Der Nervenkitzel, inmitten eines Schwarms von Wanderameisen in der Region Sarapiquí im karibischen Tiefland Costa Ricas zu stehen, ist wirklich aufregend. Die Luft knistert vor Spannung, während Erbeuter und Beute ein uraltes Drama aufführen. Diese Atmosphäre wird durch die Kakophonie der Vogelrufe und das scharfe Rascheln der Ameisenbeine über den trocken, auf dem Boden liegenden Blättern verstärkt. Dazu kommt die – nicht unbegründete – Furcht, selber von den Ameisen als Hindernis oder gar als Beute betrachtet zu werden. Die Symbiose jedoch zwischen Wanderameisen und Ameisenvögeln zu beobachten, bietet einen seltenen Einblick und noch seltenere fotografische Möglichkeiten überhaupt Ameisenvögel zu beobachten.
Dies ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen Sie einen Halsband-Ameisenvogel (Phaenostictus mcleannani) sehen und – noch besser – eine zuverlässige Chance hat, ihn zu fotografieren. Der Halsband-Ameisenvogel ist das Juwel der Ameisenvogelgilde. Mit seiner auffällig blauen Haut um die Augen, der orangefarbenen Brust und dem gefleckten Gefieder ist diese Art optisch ebenso faszinierend wie schwer zu fassen. Bei und besonders über einem Schwarm von Wanderameisen kann man sie relativ ruhig sitzen sehen und eine Zeit lang geduldig auf den perfekten Moment warten, um sich auf ihre Beute zu stürzen. Im Schatten des Waldinneren mit Belichtungszeiten um 1/30 Sek. selbst mit ISO 12.800 eine seltene Chance für Nahaufnahmen.
Es gibt nichts Vergleichbares zu dem elektrisierenden Erlebnis, sich inmitten eines Schwarms von Wanderameisen (Eciton burchellii oder Eciton hamatum) in Costa Ricas üppigen Tieflandregenwäldern zu befinden. Der Wald summt vor Leben, während Tausende von Ameisen in unerbittlichen, breitgefächerten Wellen marschieren und alles jagen, was ihnen in den Weg kommt. Doch inmitten dieses organisierten Chaos entfaltet sich ein weiteres faszinierendes Schauspiel – Ameisen verfolgende Vögel, bekannt als Ameisenvögel, die in das Geschehen eintauchen und wieder verschwinden. Diese cleveren Vögel nutzen die organisierte Raserei des Schwarms aus und schnappen sich die Insekten, die von den Ameisen aufgescheucht werden.
Vögel, die Ameisen folgen, haben sich so entwickelt, dass sie sich von Wanderameisenschwärmen ernähren. Diese Vögel fressen die Ameisen nicht selbst, sondern erbeuten Insekten und kleine Wirbeltiere, die vor dem Ansturm fliehen. Diese Fressstrategie ist so spezialisiert, dass bestimmte Vogelarten, die sogenannten obligaten Ameisenfolger, fast vollständig von Wanderameisen abhängig sind, um zu überleben. In den Tieflandwäldern Costa Ricas kann man neben dem Halsband-Ameisenvogel eine große Vielfalt an Ameisenvögeln beobachten. Einer davon ist der Zweifarb-Ameisenvogel (Gymnopithys bicolor). Dieser Vogel ist einer der häufigsten obligaten Ameisenfolger in der Region. Der Zweifarb-Ameisenvogel hat mit seinem schwarz-weißen Gefieder und einem blassbläulichen Fleck nackter Haut um die Augen eine etwas dezentere Eleganz als der Halsband-Ameisenvogel. Diese Vögel sind recht lautstark und kündigen ihre Anwesenheit oft mit scharfen, sich wiederholenden Rufen an. Ein anderer – viel kleinerer – Vogel ist der Fleckenbrust-Waldwächter (Hylophylax naevioides). Mit seiner auffälligen weiß gefleckten Brust und dem rötlichen Rücken ist der Fleckenbrust-Waldwächter ein weiterer prominenter Schwarmbegleiter. Anders als der leisere Halsband-Ameisenvogel sind Fleckenbrust-Waldwächter recht aktiv, hüpfen am Rand des Schwarms umher und zwitschern unaufhörlich.
Ein regelmäßiger Begleiter ist der Nördliche Bindenbaumsteiger (Dendrocolaptes sanctithomae), der zwar taxonomisch gesehen kein Ameisenvogel ist. Trotzdem sind Baumsteiger wie der Nördliche Bindenbaumsteiger häufige Schwarmbegleiter. Diese Vögel mit ihrem langen Schnabel klammern sich an Baumstämme in der Nähe des Schwarms und halten ebenfalls Ausschau nach Beute, die nach oben zu entkommen versucht.
Wanderameisen, insbesondere Eciton burchellii, sind in ihrem winzigen Reich Spitzenprädatoren. Diese eusozialen Insekten bewegen sich in weitläufigen Schwärmen und fressen Spinnen, Grillen und andere kleine Arthropoden. Ein einzelner Schwarm kann Hunderttausende von Individuen umfassen, die alle wie eine gut geölte Maschine zusammenarbeiten. Ihre Raubzüge fegen wie eine lebendige Flut über den Waldboden und ihre Präsenz ist unverkennbar: ein hörbares Rascheln, das Huschen der sich zurückziehenden Beute und die hektische Aktivität opportunistischer Vögel.
Sich inmitten eines Schwarms von Wanderameisen zu befinden, ist ein unvergessliches Erlebnis, das man in die raue, ungezähmte Schönheit der Natur eintauchen kann. Das Zusammenspiel zwischen den unermüdlichen Ameisen und den Ameisenvögeln ist eine ganz besondere Erinnerung an das empfindliche Gleichgewicht des Lebens in Costa Ricas Regenwäldern.
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