Ein Knutt (Calidris canutus) aus einem ganz Trupp läuft nur wenige Meter entfernt durch das flache Wasser und sucht konzentriert nach Nahrung. Wie kommt man da zu beeindruckenden Fotos?
Wer Knutts fotografieren möchte, arbeitet am besten mit Geduld statt mit Annäherung. Das ist leichter gesagt als getan. Ein bißchen Technik gehört natürlich auch dazu. Die Kamera sollte sehr niedrig, idealerweise direkt auf Bodenhöhe, sein. Wie schafft man das. Eine Tarnliege, ein Tarnzelt oder dezente Tarnkleidung könnten grundsätzlich helfen, die eigene Silhouette aufzulösen. Aber die Strände an der Ostsee sind gut besucht. Das weckt nur Aufmerksamkeit. Da ist es noch besser, eine Stelle aufzusuchen, an der die Vögel regelmäßig Nahrung finden, und dort ruhig zu warten.
Die Frage ist also, welche Technik des niedrigen Fotografierens kann ich – z.B. bei der Canon R 5 – anwenden. Und: Wie sollte man auf nassem Untergrund vorgehen?
Das Gut ist, die Canon EOS R5 erlaubt die sogenannte Bodenperspektive sehr gut. Dabei liegt die optische Achse des Objektivs möglichst knapp über der Oberfläche. So entstehen ruhige Hintergründe und der Vogel wird auf Augenhöhe dargestellt. Natürlich kann man die R5 kann direkt auf ein flaches Bohnensäckchen oder eine gepolsterte Unterlage legen. Ein kleines Bodenstativ ist ebenfalls geeignet. Aber man kann auch ein ganz normales Stativ – so wie das hier benutzte Gitzo GT3542 XLS Systematic mit einem Flexshooter Pro Lever- Kugelkopf nutzen und das Gitzo-Stativ mit seinen Beinen ganz ausklappen. Die Kamera-Objektiv-Einheit ist damit nur ca. 20-30 cm über dem Boden. Das schwenk- bzw. drehbare Display der R5 erleichtert die Bildkontrolle, ohne daß man den Kopf in den nassen Sand legen muss. Die Vogelerkennung und Augen-AF der R5 sind für solche Situationen sehr hilfreich. Trotzdem muß man über das Klappdisplay kontrollieren, ob tatsächlich das Auge und nicht doch ein Detail aus dem Federkleid fokussiert wird.
Knutts sind sehr agil. Bei laufenden Knutts empfiehlt sich eine schnelle Serienaufnahme. Dadurch erwischt man eher den Moment, in dem der Vogel den Schnabel aus dem Wasser hebt oder gerade einen Schritt macht. Die Verschlußzeit sollte etwa 1/1600 bis 1/2500 sec. betragen. Davon und von der ISO hängt ab wie viel Schärfentiefe möglich ist. Natürlich verwende ich wieder die Auto-ISO – Einstellung. Sie ist nicht nur in wechselndem Küstenlicht praktisch. Lieber eine etwas höhere ISO als eine zu lange Verschlußzeit wählen.
Wichtig auf nassem Untergrund ist natürlich, die Kamera mangels Stativ in den Sand oder auf den feuchten Boden zu legen. Eine wasserdichte bzw. wasserabweisende Unterlage unter Kamera und Objektiv ist auf jeden Fall angeraten. Noch praktischer wäre ein Bohnensack, der in einem robusten, abwischbaren Bezug steckt. Er läßt sich millimetergenau ausrichten und verhindert, daß die Kamera im Sand oder Wasser steht.
Wenn die Sandbank sehr feucht ist, kann man sich selbst flach bäuchlings auf eine Isomatte oder eine wasserdichten Unterlage liegen. Das war aber hier gar nicht notwendig. Der Knutt war so in seine Nahrungsaufnahme vertieft, daß er sich an diesem stark besuchten Strandabschnitt an der polnischen Grenze mit Hunden, Spaziergängern und sogar Kite-Surfern nicht abhalten ließ. Entscheidend ist natürlich, daß man nicht abrupt aufsteht und dem Vogel entgegengeht. Man setzt oder kniet sich an eine geeignete Stelle und läßt den Knutt auf sich zukommen.
Das ist zugleich die wichtigste fotografische Technik: nicht den Vogel verfolgen, sondern seine Bewegungsroute vorhersehen. Zuerst beobachten, wo die Knutts regelmäßig Nahrung suchen. Dann positionierst man sich außerhalb ihrer Fluchtdistanz, legt sich hin und wartet. Nach einiger Zeit wird die eigene Silhouette für die Vögel weniger auffällig.
Entscheidend ist, daß der Knutt selbst die Distanz bestimmt. Wird er unruhig, sollte man vorsichtig zurückweichen.
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