Waldbrand und Spechte

SchwarzrückenspechtIn alle Richtungen ragen kahle Baumstümpfe in den niedrigen grauen Himmel, nackte Zweige hängen aus den Resten von Baumkronen und wedeln irgendwann zu Boden. Die versengten Baumstämme sind die schwarz wie die Nacht. Doch schon nach kurzer Zeit wachsen winzige Weidenröschen (Epilobium sp.) und andere Pionierarten, die an den Spitzen versengt sein mögen, ansonsten aber schon sehr bald leuchtend grün auf dem schwarzen Boden zu bewundern sind. In der Ferne fegte das Feuer – anhand verbrannter Bäume gut zu erkennen – eine Düne hinunter und den nächsten Hang hinauf. Aus der Luft ist es schön zu sehen. Rotnadelige Ränder bildeten riesige Muster inmitten des weiten, flachen Landes.

Was in Deutschland wenig verstanden wird: Abgebrannte Wälder sind eine der am wenigsten verstandenen und sich am dynamischsten verändernden Waldtypen, und einige Vögel haben sich so entwickelt, um genau dieses auszunutzen. Das heißt, diese Arten kommen fast ausschließlich in stark verbrannten Wäldern vor. Der Schwarzrückenspecht (Picoides arcticus), ein naher Verwandter unseres heimischen Dreizehenspechts (Picoides tridactylus), ist einerseits einer der seltensten Vögel in den nördlichen Rocky Mountains. Andererseits ist er ein echter Feuer-Profiteur und kommt in großen, abgebrannten Waldgebieten häufig vor. Fast unmittelbar nachdem ein schweres Feuer durch einen Wald gegangen ist, fliegen holzbohrende Käfer von weit her ein, um ihre Eier zu legen. Wenn man in den USA einen Waldbrandbekämpfer fragt, kann er von Käferschwärmen erzählen, die zwischen den immer noch schwelenden Stämmen fliegen. Diese erstaunlichen kleinen Käfer haben Wärmerezeptoren, die die intensive Hitze eines Feuers aus vielen Kilometern Entfernung erfassen können. Diese Käfer kommen herbei, um Tausende ihrer Eier in die frisch verbrannten und damit toten Bäume zu legen. Aus all diesen Eiern schlüpfen Tausende von Larven, fressen die nahrhafte Kambiumschicht des Baumes um sich schließlich zu erwachsenen Käfern entwickeln zu können. Diese Zeit, eine wahre Explosion der Insektenaktivität nach einem Waldbrand, schafft einen wahren „Garten Eden“ für den Schwarzrückenspecht. Es gibt nun genug Nahrung, um eine neue Schwarzrückenspecht – Generation entstehen zu lassen. Auch in heimischen Wäldern – genau genommen in den Kiefernwäldern – lebt ein Käfer, der Feuer liebt. Für den dunklen Blauen Kiefernprachtkäfer (Phaenops cyanea) ist ein Feuer, genau wie für seinen nordamerikanischen Verwandten, die einzigartige Vermehrungschance. Auch der Dreizehenspecht profitiert. Er ist für seine Fähigkeit bekannt, schnell auf den Massenbefall von Borkenkäfern zu reagieren.

Obwohl es unbestritten ist, dass die Artenvielfalt steigt, wenn genügend totes Holz in den Wäldern vorhanden ist, kann sich die praktische Forstwirtschaft nicht mit dem durch Waldbrand entstandenen Flächen, die ja ein zusätzliches Auflichten im vorhandenen Wald bedeutet, anfreunden. Auch wenn es heißt, holzbewohnender (= xylobionter) Käfer zu fördern, so ist die Strategie nach einem Waldbrand doch meist die, alles verbrannte und angekohlte Holz schnellstmöglich zu entfernen und neu aufzuforsten. Lebensräume, in denen auch viele seltene Arten leben könnten, können so erst gar nicht entstehen bzw. verwaisen nach kurzer Zeit wieder.

Zu den holzbewohnenden bzw. holzbohrenden Käfer zählt man alle Käfer, die in einer ihrer Lebensphasen auf Holzsubstrat angewiesen sind. Dazu gehören die Borkenkäfer, wie der Buchdrucker (Ips typographus), die das Holz direkt zersetzen, genauso wie der Ameisenbuntkäfer (Thanasimus formicarius), der sich wiederrum von den Borkenkäfern ernährt.

Dort wo im Sommer die Flammen bei einem der größten Waldbrände in Brandenburg der vergangenen Jahre wüteten, sind rund 90 Prozent der Bäume nicht mehr zu retten. Dort, wo die angekohlten Stämme bereits entfernt wurden, wird so oder so bald neues Grün wachsen. Von Seiten der Eigentümer sollen Tausende in Baumschulen herangezogene Setzlinge in die Erde gebracht werden. Es ist aber gar nicht so einfach, den Wald wieder aufzuforsten. Schon gar nicht binnen 36 Monaten, wie es das Brandenburger Waldgesetz vorschreibt. Das hat mehrere Gründe. Einer der Gründe ist, die Erde, die im Frühjahr die Setzlinge aufnehmen soll, aus purem Sand besteht. Es ist staubiger, märkischer Sand – und er ist immer noch zu trocken.

In den USA wird das dort “Salvage logging” genannte Verfahren der Waldberäumung mit anschließender Bepflanzung durchaus kontrovers diskutiert. Beim Abholzen von Restholz werden Bäume gefällt, die durch Waldbrände, Überschwemmungen, starken Wind, Krankheiten, Insektenbefall oder andere natürliche Störungen beschädigt wurden, um die wirtschaftlichen Einbußen zu reduzieren. Hier wie dort ist sicher die primäre Motivation für das Abholzen von angebranntem Holz die wirtschaftlichen Schäden zu reduzieren. Als weitere Gründe für den Kahlschlag wird das Motiv Erosion zu verringern, die Intensität künftiger Waldbrände zu verringern und die Ausbreitung von Schädlingen zu verhindern oder zu verlangsamen genannt.

Die in den USA breit diskutierte Ansicht, daß das Abholzen von verbranntem Holz für die Gesundheit und Funktion der Wälder eher schädlich ist, spielt hierzulande keine Rolle.

Stark verbrannte Wälder können karg aussehen, aber Käfer, Vögel und andere wild lebende Tiere kehren zurück, sobald die Flammen ausgehen. Vögel sind dann überall.

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