Schwarzspecht: Bruthöhle in Buche

SchwarzspechtEs ist ein klarer Morgen im Wald. Nach dem ersten Regen im Monat März riecht die Luft nach feuchter Erde. Und dann hört man es: ein rhythmisches Klopfen, hart und gleichmäßig. Wenn man stehen bleibt und lauscht, wird schnell klar, woher es kommt. Von einer gar nicht so alten Buche am Rand eines Auenwaldes kommt dieses tiefe, kraftvolle Hämmern. Nicht das kurze Trommeln eines kleinen Spechts wie dem Buntspecht (Dendrocopos major), sondern ein lautes, regelmäßiges Klopfen, das durch den ganzen Bestand hallt. Nachdem ich mich einen freien Blick durch das noch unbelaubten Waldstück erarbeitet habe, und in die Runde schaue, entdecke ich ihn: einen großen schwarzen Vogel, der sich an die Buche klammert. Mit kräftigen Schlägen arbeitet er sich in das Holz hinein. Holzspäne fallen zu Boden. Der Schwarzspecht (Dryocopus martius) scheint hier gerade eine neue Bruthöhle anzulegen. Es ist ein Männchen, wie man anhand der Ausdehnung der roten Kopfplatte erkennen kann. Er klammert sich an die Rinde, stemmt sich mit dem Schwanz ab und hämmert mit erstaunlicher Vehemenz in das Holz.

Der Schwarzspecht ist die größte Spechtart Europas und zeigt ein ausgeprägtes jahreszeitliches Verhalten, das eng mit seinem Brutzyklus verbunden ist. Während der Herbst- und Wintermonate konzentriert sich seine Aktivität hauptsächlich auf die Nahrungssuche. Er ernährt sich überwiegend von holzbewohnenden Insekten, insbesondere Ameisenarten wie der Rossameise (Camponotus ligniperda) sowie Larven verschiedener Käferfamilien. Mit seinem kräftigen Schnabel öffnet er morsches Holz oder hackt tiefe Löcher in Baumstämme, um an diese Nahrung zu gelangen. In dieser Zeit nutzt er sein Revier relativ unauffällig, auch wenn gelegentliche Trommelserien zur Revierabgrenzung auftreten.

Mit dem Spätwinter beginnt die Balzperiode. Die zunehmende Tageslänge führt zu einer verstärkten Aktivität der Tiere. Charakteristisch sind in dieser Phase laute Rufreihen und weithin hörbare Trommelwirbel, die sowohl der Reviermarkierung als auch der Partnerfindung dienen. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich vor allem durch die Ausdehnung der roten Kopfplatte: Beim Männchen bedeckt sie nahezu den gesamten Scheitel, während sie beim Weibchen nur den Hinterkopf einnimmt. Während der Balz kommt es häufig zu gemeinsamen Flugspielen und gegenseitigem Rufen innerhalb des Reviers.

Die Auswahl eines geeigneten Brutbaumes erfolgt meist im zeitigen Frühjahr. Der Schwarzspecht bevorzugt ältere, kräftige Bäume mit glattem Stamm, wobei Buchen (Fagus sylvatica) besonders häufig genutzt werden. Das Holz bietet eine günstige Kombination aus Stabilität und Bearbeitbarkeit. Der Eingang der Bruthöhle befindet sich meist in Höhen zwischen acht und zwanzig Metern. Charakteristisch ist die große, oval geformte Öffnung, die deutlich größer ist als bei anderen mitteleuropäischen Spechten. Der Innenraum der Höhle wird nach unten erweitert und bildet eine tiefe Brutkammer.

Das Aushämmern der Höhle erfolgt durch beide Partner, wobei das Männchen häufig den größeren Anteil der Arbeit übernimmt. Über mehrere Wochen hinweg wird Holz aus dem Stamm entfernt. Die Späne fallen zu Boden und bilden oft einen auffälligen Haufen am Fuß des Baumes. Pro Saison wird in der Regel eine neue Höhle angelegt, während ältere Höhlen später von anderen Arten genutzt werden. Zahlreiche Vogelarten wie die Hohltaube (Columba oenas), Dohlen (Corvus monedula) oder der Raufußkauz (Aegolius funereus) profitieren von diesen verlassenen Spechthöhlen.

Die Eiablage erfolgt meist zwischen April und Mai. Das Weibchen legt typischerweise drei bis fünf weiße Eier direkt auf den Boden der Höhle, der lediglich mit einer dünnen Schicht Holzspäne bedeckt ist. Beide Elternteile beteiligen sich an der Bebrütung, die etwa zwei Wochen dauert. Nach dem Schlupf bleiben die Jungvögel mehrere Wochen in der Höhle und werden intensiv gefüttert. Die Nahrung besteht vor allem aus Ameisen, deren Puppen und Larven, die von den Altvögeln im umliegenden Wald gesammelt werden.

Während der Nestlingsphase ist die Aktivität am Brutbaum besonders hoch. Die Altvögel fliegen regelmäßig mit Nahrung ein und entfernen gleichzeitig Kotballen aus der Höhle, um die Brutkammer sauber zu halten. Nach etwa vier Wochen verlassen die Jungvögel so ab Anfang Juni erstmals die Höhle. In den folgenden Tagen halten sie sich noch in der Nähe des Brutbaumes auf und werden weiterhin von den Eltern betreut, bevor sie schließlich eigene Reviere suchen.

Der Schwarzspecht erfüllt durch seine Höhlenbauaktivität eine bedeutende ökologische Funktion. Seine großen Bruthöhlen stellen eine wichtige Ressource für zahlreiche andere Tierarten dar und tragen damit wesentlich zur strukturellen Vielfalt von Waldökosystemen bei.

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