Insbesondere wer seine alten Beobachtungsdaten digitalisieren will, steht zumindest vor einem Beweisproblem. Denn in den Nullerjahren (2000er Jahre) gab es das heutige bundesweite Standardportal ornitho.de noch nicht. Dieses startete erst im Oktober 2011. Stattdessen wurden Vogelmeldungen nicht nur in Hessen über eine Kombination aus regionalen Pionier-Websites, E-Mail-Verteilern etc. gesammelt.
So wurde ich gebeten, eine – recht frühe – Beobachtung eines Braunkehlchens (Saxicola rubetra) 22. März 2013 aus Bonames (Frankfurt am Main) zu verifizieren. Die gemeldete Art wurde nämlich vom Gebietskoordinator zur Überprüfung markiert. Ich sollte die Checkliste ergänzen, um Feldnotizen oder eine Beschreibung des betreffenden Vogels hinzufügen sowie andere Informationen darüber, wie ich die Art identifiziert hatte. Das mit einem Zeitabstand von 13 Jahren ist nicht so einfach. Ein Foto hatte ich von dem Tag nicht. Ich erinnerte mich nur vage, daß ich damals auch schon zur Bestätigung aufgefordert wurde. Im Archiv von GermanBirdnet (unter Naturgucker) konnte ich dann einen Eintrag eines anderen Ornithologen finden, der 2 Tage später an der Nidda VII, Frankfurt ebenfalls die Art gemeldet hatte. Das genügte damals dem Gebietskoordinator.
Die alten Datenarchive und die mühsam gesammelten Vogelmeldungen aus den Nullerjahren sind zum Glück nicht verloren gegangen. Sie wurden über die Jahre systematisch digitalisiert, zusammengeführt und gesichert. Der Verbleib der verschiedenen Archive gestaltet sich – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – wie folgt:
Das wichtigste überregionale digitale Medium in den 2000er Jahren für aktuelle und bemerkenswerte Vogelbeobachtungen war die Mailingliste GermanBirdnet, die als Yahoo-Gruppe organisiert war. Hierüber tauschten Beobachter tagesaktuell Seltenheiten und Zugvogeldaten aus.
Für Hessen besonders prägend war und ist die private Homepage von Norbert Kühnberger, auf der bereits seit 1997 bemerkenswerte Vogelbeobachtungen aus hessischen Top-Gebieten (wie dem Bingenheimer Ried oder dem Reinheimer Teich) online dokumentiert und öffentlich gesammelt wurden.
Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON): Die HGON sammelte strukturierte Daten für das Vogelmonitoring (wie die Wasservogelzählung) in dieser Zeit vor allem über klassische papierbasierte Meldebögen, Excel-Tabellen oder direkte E-Mail-Einsendungen, die später in vereinseigene Datenbanken eingepflegt wurden.
NABU|naturgucker: Gegen Ende der Nullerjahre ging NABU|naturgucker an den Start und wurde ab diesem Zeitpunkt von vielen Naturbeobachtern und NABU-Gruppen in Hessen für Online-Meldungen genutzt.
Es ist trotzdem nicht ganz einfach. Das Archiv der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz habe ich gar nicht gefunden. Das historische Archiv des GermanBirdNet (GBN) ist zwar über verschiedene Plattformen zugänglich. Man sucht sich aber u.U. einen Wolf. Historische Meldungen, also ältere Meldungen aus der ursprünglichen Yahoo-Zeit, wurden lange Zeit immer noch auf birdnet.de gesammelt und archiviert. Nun kommt man über die Website des NABU|naturgucker an Altdaten heran. Dazu einfach https://nabu-naturgucker-beobachtungen.de eingeben und dann auf „Daten filtern“ klicken. Man sollte dann neben dem Zeitraum (Button: Zeitspanne) nicht nur die Art oder Artgruppe eintragen sondern auch noch das Beobachtungsgebiet eingrenzen. Dazu findet sich eine sehr schöne Karte unter „Geografie“, die man auch deutlich verkleinern kann.
Damit sollte sich zumindest die ein oder andere Beobachtung aus z.B. 2006 verifizieren lassen.
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