Balz und Kopula in den Mangroven: Rotbauchbussarde bei Salinópolis

Die Sonne geht gerade über den Mangroven bei Salinópolis auf und taucht das Watt in ein goldenes Licht. Die Luft ist frisch aber salzhaltig und die schrillen Rufe der Watvögel und Möwen sind in der Ferne zu hören. Den Mangroven will ich doch mal den Rotbauchbussard (Buteogallus aequinoctialis) entlocken. Ich spiele seine Rufe – und bekomme prompt Antwort. Wenig später fliegt ein Greif elegant durch das Kronendach der Mangroven. Er quert die Brücke und landet auf der gegenüberliegenden Seite, auch nicht weit von mir entfernt auf einem Ast. Dann sehe ich sie. Es sind zwei große Greifvögel, die sich dicht beieinandersitzend, mit gespreizten Schwänzen und leicht erhobenen Flügeln auf diesem Ast befinden. Einer beugt sich vor. Ein kurzes Schauspiel. Dann verbeugen sie sich synchron. Der Rotbauchbussard, der einflog, balzt und schreitet umgehend zur Kopulation.

Das in freier Wildbahn zu beobachten, ist immer ein besonderer Moment. Ein Paar bei der Paarung zu sehen ist elektrisierend. Dabei ist der Rotbauchbussard ein Küstenspezialist, der gar nicht so selten ist. Er bewohnt die Tieflandmangrovenwälder entlang der Atlantikküste des nördlichen Südamerikas. Eine seiner Hochburgen in Brasilien ist sicher das Mündungsgebiet des Amazonas oder die Mangroven wie die um Salinópolis in Pará. Seine Anwesenheit signalisiert gesunde Gezeitenwälder. Anders als die meisten Greifvögel ist der Rotbauchbussard fast ausschließlich in Mangroven und angrenzenden Brackwasserfeuchtgebieten beheimatet und ernährt sich hauptsächlich von Krabben – insbesondere von Ucides cordatus, der riesigen Mangrovenkrabbe.

Diese Art ist mittelgroß, stämmig und insgesamt recht auffällig. Erwachsene Tiere haben ein tiefrotes Gefieder am Körper und an den Unterseiten der Flügel, mit kontrastierenden schwärzlichen Oberseiten und einem markanten einzelnen weißen Schwanzband. Die Beine sind leuchtend gelb, kräftig und zum Ergreifen von Beute aus schlammigen Gewässern oder Mangrovenwurzeln geeignet.

Der Lebensraum nahe Salinópolis erscheint wie aus dem Bilderbuch. Breite Streifen von Roter Mangrove (Rhizophora mangle) und Schwarzer Mangrove (Avicennia germinans) dominieren die Küste. Wattflächen ziehen sich durch die Mangroven und bieten reiche Jagdgründe für die Bussarde. Nistplätze werden typischerweise auf stabilen Ästen oberhalb der Gezeitenströmung errichtet – sicher vor Überschwemmungen und Raubtieren.

Zu dieser Jahreszeit beginnen die Rotbauchbussarde mit der Brutzeit. Die Balz beginnt mit Gesangsduetten, Flugshows und gegenseitigem Niedergehen auf starken Ästen im Kronendach. Die beobachtete Kopulation ist meist kurz und wiederholt sich oft. Die Paarbindung scheint stark zu sein, mit gemeinsamen Aufgaben bei der Revierverteidigung und später bei der Nestpflege. Das Männchen bringt dem Weibchen während der Balz oft Nahrung – frische Krabben oder kleine Fische – und stärkt so die Paarbindung.

Trotz seiner Abhängigkeit von einem sehr spezifischen Ökosystem ist der Rotbauchbussard noch relativ wenig erforscht. Sein Verbreitungsgebiet ist fragmentiert und die Populationen sind uneinheitlich, weshalb er von der IUCN als potenziell gefährdet eingestuft wurde. Lebensraumverlust – insbesondere die Rodung von Mangroven für Garnelenfarmen und touristische Infrastruktur – stellt das größte Risiko dar. Die Mangrovenkrabbe ist ebenfalls seltener geworden. Sie wird in einigen Gebieten als Delikatesse geschätzt. Die Mangrovenkrabben werden von Hand gesammelt oder in Netzfallen gefangen. Durch die Vernichtung des Lebensraums, durch Krankheiten und möglicherweise durch Übernutzung sind Mangrovenkrabben in manchen Regionen schon so selten geworden, daß es eigene Schutzprogramme gibt.

Für Vogelbeobachter sind Geduld und gutes Timing entscheidend. Bei Ebbe bietet sich die beste Sicht, da die Bussarde oft in der Nähe von offenem Watt oder an Mangrovenrändern sitzen und auf Bewegungen achten. Der Morgen ist am besten geeignet – kühlere Temperaturen und aktives Fressverhalten machen sie leichter zu entdecken. Nähern Sie sich langsam und bleiben Sie niedrig, da sie leicht erschrecken.

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