Harlekinameisenvogel im PN da Amazônia

Harlekinameisenvogel Ein entferntes Rascheln verrät etwas, das sich abseits des Weges bewegt. Warten. Die Stille wird dichter. Dann – da ist er da. In der Tat. Plötzlich klammert sich ein Harlekin-Ameisenvogel (Rhegmatorhina berlepschi) an eine herabhängende Schlingpflanze. Dann lässt er sich auf einem dickeren Ast nieder. Wir haben uns heute den Trilha da Capelinha vorgenommen. Ein Ort, der am Ende ein kleines Kapellchen hat. Auch er liegt natürlich im PN da Amazônia. Der Trail ist diesmal deutlich weniger offensichtlich im Eingang. Aber Gilberto kennt sich eben aus. Und dann ist der Weg auch gut unterhalten. Die Gruppe bahnt sich wie schon an den Vortagen den ganzen Morgen ihren Weg durch einen meist dichten Forst. Die Luft ist erfüllt vom Duft oder auch leichtem Gestank verrottender Blätter (manchmal riecht es geradezu nach Pferdedung) und Blütensaft. Wann immer ein entferntes Rascheln oder ein Ruf etwas verrät, wird angehalten und das Tape gespielt. Auf das sich etwas anlocken läßt, das sonst sich abseits des Weges bewegt. Ich fotografiere zunächst mit Einzelbild-AF, wechsle dann aber zum manuellen Fokus und verwende die Lupe der Canon R5 zur Feineinstellung.

Diesen Moment einzufangen ist kein Zufall. Der Amazonas-Nationalpark ist ein Hotspot für diese schwer aufzuspürende Art. Der Harlekinameisenvogel kommt hauptsächlich im dichten Unterholz des brasilianischen Regenwalds vor und gedeiht in Gebieten mit vielen Ameisenschwärmen und verworrener Vegetation. Sein Verbreitungsgebiet ist eng begrenzt, und obwohl er noch nicht gefährdet ist, fühlt sich jede Sichtung aufgrund des Lebensraumverlusts wie ein kleiner Triumph an.

Dieser Vogel ist ein obligater Ameisenjäger, das heißt, er ist fast ausschließlich auf Wanderameisen angewiesen, um Beute aufzuspüren. Wohin die Ameisen gehen, geht auch der Ameisenvogel. Dieses Verhalten macht die Verfolgung zwar möglich, aber unvorhersehbar. Man findet nicht den Vogel – man findet die Ameisen und hofft, dass der Ameisenvogel in der Nähe ist. Obwohl wir in diesem Fall ein Paar fanden und es mit seinen Geräuschen anlockten; die Wanderameise sehen wir dagegen nicht.

 

Was den Lebensraum betrifft, bietet der Amazonasgebiet genau das, was Harlekinameisenvogel braucht: dichten Terra-Firme-Wald, niedrige Höhenlagen, minimale menschliche Störungen und riesige, ameisenreiche Nahrungsgebiete. Aufgrund des dichten Blätterdachs und der tiefen Schatten verbringt der Ameisenvogel die meiste Zeit seines Lebens im Unterholz oder am Boden. Er kommt selten ins Freie, was sowohl die Beobachtung als auch das Fotografieren zu einer technischen Herausforderung macht.

 

Beim Fotografieren des Harlekin-Ameisenvogels kommt es nicht nur auf die Ausrüstung an – es kommt auf Geduld, Methode und das Gespür für den Rhythmus des Motivs an. Der Vogel huscht zwischen Sitzstangen hin und her, hält kurz inne und lässt sich dann auf der Jagd nach Insekten ins Laub fallen. Der Autofokus versagt oft im Gewirr von Ranken, Stämmen und wechselndem Licht. Deshalb wechsle ich nach meinen ersten Aufnahmen mit One-Shot-AF auf manuellen Fokus und verlasse mich auf die Vergrößerungsfunktion der Canon R5. Sie ermöglicht eine präzise Einstellung durch das dichte Laubwerk. Ich fotografiere mit 1/60 Sek. und bin froh, dass ich das Einbeinstativ dabei habe. Sonst könnte ich die Schärfentiefe überhaupt nicht feinabstimmen.

 

Licht ist ein weiteres ständiges Hindernis. Selbst am Vormittag ist der Dschungelboden dunkel. Ein lichtstarkes Objektiv (f/4.0 oder weiter) und eine hohe ISO-Toleranz sind unerlässlich. Die Verschlusszeit muss für Schärfe über der regulären 1/125 Sek. liegen, insbesondere wenn der Vogel sich zwischen Ästen mal niederläßt. Bildstabilisierung ist hilfreich, aber ein Einbeinstativ ist trotz der Hindernisse in diesem Gelände noch hilfreicher.

Der Schlüssel liegt in der Voraussicht. Wenn man Army Ants findet und den Weg des Wanderameisenschwarms antizipiert, ist es natürlich einfacher. Man sich gut am voraussichtlichen Beginn des Schwarms positionieren. Dann wartet man auf die Ankunft des Ameisenvogels und fotografiert ihn in den kurzen Momenten, in denen er sich niederlässt. Nicht folgen ihn auf sich zukommen lassen. Das ist das Rezept.

Der Harlekinameisenvogel ist nicht nur ein weiterer Eintrag auf einer Checkliste. Er ist ein Symbol für die vielschichtige Komplexität des Amazonas.

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