2 junge Waldohreulen hoch in Kiefer

WaldohreuleZwei junge Waldohreulen (Asio otus) sitzen heute morgen hoch oben in zwei benachbarten Kiefern direkt an einer wenig befahrenen Landstraße. Obwohl mitten am Tag, ertönt kurz ihr helles, fast klagendes „Piiih“. Tagsüber ruhen sie in dem Alter gut getarnt in Nadelbäumen oder dichten Gehölzen. Es dauert eine Weile, bis ich sie entdeckt habe. Ein Junges sitzt recht frei. Das Foto des Blogs zeigt sie. Das zweite Junge hat sich sehr gut vor einem dichten Knäuel an Nadeln gesetzt und so fast nicht zu entdecken. Wer sie dann eine Weile beobachtet, merkt schnell: Die beiden sind zwar bereits flügge, aber noch längst keine vollständig selbstständigen Eulen.

Nach dem Flüggewerden beginnt bei der Waldohreule eine wichtige Phase der Entwicklung. Die Jungvögel verlassen das Nest im Alter von etwa vier bis fünf Wochen und verteilen sich auf umliegende Bäume. Bisherige Meldungen lassen darauf schließen, daß sich das Nest etwas weiter entfernt – mehr in einem lichten Kiefernwald – befunden haben muß. Jetzt halten sie sich oft gut verborgen auf und machen durch ihre hohen Bettelrufe auf sich aufmerksam. Diese Lautäußerungen dienen dazu, den Altvögeln ihren Aufenthaltsort mitzuteilen.

Obwohl die Jungtiere bereits fliegen können, sind sie zunächst noch nicht in der Lage, ausreichend Nahrung selbst zu erbeuten. Die Eltern versorgen ihren Nachwuchs weiterhin mit Beutetieren, überwiegend Mäusen. In der Dämmerung und während der Nacht suchen die Altvögel nach Nahrung und übergeben die Beute meist direkt auf einem Ast oder in der Nähe des Jungvogels. Die Bettelrufe nehmen im Verlauf mehrerer Wochen allmählich ab, parallel dazu verringern die Eltern die Fütterungsintervalle. Diese schrittweise Reduzierung fördert die Eigenständigkeit der Jungvögel.

Während dieser Übergangsphase lernen die jungen Waldohreulen verschiedene Fähigkeiten, die für ihr späteres Leben entscheidend sind. Sie verbessern ihre Flugtechnik, üben lautloses Anfliegen von Ästen und entwickeln ihre Orientierung im nächtlichen Lebensraum. Erste Jagdversuche erfolgen häufig noch unbeholfen. Kleine Säugetiere werden anfangs eher zufällig entdeckt und erbeutet. Mit zunehmender Erfahrung steigen jedoch Jagderfolg und Selbstständigkeit.

Nach etwa acht bis zehn Wochen endet die Versorgung durch die Eltern vollständig. Die jungen Waldohreulen verlassen nach und nach das Gebiet ihrer Geburt und führen ein eigenständiges Leben. Nachts gehen sie auf die Jagd und ernähren sich hauptsächlich von Wühlmäusen und anderen kleinen Säugetieren.

Im folgenden Frühjahr beginnen die überlebenden Jungvögel mit der Suche nach einem eigenen Revier. Mit einem Alter von etwa einem Jahr sind Waldohreulen geschlechtsreif und können selbst zur Brut schreiten. Aus den laut rufenden Jungvögeln in den Kiefern werden dann lautlose Jäger.

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