Tag Archives: Sylvia nisoria

Ein Wendehals in Estland

WendehalsEin typischer Balzruf schallt aus einer dicht belaubten Baumkrone. Der Ruf besteht aus einer Serie von meist 8 bis 15 gedämpften, mitunter rau klingenden penetrant klingenden „wied_wied_wied“-Lauten. Zu sehen ist aber nichts. Selbst die Richtung aus der die Laute schallen, ist anfangs nicht klar. Im schwachen Morgenlicht sehe ich einen Vogel vorbei fliegen. Zuerst denke ich an eine Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria) oder vielleicht einen kleinen weiblichen Würger wie einen Neuntöter (Lanius collurio). Plötzlich hüpft ein Wendehals (Jynx torquilla) auf der Suche nach einem neuen Ameisenhaufen über den schütter bewachsenen, sandigen Boden. Es bewegt sich recht ungeschickt auf den flachen Boden mit einem von Zeit zu Zeit angehobenen Schwanz. Mit ein paar Hammerschlägen seines Schnabels bricht der Wendehals dann auf mit Erfolg ein Ameisennest auf. Ameisen schwärmen aus, aber sie haben keine Chance. Der Wendehals kann bis zu 150 Ameisen im Hals halten.

Danach fliegt der Wendehals zu einer Eiche und umklammert mit seinen kräftigen Füßen die raue Rinde. Es sieht in Löchern in der Rinde nach Maden und Insekten Ausschau. Der Wendehals erkennt das feine Geräusch eines Käfers, der sich hinter der Rinde bewegt, und setzt schnell seine lange Zunge ein, um das Insekt zu fangen. Der scharfe, meißelförmige Schnabel des Vogels ermöglicht es, in Ameisenhaufen hinein zu fahren. Speziell angepasste Speicheldrüsen halten die Zunge klebrig, so dass sie Ameisen mit einem Schlag aufnehmen können. Die Zunge ist auch lang genug, um Beute unter Steinen und aus Spalten in rissiger Rinde zu extrahieren.

Der Wendehals sammelt oft unverdauliche Fragmente wie Continue reading Ein Wendehals in Estland

A gourmet among woodpeckers: a Wryneck in Estonia

WendehalsHi-pitched callings are coming out of nowhere. Even the direction is not clear. In the poor light of the dawn I see a bird in flight. First I think of a Barred Warbler (Sylvia nisoria) or maybe a small female shrike like a Red-backed Shrike (Lanius collurio). Suddenly a Eurasian Wryneck (Jynx torquilla) hops around the woodland floor in search of a new anthill. It moves clumsily on flat ground, with its tail raised. With a few hammer blows from its bill, the wryneck breaks into the ants nest. Ants swarm out, but they do not have a chance. The Wryneck can hold 150 ants in its throat at any one time.

Afterwards the Wryneck flies to an oak tree, gripping the rough bark with its strong feet. It looks in holes in the bark for grubs and food items. The Eurasian Wryneck detects the tiny sound of a beetle moving behind the bark, and swiftly inserts its long tongue to catch the insect. The bird´s sharp, chisel-tipped bill enables it to smash into anthills. Specially adapted salivary glands keep its tongue sticky, so it can pick up ants with a flicking action. The tongue is also long Continue reading A gourmet among woodpeckers: a Wryneck in Estonia

Blyth’s Reed-Warbler at Matsalu Bay/ Estonia

BuschrohrsängerI am standing at the entrance to a beach area in North-western Estonia, which I had already used to photograph migrating waterfowl 2 days ago. At that time already, I had the impression that a Reed-Warbler is singing in the background. But at that time, I had it “checked off” as a “normal” Reed warbler – maybe a Marsh Warbler (Acrocephalus palustris). Now I’m not so sure and play in the same place, the transition zone of bushes, old reed and beach from the song of the Blyth’s Reed-Warbler (Acrocephalus dumetorum). After a few seconds of melodies, the reaction is prompt. Loud and clear, the Blyth’s Reed-Warbler sings its tune reminiscent of anything between a Marsh Warbler and an Icterine Warbler (Hippolais icterina). I stomp through thick herb layer, stinging nettles, winter rinse and the reeds. A Blyth’s Reed-Warbler appears at an old, dried-up reed stalk and sings against the alleged rival. He sings in the middle of the reeds. Interesting: this is actually ruled out in standard field guide for Western Palearctic by Killian Mullarney, Lars Svensson and Dan Zetterström. It then changes its perch and sits in a rowanberry. The reaction to playing the tape is prompt and unfortunately also associated with many site changes. Nevertheless, I use the time to look at this Blyth’s Reed-Warbler now more closely. He definitely looks much grayer than a Marsh Warbler. After a while, you also have the song in mind and can identify it very well. In Continue reading Blyth’s Reed-Warbler at Matsalu Bay/ Estonia

Buschrohrsänger: Sommergast in Estland

BuschrohrsängerTrotz des frühen Morgen beuteln Windböen die Sträucher und Bäume. Das hilft zwar gegen die Mücken. Aber es führt eben auch dazu, daß die Blätter der Büsche auch ganz ohne die Aktivität von Grasmücken und Rohrsängern bewegt werden. Das wird die Entdeckung des von mir an diesem Morgen gesuchten Buschrohrsängers (Acrocephalus dumetorum) nicht unbedingt einfacher machen. Buschrohrsängersind Langstreckenzieher, die recht spät im Jahr in ihre Brutgebiete im östlichen Mittel- und Nordeuropa ziehen. Aber nun, Ende Mai, sind sie auch an ihrer westlichen Grenze des Verbreitungsgebiets zu finden. Ich habe mir dazu die nordwestlichste Landspitze des Matsalu National Park in Estland ausgesucht. Ein kleines Örtchen, Puisenina, zieht sich wie ein langer Finger in die Matsalu Bay hinein.

Schon 2 Tage vorher, hatte ich mich dem Buschrohrsängersind widmen wollen. Es war mitten am Tag und es windete recht stark. Dieser Umstand und die Tageszeit ist der Vogelbeobachtung ja allgemein nicht zuträglich. Den Buschrohrsänger sahen wir dann auch nur kurz in einem sehr schilfigen Bereich in der Übergangszone zwischen Strauch- und Strandbereich; die Sichtungen waren aber immer nur so kurz, daß es zu keinem anständigen Foto kam. Continue reading Buschrohrsänger: Sommergast in Estland

Sperbergrasmücke mit Zecke am Fertő-tó (Neusiedler See) – Ungarn

SperbergrasmueckeDas Weibchen der Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria) ist jetzt endlich aus dem dichten Holunderbusch hervor gekommen. Die ganze Zeit schon hatte ich auf der Suche nach der Sperbergrasmücke aufmerksam die Gegend abgehört. Es ist aber ziemlich heiß und allein der Warnruf der Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla) ist zu hören. Dann ist auch mal ein Männchen vom Neuntöter (Lanius collurio) zu sehen. Das Revier verteidigt er von einer erhöhten Warte an einer Feldeinfahrt aus. Es ist schon 8:00 als ich dann doch eindeutig den Alarmruf Continue reading Sperbergrasmücke mit Zecke am Fertő-tó (Neusiedler See) – Ungarn