Die Suche nach Ziegenmelkern (Caprimulgus europaeus) ist jedes Jahr eine Freude in Brandenburg. Ich habe die Art jedes Jahr gesehen. Ich habe viele unvergessliche Begegnungen an schönen Sommerabenden erleben dürfen. Wie aber würde es am frühen Morgen sein. In der Morgendämmerung sollen Ziegenmelker, die jetzt „nur“ Nachtschwalbe seit neuestem heißen, ja sogar noch aktiver sein. So heißt es zumindest in der einschlägigen Literatur. Einige Männchen des Ziegenmelkers wurden von mir an sehr fotogen Standorten im letzten Tageslicht beobachtet. Aber für ein vernünftiges Foto war es doch häufig zu dunkel gewesen. Vielleicht würde sich der Ziegenmelker morgens länger zeigen?
Ich suchte mir einen frühen Morgen aus, der möglichst windstill sein sollte; und möglichst kühl. Damit würde sich der Ziegenmelker mit Hilfe der Thermokamera hoffentlich gut gegen den kühlen Boden abzeichnen. Schon vor der Dämmerung war ich in einem Gebiet, das bei einem mehrere hektargroßen Waldbrand praktisch seinen ganzen Kiefernbestand verloren hatte. Die Ziegenmelker waren schon zu hören. Obwohl es stockduster war, folgte ich den schnurrenden Lauten. Die Ziegenmelker befanden sich nicht da, wo ich sie gesucht hatte. Ich hatte dafür eine noch wenig bearbeitete Teilfläche vorgesehen. Doch dort war kein Schnurren zu hören. Stattdessen hatten sich mehrere Männchen der Ziegenmelker in einem Pflanzgebiet für (wieder) Kiefern mit den dazu gehörigen breiten Waldwegen eingefunden. Mit dem Abspielen des Schnurrens, konnte ich die Aufmerksamkeit des Ziegenmelkers auf mich lenken.
Gegen 3:00 wird der Horizont sichtbar. Erste Konturen zeichnen sich ab. Die Ziegenmelker hatten sich in Stimmung gebracht. Vor allem die quiekenden Flugrufe erregten sie sehr. Mehrere Male überfliegt ein Männchen, dessen Revierzentrum wohl genau auf meinem Standort ist. In der Thermokamera läßt sich der Ziegenmelker beim langsamen Flug gut verfolgen. Leider sinkt er nach dem Flug immer wieder in eine Kiefernschonung hinein. In den Furchen der einzelnen Reihen kleiner Kiefern ist er nicht auszumachen. Immer wieder suche ich mit der Thermokamera den breiten Wirtschaftsweg ab. Dann endlich, habe ich den Eindruck, daß diese Wärmequelle eben noch nicht da war. Und tatsächlich. Ein Blick durch das Fernglas bestätigt: ein Ziegenmelker niedrig auf einem Ast. Allerdings zu schnell für ein Scharfstellen der Kamera. Wieder locke ich mit dem Gesang vom Band. Vor allem die Flugrufe lassen den Ziegenmelker sofort mit Schnurren reagieren. Er muß ganz nah sein. Dann endlich, nehme ich Bewegung wahr. Diesmal genügt ein Blick mit dem Fernglas. Der Ziegenmelker sitzt auf einem Baumstumpf. Das ist die Chance. Und zwar die einzige. Das Resultat sieht man am Bild des Blogs. Gegen 4:30 ist dann Schluß. Ein paarmal läßt sich der Ziegenmelker noch zum Schnurren provozieren, kommt aber nicht mehr aus seiner Deckung hervor.
Wichtig anzumerken ist, daß das Alles sich deutlich vor dem offiziellen Sonnenaufgang, der um 4:54 Uhr war, abspielte. Exakt zu dieser Zeit steigt die Oberkante der Sonne über den Horizont. Aber immerhin gut 20 Minuten nach der Bürgerlichen Morgendämmerung, dann also wenn es merklich hell wird und Zeitunglesen im Freien ist ohne Lampe möglich wäre.
Tagsüber ruhen Ziegenmelker am Boden, auf Baumstümpfen oder auf starken Baumästen. Ziegenmelker ruhen meist liegend mit eingezogenem Kopf, auf Ästen liegen sie in Längsrichtung des Astes, um die Konturen in Ruhelage verschwinden zu lassen. Augen werden bis auf einen Schlitz geschlossen. Es gibt präferierte Ruheplätze, die nach Angaben aus der Literatur gewöhnlich lange beibehalten werden. Ihre Benutzung soll an den abgesetzten Kotballen kenntlich sein. Ich habe allerdings weder einen Ruheplatz noch Störungen einen ruhenden Ziegenmelker bisher gefunden.
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