Der Klang ist hell und hart, fast metallisch. Offensichtlich bearbeitet ein Buntspecht (Dendrocopos major) etwas Hohles. Spontan fällt mir da nur ein Vogelnistkasten ein. Schnell ist die Stelle und der Übeltäter erkannt. Der Specht hämmert wie besessen. Nicht auf einen Baumstamm, sondern tatsächlich auf einen Nistkasten und zwar auf den Umkreis des Einflugloches. Wer drinnen wohnt, hat schlechte Karten – draußen hängt ein Buntspecht mit Tunnelblick. Der Zimmermann unter den Vögeln, hat sich ein neues Projekt vorgenommen. Der Kasten gehört eigentlich den Meisen, aber das interessiert ihn nicht. Wenn er will, kommt er rein.
Der Buntspecht ist eine weit verbreitete Spechtart in Europa und Teilen Asiens. Er zählt zu den anpassungsfähigsten Vertretern seiner Familie. Neben toten Ästen, morschem Holz und lebenden Bäumen untersucht er auch künstliche Strukturen wie Nistkästen. Besonders in der Brutzeit, etwa von April bis Juni, zeigt sich verstärktes Interesse an solchen Kästen – meist nicht, um selbst zu brüten, sondern um an Gelege oder Nestlinge anderer Arten zu gelangen.
Der Specht nutzt seinen kräftigen Schnabel wie einen Meißel. Dabei zeigt D. major eine bemerkenswerte Präzision. Beim Aufhämmern von Nistkästen setzt er gezielte, rhythmische Schläge, oft an den Ecken oder am Eingangsloch. In manchen Fällen wird das Einflugloch vergrößert oder Teile des Kastens regelrecht herausgebrochen. Studien dokumentieren dabei auch wiederholtes Verhalten an bestimmten Kastentypen – ein Hinweis auf erlernte Technik oder Vorlieben.
Der Buntspecht ist omnivor. Seine Hauptnahrung besteht aus Insektenlarven, Käfern und anderen Wirbellosen, die er aus Baumrinde oder Totholz pickt. In der kälteren Jahreszeit ergänzt er seine Ernährung durch Samen, Nüsse und Baumfrüchte. Im Frühling und Sommer nimmt er jedoch auch Vogeleier und Nestlinge in sein Beutespektrum auf. Besonders Nistkästen von Meisen (Parus spp.), Kleibern (Sitta europaea) und anderen Höhlenbrütern werden dabei gezielt attackiert.
Diese Nahrungserweiterung ist kein Zufall, sondern eine gezielte Strategie. Die Kombination aus kräftigem Schnabel, hoher Ausdauer und Lernfähigkeit macht den Buntspecht zu einem effektiven Prädator an künstlichen Brutplätzen.
Was für Beobachter spektakulär wirkt, wäre für die betroffenen Jungvögel eine ernste Bedrohung. Doch aus Sicht des Buntspechts ist es schlicht Überleben mit den Mitteln, die ihm die Evolution gegeben hat.
In dem Falle zeigte sich der Buntspecht sehr beharrlich. Als ich mich näherte, flog er zwar schnell weg. Aber nicht sehr weit. Dann kam er nach kurzer Zeit zurück; nur um sein Werk fortzuführen. Am nächsten Tag konnte ich ihn immer noch bei der Erweiterung des Einfluglochs beobachten. Vielleicht suchte er doch eine eigene Wohnung für die Brut.
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