Die Stimme im Schatten: Eine singende Alta-Floresta-Ameisenpitta in Uruá

 Wir sind kaum 500 Meter von der Rangerstation in Uruá im Amazonasgebiet entfernt, jeder Tritt auf dem trocknen Laub meiner Stiefel ist unvermeidbar zu hören. Und trotzdem, unsere Sinne sind aufs Äußerste gespannt, die Ohren gespitzt. Dann höre ich es auch – ein tiefes, eindringliches Pfeifen. Pause. Wiederholt. Wir erstarren alle wie auf Kommando.

Es ist die Alta-Floresta-Ameisenpitta (Hylopezus whittakeri).

Der Vogel ist wie immer unsichtbar, aber der Klang ist unverkennbar – melancholisch, präzise und nah.

Ameisenpittas sind bekanntermaßen scheu, und die Alta-Floresta-Ameisenpitta bildet da keine Ausnahme. Sie lebt tief im Unterholz des Waldes und zeigt sich selten. Doch hier, in einem Stück dichten Terra-Firme-Waldes irgendwo in geringer Höhe über dem Boden, singt sie – tiefe, bedächtige Töne, die wie Nebel vom Waldboden aufsteigen.

Alta-Floresta-Ameisenpitta ist im südlichen Amazonasgebiet endemisch, wobei sich ihr Verbreitungsgebiet auf den Norden Mato Grossos und angrenzende Teile von Pará konzentriert. Der PN da Amazônia ist einer seiner sichersten Lebensräume, insbesondere um Uruá, wo das Gelände relativ flach und die Waldstruktur zwar nicht mehr aus Primärwald besteht (ein Teil wurde tatsächlich bei der Ausrufung des PN da Amazônia für einen Flugplatz gerodet) aber doch nach gut 50 Jahren so weit regeneriert ist. Diese Region beherbergt einen komplexen Unterwuchs, der reich an Laubstreu, umgestürzten Stämmen und dichtem Wurzelgeflecht ist – genau das von dieser bodenbewohnenden Art bevorzugte Mikrohabitat.

Die Alta-Floresta-Ameisenpitta gehört zur Familie der Grallariidae, einer Vogelgruppe, die an die terrestrische Lebensweise angepaßt ist. Sie fliegt selten, sondern hüpft auf der Suche nach Insekten und anderen Wirbellosen über den Waldboden. Ihre kryptische Färbung – dunkel olivbraun auf der Oberseite, mit einer blassen, leicht gefleckten Unterseite – fügt sich perfekt in die schattige, blattübersäte Umgebung ein. Sie ist schwer zu sehen. Hören ist oft die einzige Möglichkeit, ihre Anwesenheit zu bemerken.

Nachdem der genaue Standort erstmal ermittelt ist, geht es dann schnell. Diesmal mache ich erst gar keine Aufnahmen mit One-Shot-AF, sondern habe direkt auf manuellen Fokus gestellt. Nachdem uns unser Guide die Antpitta mit dem Pointer gezeigt hatte, sitzt sie frei und ist super zu sehen. Aber ich nutze wieder die Vergrößerungsfunktion der Canon R5. Sie macht einfach den Unterschied um eine wirklich präzise Einstellung auch in diesem relativ offenen, aber dunklen Habitat zu erreichen. Ich fotografiere mit 1/60 Sek. und bin froh, daß ich das Einbeinstativ dabeihabe. Auf Bewegung muß ich bei ihr nicht einstellen. Sie sitzt bzw. steht auf einem horizontalen Ast und singt einfach.

Das Gebiet in der Nähe der Uruá-Station bietet ideale Bedingungen sowohl für die Art als auch für diejenigen, die sie erforschen möchten. Ein Netz kleiner Pfade schlängelt sich durch verschiedene Waldtypen, von schlingpflanzenüberwuchertem Sekundärwald bis hin zu hohem Primärwald mit riesigen Brettwurzeln. Der Vogel bevorzugt letztere – ruhige, ungestörte Zonen mit dichtem Laub und wenig Fußgängerverkehr.

Am frühen Morgen oder am späten Nachmittag, insbesondere nach leichtem Regen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, einem singenden Exemplar zu begegnen. Männchen singen häufiger während der Brutzeit und nutzen ihren Gesang, um ihr Revier zu markieren oder eine Partnerin anzulocken. Der Gesang – ein klares, gepfiffenes Wh … In einer Region mit dramatischer Artenvielfalt fällt die Alta-Floresta-Ameisenpitta nicht durch ihre Farbenpracht oder ihr Aussehen auf, sondern durch das Paradox, das sie darstellt: unsichtbar und doch präsent, scheu und doch laut, gewöhnlich im Aussehen, aber selten in der Verbreitung. Ihren Gesang in der Nähe von Uruá zu hören, ist wie ein Flüstern aus dem verborgenen Amazonasgebiet.

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