Habichtskauz in der Lüneburger Heide.

HabichtskauzDie Meldung eines Habichtskauz (Strix uralensis) mitten in Mitteleuropa würde sicher die Birder – nicht nur in Deutschland – mindestens so elektrisieren, wie die Beobachtungen der Sperbereule (Surnia ulula), die im Winter 2013/14 an verschiedenen Stellen in Deutschland gemeldet wurden. Ein Habichtskauz (Strix uralensis) wäre vielleicht sogar eine noch größere – wenn auch nicht undenkbare – Überraschung. Wie ich einem Bericht von Rudolf Kuhk in den Ornithologischen Monatsberichten, 50. Jahrgang. Mai/Juni 1942. Nr. 3. entnehmen konnte, hat es auch in vergangenen Jahrzehnten Birder gegeben, die Seltenheiten auf der Spur waren und darüber ausführlich berichteten.

So will ich den damaligen Bericht (in Auszügen) den interessierten Ornithologen nicht vorenthalten: „… Seit dem Jahre 1939 habe ich mich bemüht, das in der Lüneburger Heide entdeckte Brutgebiet des Rauhfusskauzes (Aegolius funereus) hinsichtlich seiner Ausdehnung zu erforschen. Hierbei wurde mir in diesem Frühjahr eine Überraschung beschert, die an Unerwartetheit eine im Juni 1941 erlebte Uhu-Begegnung noch weit übertraf: Ende März 1942 hörte und sah ich an mehreren Tagen einen eifrig singenden Habichtskauz (Strix uralensis). Weiterhin stellte sich heraus, dass der Vogel schon den Sommer 1941 im gleichen Revier verbracht hatte.
Am 22. März 1942, als die Macht des grimmigen Winters eben zu brechen begann, hatte ich mich gegen Abend in einem großen, zum Landkreise Lüneburg gehörenden Waldgebiet angestellt, um auf Rauhfusskauz-Stimmen zu lauschen. Schon während ich hei noch gutem Tage9licht — meinen Platz einnahm, hörte ich von fern her, gewissermaßen nur im Unterbewusstsein, taktmäßig sich wiederholende dumpfe „hu“-Laute, die am ehesten noch an das heisere Bellen eines sehr großen Hundes erinnerten, die man aber ebenso gut für irgendein Maschinengeräusch halten konnte. Da bis zum Anbruch der Nacht sonst nur ein Waldkauz zu vernehmen war, wanderte ich schließlich jenen unbekannten Tönen nach, deren geheimnisvolle Besonderheit mir erst allmählich zum vollen Bewusstsein gekommen war. Ich stand bald in einem kleinen, aber alten Buchenwald, der rings von Heide-Nadelhölzern umgeben ist, und in dessen südlichem Randteil einige uralte Fichten stehen. Die Hilgelkuppe, die von diesem Wald gekrönt wird, fällt nach Westen hin zu einer langgestreckten moorigen Wiesensenke ab. Ein soeben auftauender Bach schlängelte sich durch den noch von tiefem Schnee bedeckten Wiesengrund.
Solche Laubhölzer finden sich inmitten der meist recht dürftigen Nadelwaldungen des Gebietes mehrfach, und zwar stets dort, wo im Verlauf des Warthestadium-Endmoränenzuges ein auf kleinen Hügelkuppen anstehender leichter Lehm Laubholzkultur zulädt. Sie rühren z. Teil aus einer Zeit her, in der es hier noch keine geregelte Waldwirtschaft gab. Uralte breitkronige Buchen, knorrige Eichen, hin und wieder auch tiefbeastete Fichten oder Kiefern bilden die Ränder, in deren Schutz dann jüngere Laubbäume zu Nutzholz heranwachsen können.
Aus der Mitte des Buchenbestandes tönte mir die dumpfe Stimme in regelmäßigen Abständen entgegen. Sie erinnerte in der Klangfarbe sehr an eine Hohltaube (Columba oenas). Aber der Aufbau der Strophen passte hierzu keineswegs, auch war die Stimme lauter, ausgesprochen mächtiger. Das konnte kein Vogel von Tauben- oder mittlerer Eulengröße sein! Aber ein Uhu war es ebenso wenig. Die Offenbarung Habichtskauz (Strix uralensis), die mich nun triumphierend bestürmen wollte, wies mein ornithologisches Gewissen anfangs beharrlich zurück. Nach eingehendem Verhören und nach Aufzeichnung der Strophen versuchte ich, den Sänger noch näher anzugehen, doch schien er sich durch mein Herumtreten im Harschschnee gestört zu fühlen, er verschwieg. So ließ ich ihn allein, und schon bald ertönte von der gleichen Stelle her wieder das dumpfe Lied. Als ich später, zu Hause angelangt, alle erreichbaren Beschreibungen der Stimme des Habichtskauzes gelesen hatte, schwand jeder Zweifel: es musste ein Habichtskauz (Strix uralensis) gewesen sein.
Tags darauf, am 23. März, konnte ich das betreffende Gebiet schon am Nachmittag gründlich nach Brutgelegenheiten und Fraßresten absuchen. Ich fand zwar eine ganze Anzahl alter Schwarzspechthöhlen sowie einen verfallenen Raubvogelhorst, ferner in alten Randbuchen einige große natürliche Baumhöhlen, jedoch ohne das erhoffte Ergebnis. Als ich nun im Herabsteigen von einer dieser Buchen Ausschau hielt nach weiteren Nistgelegenheiten, streifte mein Blick eine benachbarte alte Fichte und fiel dort — einem Habichtskauz (Strix uralensis) in die Augen, der nur etwa 15 Schritt von mir am Stamm der Fichte saß und mich ruhig, aber aufmerksam ansah. Bei noch hellem Tageslicht konnte ich nun den Fremdling mit dem Fernglas lange Zeit hindurch von allen Seiten nach Wunsch betrachten. Erst als ich mich dem großen, braungrauen, langschwänzigen Vogel bis auf wenige Schritte genähert hatte, flog er in Richtung auf seinen gestrigen Sangesplatz tiefer in den Buchenwald hinein. Zweimal konnte ich ihm dann noch auf ganz geringe Entfernung nahekommen. Ich störte ihn nicht mehr und stellte beim Fortgehen fest, dass der Gesang gut 1 km weit zu hören war
Am 25. 3. liess sich der Vogel nicht sehen und bis zum Eintritt der Dunkelheit nicht hören; auch auf mein versuchtes Nachahmen seiner Stimmäusserungen regte sich nichts. Als ich aber mit Hilfe eines im Walde befindlichen grossen Blechbehälters durch Zuschlagen des Deckels ein lautes Geräusch erzeugte, begann der Kauz sogleich an gewohnter Stelle mit seinem Lied. Heute hielt der singende Vogel meine vorsichtige Annäherung besser aus, und ich konnte ihn schließliech gegen den vom Mond schwach erhellten Wolkenschleier hoch oben in einer Buchenkrone auf einem dünnen Seitenzweig sitzen sehen. Wieder ließ ich ihn bald darauf allein, und unermüdlich klang die „wilde Stimme des Urwalds“ durch den stillen Buchenwald.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Habichtskauz-Männchen mindestens von Mitte Mai 1941 bis Ende März 1942 im
Zentralgebiet der Lüneburger Heide sein Standquartier hatte. Ende März sang es lebhaft in einem als Brutrevier geeignet erscheinenden
Waldgebiet. Ein zweiter Vogel wurde nicht beobachtet; die gründliche Suche nach einer besetzten Brutstätte, sei es Baumhöhle oder
Raubvogelhorst, führte nicht zum Erfolg.
Wie ist nun dies Vorkommen zu deuten? Die Annahme einer Herkunft des Stückes aus der Gefangenschaft ist zwar nicht widerlegbar, aber recht unwahrscheinlich. Die dem Beobachtungsort nächstgelegenen Brutgebiete befinden sich – soweit sie bekannt sind — im Böhmerwald (Entfernung ca. 550 km), im östlichen Ostpreussen (800 km) und in Südost-Norwegeu (ca. 800 km); 1909 hat ein Paar bei Schweidnitz in Schlesien gebrütet (ca. 550 km). Das Verstreichen eines Brut- oder Jungvogels über derartige Entfernungen ist nahezu ausgeschlossen, denn der Habichtskauz hat sich in seinen Brutgebieten als „äußerst sesshaft“ erwiesen.

Bemerkenswert – meint der Verfasser – sei, daß der Habichtskauz (Strix uralensis) nirgendwo in ganz Norddeutschland, mit Ausnahme Ostpreussens, Durchzügler oder Irrgast festgestellt worden sei, obwohl er durch seine Regsamkeit am Tage, durch seine auffällige Größe und seine geringe Menschenscheu für solche Nachweise geradezu prädestiniert wäre. Aber diese Eigenschaften sprechen andererseits auch dagegen, dass ein etwaiges Brüten in der Heide, wenn es schon seit langem und gar in mehreren Paaren stattgefunden hätte, unentdeckt geblieben wäre. Auch die schon am hellen Nachmittag vorgetragene, markante und weit hörbare Stimme hätte solche Brutansässigkeit verraten müssen. Der Verfasser schließt mit den Worten „… meine bisherigen Feststellungen habe ich trotz ihrer Dürftigkeit hier so ausführlich bekanntgeben, um auch andere Vogelkundige in Nordwestdeutschland zur einer Fahndungsaktion nach den beiden nordisch-alpinen Eulenarten Rauhfusskauz und Habichtskauz zu ermutigen“.

Dies war für lange Zeit die einzige Beschreibung eines Habichtskauz (Strix uralensis) in Norddeutschland. Die Beobachtung wird im „Handbuch der Vögel Mitteleuropas“, Band 9 „Columbiformes bis Piciformes“ auf Seite 617ff wird von Urs N. Glutz von Blotzheim als Irrgast-Beobachtung gewürdigt. Immerhin werden dort auch Beobachtungen aus dem Bergischen Land bei Wipperfürth (19487) und aus dem Graental bei Goslar (1965) beschrieben. Eine geringe Chance sollten also auch heutige Birder haben, diesen nordischen Kauz in ihrem „Heimatrevier“ zu entdecken. Viel Glück!

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