen Kurve. Dort führt ein Weg rechts zu einem Parkplatz. Nach einigen hundert Metern gibt es eine Schranke und man muß zu Fuß weiter gehen. Die Distanz, die zu überbrücken ist, scheint nicht kürzer zu sein als die der Alternative 1. An dieser Stelle empfehle ich den Kauf einer Karte des Gebiets, bevor Sie reisen. Weitere Informationen zu Karten für den Parque Natural de la Sierra y los Cañones de Guara finden Sie weiter unten …

Ok , jetzt das zweite Ziel, dem Embalse de Calcon , der auch als Embalse de Guara ausgeschildert ist. Hier ist der Calcon-Fluss wurde aufgestaut, um ein Reservoir zu schaffen. In der Nähe von Aguas ist der Embalse de Guara ganz gut ausgeschildert. Parken können Sie – wie Gosney erwähnt – direkt an der Schranke. Dann geht man zu Fuß zur Dammkrone oder Sie können bis zu einem Mirador hoch fahren. Dieser liegt gut 20 Meter über dem Damm. Das hat den Vorteil der besseren Übersicht über das Gebiet. Mauerläufer sollen in der Schlucht unterhalb der Staumauer gesehen worden sein. Aber auch die Felswand auf der Ostseite des Speichers scheint gut zu sein. Ich habe aber nichts gesehen von einem Mauerläufer. Der Ausflug zu dem Staudamm war aber trotzdem erfolgreich. Ich hatte hier einen herrlichen Blick auf einen kreisenden Lammergeier oder  Bartgeier (Gypaetus barbatus), der entlang der Felswände und Klippen flog.

Nun zum dritten Lage, den Vadiello Damm, der sich von den genannten Stellen am weitesten westlich befindet. Wieder ein Reservoir. Die Straße über den Damm ist nur für autorisierte Autos zugelassen und man muß den Wagen an einem Schild “Parking de la C.H.E. (Confederación Hidrográfica del Ebro)” abstellen und dann bis zum Damm ca. 300m laufen. Also kein Problem. Das ist meine letzte Chance – zumindest für heute. Ich scanne vor allem die Felswände, die sich steil über gut 100 Höhenmeter direkt an der Staumauer hinziehen. Auf Anhieb sehe ich auch wieder Felsenschwalben (Ptyonoprogne rupestris) und Gebirgsstelzen (Motacilla cinerea). Ich verbringe sicher schon fast 2 Stunden. Die Augen schmerzen schon vom dauernden Gucken auf die gleichmäßigen, hell-grauen Felswände und dem Starren auf die Staumauer. Ich laufe dann mal Richtung Wanderweg, der weiter in die Berge führt. Hier scheuche ich einen Vogel auf, der direkt vor mir auf den Steinplatten der Staumauereinfassung gesessen hatte. Offensichtlich hatte er dort nach Nahrung gesucht. Hey, was ist das denn für ein grauer, länglicher Vogel. Schließlich habe ich also doch noch einen Mauerläufer entdeckt. Er fliegt sofort an die gegenüberliegende Wand und inspiziert die nassen Stellen an denen das Wasser der Regenfälle der vergangenen Woche abläuft. Die Vegetation an den steilen Hängen ist kaum von höheren Pflanzen geprägt. Den auffälligsten Bewuchs bilden hier neben einigen Moosen und Flechten ausgedehnte Teppiche von Cyanobakterien, die insbesondere in feuchten Felspartien in Form charakteristischer „Tintenstriche“ auftreten. Ich hatte schon gehört, daß sich der Mauerläufer gerne an den moosbewachsenen Abflußrinnen in den Felswänden aufhält um hier Insekten zu jagen. So scheint es hier auch zu sein. Dann – als ich näher komme – fliegt er auf die östliche Bergwand neben der Staumauer herunter. Leider steht er jetzt im Schatten. Von hier aber schaut er gelegentlich flatternd an seiner Felswand empor. Dabei spreizt er wunderschön die Flügel, was ich auch einmal fotografieren kann. Mehr Bilder von dem Mauerläufer, der sich an der Felswand herumtreibt sehen sich in der Galerie. Ich bin von seiner Schönheit wirklich entzückt. Mit dem ruckartigen Spreizen der karminrot aufleuchtenden breiten Flügel ahmt er einen Schmetterling nach. Er ist wirklich nicht viel größer als ein Kleiber, hat aber auffallend breite Flügel. Die überlangen Zehen sind auf den Fotos gut zu erkennen. Er fliegt schließlich auf die gegenüberliegende Seite des Staudamms und läßt sich auf der westlichsten Staumauerwand nicht allzu tief unterhalb der Balustrade mitten im Sonnenlicht nieder. Sofort beginnt er auch hier mit der Nahrungssuche. Ich versuche nur vorsichtig mit dem Objektiv über das Gelände zu reichen. Trotzdem sieht er mich von dort unten. Die Perspektive ist – anders als das Licht – nicht sehr günstig. Ich schaue praktisch direkt auf ihn drauf. Nach knapp 1 Minute – in der ich aber trotzdem gut 100 Fotos geschossen habe – fliegt der Mauerläufer auf Nimmerwiedersehen davon. Wohl in eine der umliegenden Felswände. Leider zeigt er sich anschließend nicht mehr obwohl ich noch gut 2 Stunden am Stausee verharre bis die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist.

Am nächsten Tag war die letzte Option an der Reihe; der Canyon de Mascun nördlich von Rodellar. Um es kurz zu machen: sehr schöne Landschaft, keine Touristen und schöne Wanderwege, aber keine Mauerläufer.

Wow, war ich wirklich glücklich. Nur ein Mauerläufer (Tichodroma muraria) in den 3 Tagen, die ich in der Sierra de Guara verbracht habe. Die Zeit – Anfang März – war ausgezeichnet. Ein Tripreport von David Bowman für die Sierra de Guara nennt ebenfalls den 9. bis 13. März 2009 und zeigt, dass nicht nur Gosney erfolgreich war. Aber bis ich schließlich den Vogel fand, war ich schon fast verzweifelt. Vielleicht hat das ruhige und milde Wetter in diesem Winter diese Gebirgsvögel früher zurück zu ihren Brutplätzen geführt.

Die Sierra de Guara ist ein Bergmassiv in der Provinz Huesca. Dies ist die nördlichste Provinz in Aragon. Die Berge beginnen rund 25 km nordöstlich von der Stadt Huesca. Ein Großteil des Massivs ist nun in einem Naturpark, dem Parque de la Sierra de Guara y Cañones, geschützt. Eine Reihe von Flüssen fließt von Nord-Süd-Richtung durch das Gebiet. Sie schneiden durch das Massiv in teils spektakulären Schluchten. Das Massiv besteht hauptsächlich aus Kalkstein, was eine gute Nachricht für den Mauerläufer (Tichodroma muraria) ist. Sehr zu empfehlen ist eine Karte der Gegend. Am besten kaufen Sie eine Karte bevor Sie reisen. Eine gute Karte ist die von Mapas Excursionista für den “Parque Natural de la Sierra y los Cañones de Guara”. Editorial Alpina hat eine im Maßstab 1:40.000 veröffentlicht, und zwar mit zwei Karten, eine für den westlichen Teil des Parks und eine zweite für den östlichen Teil. Die Karten zeigen das gesamte Wege- und Loipennetz sowie Straßen und Aufstiege in dem Park.

Um mit der wachsenden Nachfrage nach guten Fotoaufnahmen der selteneren Arten der Paläarktis Schritt zu halten, ist Bird-Lens.com sehr daran interessiert, den Umfang der Bilder der Vögel in der Westpaläarktis weiter auszubauen. Reisen zu abgelegenen Orten wie Finnland im Winter oder im Frühjahr nach Spanien, um Bilder von seltenen Vögeln der Westpaläarktis zu machen, waren sehr erfolgreich. Das schöne Bild, das Sie zu diesem Blog finden, ist nur ein Vorgeschmack dessen, was Sie in der Galerie “Picture-Shop” finden. Geben Sie mir einfach Bescheid, wenn ich Ihnen mit einem zusätzlichen Bild dienen kann.

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