Der Neuntöter: ein Jäger mit Vorratshaltung

NeuntöterWenn der Morgen graut, kommt Bewegung in die Hecke. Mit den ersten Sonnenstrahlen steht dann das Männchen des Neuntöters (Lanius collurio) auf einem trockenen Ast eines Holunders (Sambucus nigra). Die schwarze Maske im grauen Oberkopf und der rotbraune Rücken sind dann schön zu sehen. Wenig später kommt auch das Weibchen aus dem Dickicht.

Neuntöter halten sich bekanntlich in Hecken und Gebüschen der offenen Kulturlandschaft auf, wie sie noch in vielen Teilen Deutschlands vorkommen. Vor allem das Männchen sitzt dann gut sichtbar auf seiner Holunderwarte in der Feuchtwiesenlandschaft. Von hier konnte das Revier gut überblickt werden. Das Weibchen hat seinen Ansitz etwas tiefer und sitzt eher etwas verdeckt durch Blätter.

Neuntöter bevorzugen die Ansitzjagd. Als typischer Ansitzjäger jagt er von einer erhöhten Sitzwarte aus und hält Ausschau nach Mäusen, Bodeninsekten und anderen Beutetieren. Manchmal läßt er sich von seiner Warte einfach fallen. Manchmal fliegt er als guter Flieger die Beute bis zu einer Entfernung von 50 m zielgenau im Gleitflug an. Mit dem Schnabel greift er die Beute, die sofort durch einen gezielten Biss getötet wird. Die Vögel ernähren sich vor allem von Großinsekten, aber auch von Reptilien, Jungvögeln und gelegentlich von Kleinsäugern. Teile der Beute werden an bestimmten Plätzen, den sogenannten „Schlachtbänken”, aufgespießt. So findet man im Brutrevier auf Schlehendornen Hummeln, Rosenkäfer und sogar Mäuse. Diese Vorgehensweise erfüllt zwei Aufgaben. Einerseits werden mit der Vorratshaltung Notzeiten überbrückt. Andererseits erleichtert die Fixierung das Zerlegen von größeren Beutestücken. Kleinere Beutetiere, wie z.B. Insekten, werden nur aufgespießt, wenn der Vogel satt ist. Sie stehen dann bei Regentagen oder in den frühen, kühlen Morgenstunden als Nahrung zur Verfügung. Derartige Reserven sind sehr sinnvoll, weil Insekten als wechselwarme Tiere bei kühlem Wetter gar nicht oder nur begrenzt aktiv sind. Die Beutetiere, die der Neuntöter in den Abendstunden schlägt, werden oftmals erst am frühen Morgen des folgenden Tages verfüttert.

Darum ist es fotografisch interessant, durch konzentrierte Beobachtung solche Vorräte auszukundschaften, um dort am Morgen anzusitzen. Auch die Art und Weise, wie Neuntöter Beute fangen, ist beachtenswert. Die Beute wird in der Regel am Boden gefangen. Schwärmende und langsam fliegende Insekten werden jedoch auch in der Luft mit Erfolg gejagt. Dabei kann es zu sehr sehenswerten Flugduellen kommen, die allerdings nur selten fotografisch auszubeuten sind. Bevor der Neuntöter ein erbeutetes Insekt verschluckt, zerdrückt er es im Schnabel. Die stachelbewehrten Bienen, Wespen und Hornissen quetscht er besonders oft durch und zerreibt sie auf einer Unterlage. Auf diese Weise drückt er den Stachelapparat aus dem Leib. Hornissen und größere Hummeln werden sofort auf die Erde getragen und wieder weggeschleudert. Dieser Vorgang wird so oft wiederholt, bis sich das Beutetier nur noch wenig bewegt. Danach nimmt der Neuntöter das Insekt zwischen die Zehen oder spießt es auf und pflückt lange Beine und Flügel ab, bevor er die Beute verschluckt. ?

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