Sichelstrandläufer auf dem Herbstzug

SichelstrandläuferBei einer Beobachtung des Zuggeschehens an einem Kiesabbaugebiet bei Bebra Ende August 2020 stellte ich 5 Limikolen im Schlichtkleid fest, die auf einer Schlammfläche mit dem Kopf im Gefieder standen. Irgendwann fing einer der grauen Vögel an, seinen langen Schnabel zu nutzen, um sich das Brustgefieder zu putzen. Die anderen taten es ihm nach. Nun war der lange, gebogene Schnabel gut erkennbar.

Es handelt sich um den Sichelstrandläufer (Calidris ferruginea). Im Herbst ist von dem rostrote Brutgefieder des Sichelstrandläufers (fast) nichts mehr vorhanden. Der Sichelstrandläufer ist ein Brutvogel der Tundren Sibiriens. In Mitteleuropa ist er insbesondere während des Herbstzuges ein regelmäßiger Durchzügler. Weil an den Gewässern in den meisten Vogelschutzgebieten in der Regel größere Schlamm- und Schlickflächen fehlen, die der Sichelstrandläufer während der Zugzeit als Nahrungshabitate aufsucht, ist die Art hier sehr selten zu beobachten. Größere Ansammlungen kann man so nur im Wattenmeer beobachten. Die Sichelstrandläufer, die durch Europa ziehen überwintern wohl vor allem in Süd- und Westafrika und Südwesteuropa.

Umso erfreulicher war der Nachweis von gleich 5 Individuen in einem Kiesabbaugebiet bei Bebra im September 2020. Ein Film zeigt die Gruppe der Sichelstrandläufer bei der Rast, der Gefiederpflege und der Nahrungssuche an einem Spülsaum. Hier fanden die Vögel zumindest vorübergehend geeignete Rastplätze auf ihrem Zugweg um nach Kleintieren im Schlamm zu suchen. Das Vogelschutzgebiet liegt an der Alten Fulda bei Blankenheim. Es liegt in einem Gebiet, das einerseits von Solms andererseits von Bad Hersfeld begrenzt wird.

Wer jedoch auf Nummer Sicher gehen will, schaut sich Sichelstrandläufer in ihrem Winterquartier z.B. an den Ufern des Berg River in der Nähe der Ortschaft Velddrif am Atlantik an. Dabei sind sowohl die trockenfallenden Schlammflächen des Flusses nach der Flut als auch die sogenannten Kliphoek Salinen in der Nähe von Velddrif vielversprechend. Neben Zwergstrandläufer (Calidris minuta) und Sichelstrandläufern tauchen in den Salinen einer eher extensiv bewirtschafteten Farm bei Velddrif auch immer wieder etliche Regenpfeiferarten auf. Fragen zum Wann und Wo zu beobachten, erläutert dieser Blog bei bird-lens.com aus dem Jahr 2016.

Dagegen sind Sichelstrandläufer in Mitteleuropa selten genug um praktisch an jedem Feuchtstandort bemerkenswert  zu sein. Das Auftauchen von Sichelstrandläufer ist wenig vorhersehbar. Damit gehören sie zu den Watvögeln, die allein dadurch Aufmerksamkeit verdienen, daß sie „das Salz in der Suppe“ darstellen, während Schwärme von „üblichen“ Watvögel im Spektiv abgesucht werden.

Die Sichelstrandläufer, die durch Europa ziehen, überwintern vor allem in Afrika und Südwesteuropa.  Weltweit jedoch erstreckt sich das Überwinterungsgebiet von Afrika bis nach Australien und Neuseeland. Schon die britischen Inseln liegen am westlichen Rand seiner Zugroute. Dann kann das Wetter eine große Rolle spielen, ob man diesen Vogel in einem Jahr fast gar nicht beobachtet und in anderen Jahren eine relativ weite Verbreitung angezeigt wird. Grundsätzlich sind Sichelstrandläufer nicht sehr anspruchsvoll und können während der Zugzeiten reichlich am jedem schlammigen Pool oder auch an Überschwemmungsbereichen und kleinen Pfützen erscheinen. Während Sichelstrandläufer in Südosteuropa alljährlich in guten Zahlen auftauchen, ist man für eine mitteleuropäische Beobachtung viel mehr auf positive Wetterbedingungen  über Skandinavien und der Ostsee zum Zeitpunkt des Herbstzuges  angewiesen. In der Regel sind gute Beobachtungszahlen mit Jahren guten Bruterfolgs korreliert. Der beste Zeitpunkt für Beobachtungen reicht von Ende August bis Anfang September. Diese Zeit fällt mit der Hauptabzugszeit der Jungvögel  aus den Brutgebieten  zusammen. In diesem Zeitfenster stehen die Chancen gar nicht schlecht z.B. in Nordfriesland oder Dithmarschen Sichelstrandläufer zu  beobachten.

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