Nonnensteinschmätzer als Irrgast in Sachsen

NonnensteinschmätzerJahreszeitlich sehr ungewöhnlich war die Entdeckung eines vorjährigen männlichen Nonnenstein-schmätzers am 13. Juli letzten Jahres in Nordsachsen. Der mausernde Vogel sorgte längere Zeit für Diskussionen, ob es sich möglicherweise um den sehr ähnlichen und bislang erst einmal in Deutschland nachgewiesenen Zypernsteinschmätzer handeln könnte. Ein Fang zur Beringung mit Vermessung des Vogels brachte schließlich letzte Gewissheit, dass die anfängliche Bestimmung als Nonnensteinschmätzer korrekt war. Insgesamt hielt sich der Nonnensteinschmätzer bis zum 18. August an der Baustelle eines Elbedeiches bei Torgau auf.

So abwegig ist das nicht, denn erst kürzlich konnte ein Zypernsteinschmätzer (Oenanthe cypriaca) von Helgoland mit einem zeitlichen Abstand von 143 Jahren identifiziert werden. Ein schwarz-weißer, männlicher Steinschmätzer im zweiten Kalenderjahr war am 9. Mai 1867 in Helgoland gesammelt (also geschossen) worden und galt lange Nonnensteinschmätzer (Oenanthe pleschanka). Insbesondere im späten Frühjahr sind Zypern- und Nonnensteinschmätzer nur sehr schwer anhand der Gefiederfärbung voneinander zu unterscheiden. Trotzdem ließen sich anhand des Balges noch einige weitere Hinweise auf die Bestimmung als Zypernsteinschmätzer finden. Nach Körper- und Gefiedermessungen und aufgrund einiger Details der Gefiederfärbung konnte ein Zypernsteinschmätzer zweifelsfrei bestimmt werden. Diagnosemerkmale waren der relativ kurze und schmale Flügel in Kombination mit dem kurzen Schwanz. Zusätzlich unterstützten der orangefarbene Farbton an der Unterseite, das Kopfmuster sowie das ausgedehnte Schwarz am Schwanz, am Rücken und im Brust- und Halsbereich die Identifizierung weiter. Darüber hinaus erschien der Vogel auf Helgoland früher als alle 17 im Frühjahr in Nord-, Mittel- und Westeuropa bisher gemeldeten Nonnensteinschmätzer.

Zypernsteinschmätzer kommen als Brutvögel ausschließlich auf der Mittelmeerinsel Zypern vor. Die Gesamtpopulation wird auf 90.000-180.000 Brutpaare geschätzt. Die Überwinterungsgebiete liegen vor allem im Sudan und in Äthiopien. Nördlich der Brutgebiete wurden Zypernsteinschmätzer bisher kaum nachgewiesen. Selbst aus der Türkei gibt es nur wenige gesicherte Feststellungen, doch wird vermutet, dass der Vogel aufgrund der Ähnlichkeit übersehen wird. Man geht sogar davon aus, dass die meisten Beobachtungen des Nonnensteinschmätzers in der südlichen Türkei in Wirklichkeit Zypernsteinschmätzer betreffen.

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