Canon EOS 5DSR, ein Praxisbericht

Es ist noch nicht lange her, dass die Ansicht diskutiert wurde, dass niemand mehr als 12 Megapixel benötigen würde. Doch nachdem Nikon das Rennen um die Megapixel mit der D800 neu belebt hat, scheinen Pixel wieder ein Verkaufsargument zu sein. Mit dem aktuellen Vollformat-DSLR-Megapixel-Champion, der Canon EOS 5Ds, habe ich nun gut 1,5 Jahre Zeit verbracht. Das erlaubt, einige Erfahrungen in einem Blog zum Besten zu geben.

Die Frage ist natürlich, warum ein überzeugter und zufriedener Canon EOS 1D X – User eigentlich noch eine weitere Kamera. Es ist so, dass mich die Canon EOS 1D X fast immer voll überzeugte, aber eben auch nur fast immer. Insbesondere der laute Silent-Mode war für einige Anwendungen einfach zu laut. Als Vogelfotograf habe ich mich auf das Ablichten möglichst vieler Vogelarten für wissenschaftliche Zwecke spezialisiert. Weiterhin fiel mir ein, daß ich vor den Fotosessions viel in den unterschiedlichsten Weltgegenden unterwegs bin, im Gebirge auf 2.500m NN oder im Regenwald. Das Gewicht der Gesamtkombination spielt also eine große Rolle. Eine Canon EOS 1D X sind schwere, solide Apparate. Das weiß man oft zu schätzen. Es gibt aber auch Anwendungen, da braucht man was „Leichtes“. Das betrifft sowohl das Handling als auch das Gewicht im Rucksack auf dem Rücken. Diese Argumente allein führten zum Entschluss eine Canon EOS 5D Mark III zu kaufen. Und dann kam noch das Megapixel-Argument. Mehr als doppelt so viel Pixel wie an der Canon EOS 1D X sollten diese Alternative doch in einer ganz anderen Liga (und damit einem anderen Anwendungsspektrum) spielen lassen.

Um dem Folgenden ein Resümee voran zu stellen. So ist es auch. Die Canon EOS 5DSR spielt in einer anderen Liga.

Bei der Haptik, dem Aussehen und der Anordnung der Knöpfe und den Menüeinstellungen muß man keine Kompromisse eingehen und sich auch nicht umstellen. Man kommt als 1 DX-Nutzer direkt zurecht. Weniger erfreulich wirkt – wie bei allen Modellen der Canon EOS 5 – Serie – der Ein-/Ausschalter unter dem Programmwählrad. Das sieht wenig professionell aus und wirkt im Vergleich zu den EOS 1er-Modellen fehlplatziert und unangemessen. Ansonsten wurden die Anordnung der Knöpfe und die Menüeinstellungen der 5D-Kameras von Canon genutzt. Die Body-Konstruktion aus Magnesiumlegierung verleiht der Kamera ein solides Gefühl. Die Chance, die Wetterdichtung auf die Probe zu stellen, wurde bei verschiedenen Reisen bereits durchaus genutzt. Hier gibt es keinen Tadel.

Gerade beim Vergleich mit den EOS 1er-Modellen verblüfft, wie leise der Verschluss auch der Canon EOS 5DSR ist. Es heißt, dass der Wegfall des martialischen Auslösegeräusch ein Nebeneffekt davon sein soll, dass das Spiegelschwingungskontrollsystem neugestaltet, um Spiegelreflexionen und Verwacklungen zu reduzieren. Dies wurde von den Technikern bei der Entwicklung mit besonderer Sorgfalt entwickelt, um die nötige Ausgangsschärfe der 50-Megapixel-Dateien darzustellen. Wegen der hohen Pixeldichte ist es – untechnisch gesprochen – leichter, verwackelte Bilder zu erzeugen. Dem kann man aber mit verkürzter Verschlusszeit entgegenwirken. In der Menü-Regelung kann man dafür sorgen, dass der Regler für die Mindest-Verschlusszeit im Auto-ISO-Menü etwas nach rechts verschoben wird.

Ein großer Pluspunkt – selbst zur Canon EOS 1D X – ist der Autofokus. Er ist sehr zuverlässig und trifft vor allem bei Flugaufnahmen vor strukturierten Hintergrund sein Ziel. Der Akku kommt allerdings deutlich schneller als bei z.B. der Canon EOS 5D Mark III an seine Grenzen. Knapp 1.000 Fotos am Tag zieht er aber trotzdem durch. Die technische Bildqualität ist bestechend. Kontraste und Farben werden sehr authentisch dargestellt und auch beim Aufhellen von Schatten in Photoshop ist noch genug Spielraum.

Die hohe Pixeldichte verursacht gewisse Probleme beim Rauschverhalten. Bei der ISO-Einstellung habe ich in der Menü-Regelung kann man dafür sorgen, dass die Kamera regulär bei 1.600 ISO abriegelt. Die 5D Mark III macht diesen Job tatsächlich deutlich besser.

Die hohen Datenmengen von 60-75 MB pro RAW-Datei stellen die Hardware vor gewisse Herausforderungen. Es ist weniger die Download-Zeit, die man mit einem guten USB 3- Anschluss gut in den Griff bekommt als vielmehr die Zeit für die 100%-Konvertierung am Leuchttisch in Photoshop Bridge.

Von der eingebauten Crop-Möglichkeit der Kamera habe ich inzwischen wieder Abstand genommen, da ich festgestellt habe, dass die Bridge in Photoshop Schwierigkeiten hat, mit den verringerten Bildern – zumindest im bisherigen Workflow – richtig umzugehen. Den bisherigen Workflow (der lang genug ist) noch zu ändern, war es mir bisher nicht wert.

Aus dem Full-Frame sind die Crop-Möglichkeit aber auch so exzellent. Man kann bei den Pixeln richtig aus dem Vollen schöpfen. Bei der hohen Anzahl von Pixel spart man beim Crop den Einsatz eines 2x-Konverters. Die Kehrseite der hohen Anzahl von Pixel ist die Schnelligkeit. Im Reihenaufnahmemodus kommt man nach wenigen Bildern schon an´s Limit. Der interne Speicher (Buffer) ist wohl zu klein dimensioniert. 20 Bilder in Folge sollten es schon sein. Sonst verpasst man im ServoModus bei sich bewegenden Motive die besten Bilder. Bei dieser Restriktion spielt es auch praktisch keine Rolle, dass die Geschwindigkeit in der Reihenaufnahme so gering ist. Bei einer Kamera, die auch als Standard-Ausrüstung genutzt wird, sollten eigentlich 7 bis 8b/s schon möglich sein. Aber als Zweit-Kamera macht die Canon EOS 5DRS ihre Sache sehr gut. Das führt dazu zu sagen, dass diese Canon 5er die schnelle 1DX wunderbar ergänzt.

Nach gut 18 Monaten in Gebrauch und schönen Fototrips nach Kamerun kann ich auch folgendes Resümee zur Zuverlässigkeit und Robustheit ziehen. Die Kamera hat mich weitgehend zuverlässig begleitet. Sei es bei schwüler Hitze und Luftfeuchtigkeit in den Tropen oder bei Nieselregen und Kälte während einer Wanderung in den Bergen. Allerdings scheint die Kombination von schneller Reihenaufnahme und Feuchte den Pufferspeicher an die Grenzen der ordnungsgemäßen Verarbeitungs-Kapazität zu bringen. So hatte ich mitten im Dschungel von Kamerun bei der Fotografie des Buntkopf-Felsenhüpfers (Picathartes oreas) mehrere Male hintereinander eine „Error“-Meldung. Bei High-Speed an dem Canon 2,0/200 musste ich dann die Kamera ausschalten, die Batterie kurz entnehmen und konnte dann weiter fotografieren bis die Kamera mir nach weitere 4-5 Bilder wieder ausstieg. Ärgerlich!

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