Sperlingskauz in der Daubaer Schweiz

SperlingskauzEs ist neblig und windstill in der Daubaer Schweiz bzw. im Kokorschiner Tal. Benannt ist die Gegend nach der Burg Kokorin, die über dem gleichnamigen Tal thront. Schon am südlichen Ende des lang gezogenen Tals finden sich eindrucksvolle Sandsteinformationen, die so typisch für diese Gegend sind. Die zahlreichen Kiefern verleihen der wildromantischen Landschaft ein Aussehen, welches einen zuweilen durchaus an alte japanische Tuschezeichnungen erinnert. Es ist schon Wochen her, daß es einige Tage geschneit hat. Langsam sind die ersten Anzeichen des Frühlings auszumachen.

Kurzentschlossen sind wir in die Daubaer Schweiz gefahren. Eine Wanderempfehlung führt die uns zu einigen Highlights der Daubaer Schweiz und des Kokorintals führt. Zuerst steigen wir zu den berühmten Pokličky-Felsen auf, einem Symbol der Daubaer Schweiz. Vorbei an Kletterfelsen und durch schattige Täler führt der Weg teilweise über Leitern und Stiegen bis zur eindrucksvollen Burg Kokorin. Weiter führte uns der Weg an der Ruine der Felsenburg Nedamy vorbei. Der Aufstieg erscheint gewagt. Eine andere kleine Höhle – die Kirchleinhöhle oder auf Tschechisch Kostelíček – ist ganz in der Nähe. Typisch für die Daubaer Schweiz sind eben kühle schattige Täler, die von Sandsteinfelsen eingerahmt sind, aber auch trockene, von Kiefern bestandene Felsriffe. Einige aus vulkanischen Gesteinen aufgebaute Berge überragen diese Wald-Felswildnis.

Hier fühlt sich auch ein eher ungewöhnlicher Besucher wohl. Es ist der Sperlingskauz (Glaucidium passerinum), der – ähnlich wie im Elbsandsteingebirge – in den feuchten Schluchten ein Zuhause gefunden hat. Es ist plötzlich ein rhythmischer Gesang, eine Tonleiter, zu hören. Es ist ein Sperlingskauz, der wenig später auf einer toten Kiefer oberhalb eines großen Blockfeldes sitzt. Als er mich sieht, fliegt er in einen Jungbestand aus Fichten.

Natürliche Fichtenwälder mit viel Alt- und Totholz sind der Lebensraum des seltenen Sperlingskauzes. Die starengroße Eule wiegt nicht mehr als eine Amsel. Der Sperlingskauz hat einen runden Kopf mit schwach entwickeltem Gesichtsschleier, kurzen weißen Augenbrauen und eng zusammenliegenden Augen mit gelber Iris („ernster“ Gesichtsausdruck). Seine graubraune Oberseite und der Kopf sind weiß gesprenkelt. Im Nacken ist eine, brillenförmige, helle Zeichnung ausgebildet („Scheingesicht“). Die Unterseite ist rahmfarben-weiß mit schmalen, dunklen Längsflecken. Das Weibchen ist größer als das Männchen.

In der Daubaer Schweiz gibt es genug stehendes Totholz und Fichten mit Buntspechthöhlen (Dendrocopos major) als Brutbäume sowie ausreichend Nahrung an Kleinvögeln und Mäusen. Besonders häufig nutzt der Kauz die Höhlen des Buntspechts in alten Fichten für seine Brut. Diese braucht der Sperlingskauz zum einen für sein Nest und zum anderen für seine Vorratskammern. Typische Singvogelarten der Bergfichtenwälder sind zum Beispiel die Haubenmeise (Lophophanes cristatus) mit ihrem häufig zu hörenden Triller und die Tannenmeise (Periparus ater) mit ebenfalls typischen Gesang.

Auf dem Weg von Prag nach Norden passiert man zahlreiche, kleinere, romantische Seitentäler, die zum Erkunden einladen. Sowohl das Haupttal wie auch die Seitentäler sind durch ein relativ dichtes Netz von Wanderwegen gut erschlossen. Hier bieten sich zahlreiche, attraktive Fotomöglichkeiten. Interessante Motive stellen die überall dominierenden Sandsteinfelsen dar auf denen häufig bizarr gekrümmte, teils uralte Kiefern wachsen. Unterwegs passiert man die kleine Ortschaft Kokorin Dul, unterhalb der Burg Kokorin. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist zwar mehrfach ausgebrannt, wurde aber immer wieder aufgebaut. Heute ist sie eine der touristischen Attraktionen des Gebietes. Von ihrem Turm aus hat man einen schönen Ausblick über das ganze Tal. Wenn man das Tal im Norden ver­lässt, verlieren sich auch die letz­ten Spuren des Tourismus. Die Straße nach Duba führt durch eine dramatische, enge Schlucht und kurz vor Duba gelangt man über eine Seitenstraße zum Dorf Drazejov, das fast vollständig auf einem großen Sandsteinfelsen gebaut ist. Hier drängen sich auf engstem Raum Häuser mit kleinen Gärten. Besucher können von hier oben einen grandiosen Blick über die Land­schaft genießen. Vulkane prägten die Landschaft. Einige Kilometer weiter im Nordwesten gibt es eine weitere kleinere Burg, Houska. Von hier hat man ebenfalls einen schönen Rundblick. Im Norden sieht man eine weitläufige und hügelige Landschaft. Auffallend sind hier vor allem die vielen, regelmäßi­gen, kegelförmigen Hügel. Besonders markant sind zwei gleich­große und direkt nebeneinanderliegenden Berge. Auf einem der beiden Berge steht die Burg Bezdes.

Fast jeder Besucher, der in die Tschechische Republik fährt, möchte vor allem Prag, die Goldene Stadt besuchen. Den wenigsten ist jedoch bekannt, dass nur zirka 55 Kilometer nörd­lich von Prag eine der schönsten Landschaften Tschechiens liegt, das Naturschutzgebiet (CHKO) Kokorin. Nach einer mehrstündigen Wanderung wollen wir jetzt noch übernachten, um morgen noch eine Wanderung in der Gegend zu machen.

In der Region gibt es nur einige wenige Pensionen, die sich alle im Tal von Kokorin befinden. Die Pension Milca ist etwas abseits der Hauptstraße an einem kleinen See gelegen, die Pension v Udoli liegt in einem kleinen Seitental bei Vojtechov und die Pension v Raji in der sehr kleinen Ortschaft Raj. Im Tal befinden sich auch zwei Campingplätze. Rings um den See Machovo Jezero befinden sich zahlreiche Pensionen, Hotels verschiede­ner Kategorien und auch einige Campingplätze. Vor allem in der Stadt Doksy trifft man auf ein reichhaltiges Angebot. Wenn nicht gerade Hochsaison und Wochenende ist, kann man wohl ohne größere Probleme eine geeignete Unterkunft finden.

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