Der Wind pfeift über die Ostsee, die Wellen bauen sich auf, und plötzlich taucht zwischen den weißen Schaumkronen ein rostbrauner Kopf auf. Ein weiblicher Gänsesäger (Mergus merganser) schwimmt unbeirrt durch die Brandung. Genau solche Wetterlagen können für die Vogelfotografie besonders reizvoll sein.
Gänsesäger nutzen die Ostseeküste vor allem dort, wo fischreiche Gewässer und geeignete Rastplätze zusammentreffen. Im Bereich der vorpommerschen Küste gehören sie im Winter zu den regelmäßig auftretenden Tauchentenartigen; größere Ansammlungen finden sich insbesondere in den Bodden und küstennahen Gewässern.
Für spektakuläre Aufnahmen eignen sich exponierte Küstenabschnitte mit Blick auf offene Wasserflächen, beispielsweise an der pommerschen Ostseeküste. Hervorragend war die Westmole von Swinemünde. Diese ist gepflastert und so flach, daß Wasser bei Sturm überschwappt. Am Ende steht eine eindrucksvolle Mühlenbake, die ein Wahrzeichen der Stadt ist. Besonders interessant sind Tage mit mäßigem bis kräftigem auflandigem Wind. Dann entstehen deutlich ausgeprägte Wellen, während die Vögel häufig aktiv auf Nahrungssuche bleiben. Sehr starker Sturm ist dagegen fotografisch und sicherheitstechnisch problematisch. Ruhigere Windphasen nach einer Wetterfront bieten oft einen guten Kompromiss.
Fotografisch entscheidend ist eine tiefe Perspektive, was durch die flache Mole gegeben ist. Von hier kann man mit gar nicht so langer Brennweite (400 mm dürften reichen!) gearbeitet werden, ohne die Tiere durch Annäherung zu verdrängen. Gänsesäger sind außerhalb der Brutzeit gesellig und können an geeigneten Nahrungsgewässern in größeren Trupps auftreten. Ihre scheinbare Toleranz gegenüber Menschen ist jedoch nicht mit Zutraulichkeit gleichzusetzen.
Bemerkenswert ist der Nahrungserwerb: Der Gänsesäger lokalisiert seine Beute optisch, taucht gezielt ab und kann dabei Tiefen von bis zu etwa zehn Metern erreichen. Sein mit feinen Hornzähnen besetzter Schnabel hält die glitschige Beute fest.
Die Mühlenbake ist ein Wahrzeichen von Swinemünde in Polen. Sie steht an der äußersten Spitze der Westmole. Die Mühlenbake ist ein weißgestrichener, runder Steinturm mit vier Windmühlenflügeln, der als Seezeichen für die Einfahrt in den Hafen fungiert.
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