Überwinternde Gänsearten am Niederrhein

Irgendwann ab Mitte Oktober hört man am Niederrhein die ersten weit entfernten Rufe der Bläßgänse (Anser albifrons), die aus ihren sommerlichen Brutgebieten zum Überwintern an den Niederrhein ziehen. Meist nachts kommen sie in hoch fliegender Keilformation fast unsichtbar, aber gut hörbar in die Rheinauen unterhalb von Duisburg bis nach Holland geflogen. Der Aufenthalt der vielen 10.000 arktischen Wildgänse in den Wintermonaten ist nicht nur ein akustisches sondern auch ästhetisches Schauspiel.

Naturverbundene Niederrheiner warten inzwischen schon ab Mitte Oktober sehnsüchtig auf die ersten Rufe der einziehenden Gänse. Jeden Tag geht der Blick immer wieder nach oben, wo man sie dann irgendwann in langgezogener Keilformation hoch am Himmel sehen kann. Manchmal sind auch nur ihre Rufe zu hören. Besonders in der Nacht ist es ein beeindruckendes Erlebnis, wenn man die fliegenden Gänse hört, ohne sie sehen zu können. Für die Gänse ist das Fliegen und Manövrieren in der Dunkelheit übrigens im Regelfall kein Problem, da sie auch nachts sehr gut sehen können. Die Gänse halten während des langen Fluges mit ihren Stimmen Kontakt zueinander und man kann sie auch über größere Entfernungen hören. Ornithologen können die verschiedenen Arten sogar an ihren Stimmen voneinander unterscheiden. Mitte Dezember wird das Maximum zugereister Gänse erreicht. Das heißt bis zu 200.000 arktische Gänse halten sich im Raum zwischen Duisburg und der holländischen Grenze auf. Ab Mitte Februar ziehen sie dann wieder nach Osten in ihre über 5.000 Kilometer entfernten Brutgebiete auf der Taymir-Halbinsel im Norden Sibiriens. Die Beobachtung der Gänsebewegungen bleibt immer spannend, da es immer was Besonderes gibt. So ist die eine oder andere Seltenheit zu entdecken. In den weiten Gänsetrupps lohnt sich der Blick auf Besonderheiten im Gefieder oder der Schnabel- bzw. Beinfarbe. So läßt sich vielleicht eine Kurzschnabelgans (Anser brachyrhynchus) entdecken. Es sind aber immer nur wenige Exemplare dieser Art, die man findet. Die Beobachtung der Gänsetrupps ist auch deswegen spannend, da es immer wieder Veränderungen in der Zusammensetzung gibt. So hat in den letzten zehn Jahren der Anteil an Nonnen- bzw. Weißwangengänsen (Branta leucopsis) stark zugenommen. Vor 25 Jahren waren die Ornithologen noch überzeugt, dass Weißwangengänse Überwinterer an Meeresküsten sind. Inzwischen kann man die Nonnengans im Binnenland – nicht nur am Niederrhein sondern auch in Brandenburg – in immer größerer Zahl beobachten. Parallel dazu hat der Winterbestand der Saatgans (Anser fabalis) immer weiter abgenommen. Die Kanadagans (Branta canadensis) dagegen ist das ganze Jahr über am Niederrhein zu finden und läßt sich von den großen Trupps überwinternder Gänse mal mitreißen.

Saatgänse gelten als besonders kältefest und bleiben aufgrund der milderen Winter immer öfter im Osten oder gar in der Nähe ihrer Brutgebiete im Norden. Hierbei muß man berücksichtigen, dass alle Gänse immer nur so weit in den Westen wandern wie aus ihrer Sicht nötig, um den Winter zu überstehen. Wer im Frühjahr als erster im Brutgebiet ist, kann sich den besten Brutplatz aussuchen. Also versuchen alle überwinternden Gänsearten, möglichst schnell im Frühjahr in die Brutgebiete zu kommen.

Wenn wenige Jungvögel in den Gänseverbänden auftauchen, kann man erkennen, ob es im Brutgebiet einen kalten Sommer oder im Vorjahr ein Lemmingjahr gab. Infolge eines Lemmingjahres gibt es nämlich immer recht viele Polarfüchse (Vulpes lagopus). Im Sommer sind nämlich Lemminge die Hauptbeute der Polarfüchse. Die Polarfüchse jagen aber auch Vögel, Eier, und sogar Jungtiere von Robben. Ist eine Lemmingpopulation zusammengebrochen können diese Füchse keine Lemminge mehr im Folgejahr als Nahrung finden. Dann halten sie sich verstärkt an den Gössel der Blässgänse gütlich.

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