Man sitzt gemütlich im Gartenstuhl, hört das emsige Füttern der Kohlmeisen – und plötzlich geht das Theater los. Ein Grauschnäpper schießt heran, jagt die Meise vom Nistkasten, keift, keilt, fliegt manchmal nur Bögen der Empörung. Keine Jagdszene, kein Zufall – das ist volle Absicht. Wie auf dem Foto des Blogs zu erkennen, wird der Schnäpper sogar „handgreiflich“. Der Grauschnäpper duldet keine Einmischung in seinem Revier, schon gar nicht zur Brutzeit.
Der Grauschnäpper (Muscicapa striata) ist ein kleiner, unscheinbarer Vertreter der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae). Trotz seines schlichten Federkleids und leisen Auftretens zeigt er in der Brutzeit ein auffallend territorial-aggressives Verhalten, besonders gegenüber höhlenbrütenden Arten wie der Kohlmeise (Parus major).
Das Revierverhalten des Grauschnäppers beginnt bereits mit der Ankunft im Brutgebiet, meist im April. Männchen beanspruchen ein Brutrevier, das sie mit charakteristischen Singwarten markieren. Innerhalb dieses Areals dulden sie keine Brutaktivitäten konkurrierender Arten, selbst wenn es sich nicht um direkte Nahrungskonkurrenten handelt. Besonders heftig fällt die Revierverteidigung gegenüber Arten aus, die sich in unmittelbarer Nähe zum eigenen Nest befinden.
Attacken auf Kohlmeisen werden häufig beobachtet, wenn diese in der Nähe eines Grauschnäpper-Brutplatzes füttern. Der Grauschnäpper greift gezielt an, indem er mit schnellen Sturzflügen die fütternden Altvögel bedrängt, sie vom Nistkasten vertreibt oder wiederholt überfliegt. Dieses Verhalten dient vermutlich nicht nur dem Schutz der eigenen Brut, sondern auch der Sicherung exklusiver Nahrungsressourcen im direkten Nestumfeld.
Trotz seiner kleineren Körpergröße geht der Grauschnäpper bei diesen Konfrontationen mit hoher Vehemenz vor. Kohlmeisen bleibt da nur ein vorsichtiges Meideverhalten, das so weit geht, zuerst einen anderen, etwas weiter entfernten, Brutkasten anzufliegen, um dann – wenn die „Luft rein“ ist – erst die eigentliche Brut anzufliegen. Studien und Beobachtungen legen nahe, dass insbesondere in strukturreichen Habitaten mit dichter Konkurrenz um Brutplätze dieses Verhalten ausgeprägter ist. Die Aggression richtet sich dabei nicht gegen Jungvögel oder Nester, sondern primär gegen die adulten Vögel anderer Arten.
Die Territorialität des Grauschnäppers umfasst somit nicht nur die Abwehr artgleicher Rivalen, sondern schließt auch interspezifische Konkurrenz ein. Durch die energische Revierverteidigung versucht der Grauschnäpper, potenzielle Störungen während der Aufzuchtphase zu minimieren und die Reproduktionserfolge zu maximieren. Dieses Verhalten verdeutlicht, wie stark ökologische Nischen und Raumansprüche selbst bei vermeintlich „friedlichen“ Kleinvögeln umkämpft sein können. Immerhin ermöglichte dieses Verhalten einige Action-Aufnahmen mit dem Canon EF 200mm f/2L IS USM – Objektiv an der Canon R 5. Dazu wurde der elektronische Verschluß mit bis zu 1/3200 sec. verwandt. Während anfangs mit Tv (Blendenpriorität) bei maximal offener Blende gearbeitet wurde, zeigten die ersten Bilder Unschärfe durch die äußerst geringe Schärfetiefe. Daher wechselte ich dann in M (Manuell) und verwendete meistens Blende 8 – immer noch mit 1/3200 sec. – und ließ die ordentliche Belichtung durch einen Anpassung über die ISO – Automatik zu. Mit dem elektronischen Verschluß kann die maximale Bildrate bei Reihenaufnahmen erhöht werden. In der EOS R5 erhöht sich die Bildrate beispielsweise von 12 B/s (Bilder pro Sekunde) mit dem mechanischen Verschluss auf 20 B/s mit dem elektronischen Verschluss.
Das größte potenzielle Problem mit elektronischen Verschlüssen ist der Rolling-Shutter-Effekt. Da die Bildinformationen Stück für Stück von den Sensorpixeln abgelesen werden, kann sich ein sehr schnell bewegendes Motiv während der Zeit, die es braucht, um den gesamten Sensor auszulesen, verschieben. Dadurch erscheint das Motiv auf dem finalen Bildergebnis verzerrt. Wie man an den Bildern in der Galerie zu dem fliegenden Grauschnäpper erkennen kann,
hält sich dieser nachteilige Effekt aber sehr in Grenzen.
Um der wachsenden Nachfrage nach Top-Bildern der selteneren Arten der Paläarktis gerecht zu werden, hat Bird-lens.com gezielt Reisen auch an entlegene Orte unternommen. Dies alles, um hervorragende Fotos der Vögel der Westpaläarktis zu gewährleisten. Die Ausbeute an Bildern auch von seltenen westpaläarktischen Vögeln ist sehr gut. Es gibt noch weitere schöne Vogelbilder, die Sie unter der Registerkarte „Picture Shop“ finden. Geben Sie einfach Bescheid, wenn Sie ein Bild von einem Vogel benötigen, der nicht online ist.






