Als ich am Berghang auf der Strecke von Ba’kelalan nach Lawas in der Provinz Sarawak stehe, wird mir spätestens klar, daß die Bestimmung von Salanganen, der Aerodramus-Swiftlets in einem Bestimmungsbuch weitaus einfacher ist als es die Realität hergibt. Unser Birdquest-Guide ist sich sicher. Aber wenn ich zu einem Schwarm hinaufblickte, der über dem Wald oder Felsklippen kreiste, fragte ich mich oft, wie der Guide sich so sicher sein konnte – während ich noch darüber nachdachte, ob ich es nun mit vier Arten, zwei Arten oder schlicht mit unterschiedlichen Ausprägungen derselben Spezies zu tun hatte.
Dutzende winziger, dunkler Vögel sausen über mir hinweg und manövrieren mühelos durch die feuchte Luft. Auf den ersten Blick wirken sie alle identisch. Ein genauerer Blick wirft nur weitere Fragen auf. Handelt es sich um eine Moosnest-Salangane (Aerodramus salangana), eine Weißnest-Salangane (Aerodramus fuciphagus) oder vielleicht um eine Schwarznest-Salangane (Aerodramus maximus)? Die Antwort ist oft weniger eindeutig, als viele Vogelbeobachter sich eingestehen möchten. Das änderte sich auch nicht in der Nachbereitung im Anschluß an die Reise, als ich die Fotos genauer untersuchte. Die Verwirrung steigerte sich sogar noch. Ich hoffe daher, daß das Bild im Blog eine Schwarznest-Salangane oder Schwarznestsalangane zeigt – jene Art, die als die häufigste unter den Aerodramus-Salanganen gilt.
Die Gattung Aerodramus stellt eine der größten Herausforderungen bei der Artbestimmung in Südostasien dar. Im Gegensatz zu vielen anderen Vogelgruppen unterscheiden sich die Arten nur geringfügig in Gefieder, Körpergröße und Körperbau. Die meisten sind oberseits einheitlich dunkelbraun und unterseits etwas heller gefärbt; sie besitzen kurze Schnäbel, lange, sichelförmige Flügel und leicht gegabelte Schwänze. Lichtverhältnisse, Gefiederabnutzung und Betrachtungswinkel lassen die wenigen sichtbaren Unterschiede oft schwer erkennbar werden.
Die Schwarznest-Salangane ist im Allgemeinen die größte Art und wirkt meist dunkler und kräftiger gebaut als die anderen. Ihr schwarzes, mit zahlreichen Federn verstärktes Nest gab der Art ihren englischen Namen („Black-nest Swiftlet“), doch dieses Merkmal hilft nur weiter, wenn die Nester tatsächlich beobachtet werden können. Auch die Moosnest-Salangane verwendet Pflanzenmaterial – insbesondere Moose und Lebermoose – für den Nestbau. Doch auch hier läßt sich die Nestbeschaffenheit normalerweise nicht beurteilen, während die Vögel über einem fliegen.
Besonders problematisch ist die Weißnest-Salangane, da sie sich hinsichtlich Größe und Gefieder mit mehreren verwandten Taxa überschneidet. Ihr berühmtes weißes Nest besteht fast vollständig aus erhärtetem Speichel, was es kommerziell wertvoll macht; dieses Merkmal ist jedoch bei der Bestimmung im Freiland kaum hilfreich. Die Germain-Salangane (Aerodramus germani), die einst als eng mit der Weißnest-Salangane verwandt galt, wird heute von den meisten modernen taxonomischen Autoritäten als eigenständige Art anerkannt. Dennoch ähneln sich die beiden optisch extrem, und eine zuverlässige Unterscheidung hängt oft eher von geographischen Faktoren, Lautäußerungen und molekularbiologischen Belegen ab als vom Gefieder allein.
Neuere Untersuchungen zeigen, daß Klicklaute zur Echoortung und soziale Rufe zuverlässigere taxonomische Merkmale liefern als das äußere Erscheinungsbild. DNA-Analysen belegen die Existenz mehrerer kryptischer Evolutionslinien, die im Freiland nicht zweifelsfrei erkannt werden können. Folglich kombinieren Ornithologen bei der Bestimmung von Artgrenzen innerhalb der Gattung Aerodramus zunehmend genetische, akustische und ökologische Daten.
Eine weitere Quelle für Verwechslungen ist die Westliche Glanzsalangane (Collocalia esculenta affinis). Inzwischen wurde sie zu einer eigenen Art erhoben. Sie heißt nun Flaumfußsalangane (Collocalia affinis). Obwohl sie einer anderen Gattung angehört, kommt sie häufig gemeinsam mit Aerodramus-Arten vor. Sie ist im Allgemeinen kleiner, weist eine stärker glänzende Oberseite sowie eine reinere weiße Unterseite auf und nutzt – im Gegensatz zu Aerodramus – keine Echoortung. Leider sind diese Unterschiede bei schlechten Lichtverhältnissen nur schwer zu erkennen, und gemischte Nahrungssuchschwärme können Beobachter leicht in die Irre führen.
Daraus ergibt sich für die Praxis, daß nicht jede Salangane bis auf Artniveau bestimmt werden kann oder sollte. Viele Freilandbeobachtungen lassen sich am besten schlicht als Aerodramus sp. erfassen. Eine solche Vorsicht zeugt nicht von mangelnden Beobachtungsfähigkeiten, sondern trägt der bemerkenswerten evolutionären Komplexität der Salanganen Borneos Rechnung. Innerhalb dieser Gruppe ist Ungewißheit oft die wissenschaftlich am besten vertretbare Schlußfolgerung.
Um der wachsenden Nachfrage nach Top-Bildern der selteneren Arten der Paläarktis gerecht zu werden, hat Bird-lens.com gezielt das unmittelbare Wohnumfeld immer wieder nach interessanten Vogelmotiven abgesucht. Aber es wurden auch gezielt Reisen an entlegene Orte, wie z.B. Borneo, unternommen. Dies alles, um hervorragende Fotos der Vögel weltweit zu gewährleisten. Die Ausbeute an Bildern auch von seltenen westpaläarktischen Vögeln ist sehr gut. Es gibt noch weitere schöne Vogelbilder, die Sie unter der Registerkarte „Picture Shop“ finden. Geben Sie einfach Bescheid, wenn Sie ein Bild von einem Vogel benötigen, der nicht online ist.