Die Technik der Voraufnahme ermöglicht es, perfekte Momente rechtzeitig zu erfassen. Eine der schönsten modernen Funktionen für Wildlifefotografen ist die damit wahr geworden. Im Englischhen heißt die Funkton je nach Kamera-Hersteller: Pre-Shooting / Pre-Shot ES / Pre-Continous-Shooting / Pre-Capture / Pro-Capture. Um die Voraufnahme bei Kameras wie der Canon R1 zu aktivieren, muss im Menü zunächst auf den elektronischen Verschluss (ES) gewechselt werden. Die Technik der Voraufnahme ist mit dem mechanischen Verschluss nicht möglich. Anschließend wird die Voraufnahme im Menü der Kamera aktiviert. Ist die Funktion „Voraufnahme“ aktiviert, so beginnt die Kamera bereits bei halb gedrücktem Auslöser kontinuierlich Fotos zu machen und speichert diese in einem temporären Bildpuffer. Dieser Puffer wird dann mit ausgelesen. Schade ist, daß man diese Funktion offensichtlich nicht über eine Tastenbelegung ein/ausschalten kann. Jedenfalls habe ich diesen Dreh nicht gefunden.
Immerhin: so konnte ich einige schöne Bilder vom abfliegenden Graugelb-Todityrann (Englisch: Common Tody-Flycatcher) aus dem eigenen Nest erreichen, die wohl sonst unmöglich gewesen wären.
Die Anzahl der aufzunehmenden Bilder einzustellen, ist nicht ganz einfach. Vom Werk voreingestellt sind sie auf 20 Aufnahmen, aber das erschien mir zu viel. Natürlich hat man sowieso sehr viel Ausschuß. Ich hatte meistens auf 10-15 Voraufnahmen eingestellt. Wichtig ist auch auf maximales Highspeed (High-Speed-Serienaufnahme) beim elektronischen Verschluß einzustellen. Auch die Belichtungszeiten müssen mithalten können. Die ersten Aufnahmen 1/800 sec bei Blende 2,8 am Canon RF 70-200mm F 2.8 L IS USM waren jedenfalls zu langsam. Mit 1/1250 sec bei Blende 3,2 ging es schon besser. Denn in den Situationen muß es wirklich schnell gehen. Man muß trotzdem schnell reagieren.
Technisch betrachtet handelt es sich bei der Voraufnahme um eine Erweiterung der bekannten Reihenaufnahme. Die Kamera puffert kontinuierlich Bilder, solange der Auslöser halb gedrückt wird. Wird er vollständig durchgedrückt, speichert die Kamera zusätzlich eine definierte Anzahl von Bildern aus der Vergangenheit. Bemerkenswert ist, dass dies nicht nur mit JPEGs, sondern auch mit RAW-Dateien funktioniert. Canon zeigt damit eindrucksvoll, wie leistungsfähig moderne Sensoren, Prozessoren und Pufferspeicher geworden sind. Die Datenmengen sind enorm, die Verarbeitung erfolgt in Echtzeit, und aus rein ingenieurwissenschaftlicher Sicht ist diese Funktion beeindruckend.
Für die Vogelfotografie liegt der Nutzen auf der Hand. Abflugmomente, Beutefänge, Flügelöffnungen oder der entscheidende Augenblick beim Balzverhalten lassen sich deutlich zuverlässiger festhalten. Situationen, die früher perfektes Timing, Erfahrung und auch eine Portion Glück erforderten, werden planbarer. Die Kamera reduziert den Einfluss der menschlichen Reaktionszeit auf nahezu null. Gerade bei scheuen oder extrem schnellen Arten ist das ein realer Vorteil, der die Erfolgsquote messbar erhöht.
Für Technikbegeisterte ist die Voraufnahme der Canon R1 ein logischer und faszinierender Schritt. Für Vogelliebhaber ist sie ein mächtiges Hilfsmittel, das Frust reduziert und Erfolgsquoten steigert. Gleichzeitig fordert sie ein Umdenken im eigenen fotografischen Selbstverständnis. Die Frage ist nicht, ob diese Technik sinnvoll ist. Die Frage ist, wie bewusst man sie einsetzt und ob man akzeptiert, dass der „entscheidende Moment“ zunehmend von der Kamera verwaltet wird und nicht mehr ausschließlich vom Menschen hinter dem Sucher.
Unterm Strich ist die Canon R1 ein Paradigmenwechsel. Für technikaffine Fotografen und Vogelliebhaber, die bereit sind, Kontrolle an Software abzugeben, bietet sie reale Vorteile. Wer jedoch maximale Vorhersagbarkeit, direkte Kontrolle und ein Werkzeug ohne Interpretationsspielraum sucht, findet vielleicht in den alten DSLR wieder Canon EOS 1 DX weiterhin eine ernstzunehmende Referenz.
Um die wachsende Nachfrage nach Top- Aufnahmen der selteneren Arten der Paläarktis zu bewältigen, ist Bird-lens.com bestrebt, das Spektrum der Bilder von Vögeln der Westpaläarktis weiter auszubauen. Trips zu heimischen und fernen Orten, um Bilder von seltenen Vögeln der Westpaläarktis zu machen, waren sehr erfolgreich. Gleichzeitig ist die Suche nach der richtigen Ausrüstung eine immerwährende herausforderung. Bird-lens.com nutzt dabei Canon. Die neuesten Entwicklungen in der Kameratechnis werden aufmerksam verfolgt – ohne direkt den allerneusten Gimmicks hinterher zu laufen. Echte, zusätzliche Funktionalität wird natürlich besonders begutachtet.
