Tag Archives: Sumpfrohrsänger

Feldmerkmale des Buschrohrsängers

BuschrohrsängerEine mitteleuropäische Entdeckung eines Buschrohrsängers (Acrocephalus dumetorum) im Feld erfolgt erstaunlich selten – wenn man sieht, wie nah die westliche Verbreitungsgrenze dieser Art ist. Über die Beobachtung eines Buschrohrsängers im Matsalu National Park in Estland hatte bird-lens.com ja bereits berichtet. Es wird wohl an der Ähnlichkeit mit den beiden heimischen Rohrsängerarten, Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) und Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) liegen. So sind Meldungen wie die in ornitho.de vom 1. Oktober 2017 („..Bestimmung nachträglich anhand von Bildern. Bei Nachsuche am 22.10. von mir nicht mehr wiedergefunden.“) auch nicht verwunderlich.

Hinzu kommt, daß der Vogel nicht so eindeutig singt, auch ein guter Imitator ist, daß man auf Anhieb an einen Buschrohrsänger. Die Meldung in ornitho.de vom Donnerstag, 22. Juni 2017 ist da symptomatisch. Ein Buschrohrsänger in Bielefeld sang mehrmals kurz, Teile erinnern an Sumpfrohrsänger, Teile an Gelbspötter. Man grenzte die Artbestimmung dann über den Lebensraum (Hecken/Bäume in einem bebauten Gebiet) ein. Man hat also nicht nur die Rohrsänger, vor allem den Sumpfrohrsänger, sondern auch noch Gelbspötter (Hippolais icterina) oder sogar Orpheusspötter (Hippolais polyglotta) auseinander zu halten. Erstaunlich – oder auch nicht – hoch ist der Prozentsatz an Fängen, so u.a. im Fanggarten Continue reading Feldmerkmale des Buschrohrsängers

Buschrohrsänger: Sommergast in Estland

BuschrohrsängerTrotz des frühen Morgen beuteln Windböen die Sträucher und Bäume. Das hilft zwar gegen die Mücken. Aber es führt eben auch dazu, daß die Blätter der Büsche auch ganz ohne die Aktivität von Grasmücken und Rohrsängern bewegt werden. Das wird die Entdeckung des von mir an diesem Morgen gesuchten Buschrohrsängers (Acrocephalus dumetorum) nicht unbedingt einfacher machen. Buschrohrsängersind Langstreckenzieher, die recht spät im Jahr in ihre Brutgebiete im östlichen Mittel- und Nordeuropa ziehen. Aber nun, Ende Mai, sind sie auch an ihrer westlichen Grenze des Verbreitungsgebiets zu finden. Ich habe mir dazu die nordwestlichste Landspitze des Matsalu National Park in Estland ausgesucht. Ein kleines Örtchen, Puisenina, zieht sich wie ein langer Finger in die Matsalu Bay hinein.

Schon 2 Tage vorher, hatte ich mich dem Buschrohrsängersind widmen wollen. Es war mitten am Tag und es windete recht stark. Dieser Umstand und die Tageszeit ist der Vogelbeobachtung ja allgemein nicht zuträglich. Den Buschrohrsänger sahen wir dann auch nur kurz in einem sehr schilfigen Bereich in der Übergangszone zwischen Strauch- und Strandbereich; die Sichtungen waren aber immer nur so kurz, daß es zu keinem anständigen Foto kam. Continue reading Buschrohrsänger: Sommergast in Estland

Sumpfrohrsänger als Spötter der afrikanischen Vogelwelt

SumpfrohrsängerDer Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris), ist einer der besten Spötter der Vogelwelt. Viele andere Vögel imitieren Geräusche ihrer Umgebung, aber Sumpfrohrsänger waren die ersten, bei denen herausgefunden wurde, daß sie sowohl Vogelstimmen aus ihrem Sommer- als auch aus dem Winterquartier imitieren. Ein sehr schöner Artikel von Ulf Elman „Marsh warbler mimicking identified African and European bird sounds in recording“ beschreibt auf Englisch, wie jetzt die Arten gefunden wurden, die der Sumpfrohrsänger aus seinem Winterquartier imitiert.

Gemäß seiner Einschätzung wird die Imitationsleistung des Sumpfrohrsänger von keiner anderen Vogelart übertroffen. Sein Nachsingen der Gesänge anderer Vögel ist wirklich bemerkenswert. So wurde von Françoise Dowsett-Lemaire untersucht welche, der in der Literatur über 100 europäischen Vogelarten und mehr als 100 afrikanischen Vogelarten durch das Sumpfrohrsänger nachgeahmt werden. Eine Ausarbeitung Continue reading Sumpfrohrsänger als Spötter der afrikanischen Vogelwelt

Junge Ringeltaube auf Holunderstrauch

RingeltaubeDer Blick sucht die Weite des Havelländische Luch bei Buckow  ab. Weihen, vor allem Rohrweihen(Circus aeruginosus) und Wiesenweihen (Circus pygargus) finden hier ein perfektes Jagdgebiet. Vor allem in den frühen Morgenstunden und in den Abendstunden kurz vor der Dämmerung kann die Jagd mehrerer Weihenarten beobachtet werden. Beobachtungstürme bei Buckow und bei Garlitz bieten Beobachtern hervorragende Möglichkeiten, den Weihenflug aus erhöhter Perspektive und relativ nah mitzuerleben. Aber auch sonst stellt diese einzigartige Niederungslandschaft einen guten Lebensraum für Vögel dar. Direkt am Beobachtungsturm bei Buckow steht ein Holunderstrauch der Art Schwarzer Holunder (Sambucus nigra). Er ist keine 8 Meter vom Turm entfernt und oben schon recht kahl. Mit seinen vertrockneten, flechtenbewachsenen Zweigen bietet er auf Augenhöhe mit dem Beobachtungsfenster des Turms einen guten Platz, um aufgebaumte Vögel aus erhöhter Perspektive und sehr nah zu erleben. Dieser Holunder scheint ein ganz besonderer Anziehungspunkt zu sein.

Meist sind es Singvögel, die die erhöhte Warte nutzen. Eine Überraschung war dann aber doch, daß plötzlich auf der Holunderspitze eine dunkel wirkende Taube saß. Wie sich beim zweiten Blick herausstellte, handelte es sich um eine junge Ringeltaube (Columba palumbus). Arttypisch ist Continue reading Junge Ringeltaube auf Holunderstrauch

Nachweis des Schlagschwirls (Locustella fluviatilis) im Hintertaunus

SchlagschwirlAm 21.05.14 konnte auf eine Meldung in Ornitho.de bei einem Besuch der Umgebung von Idstein im Hintertaunus ca. 40 km nördlich vom Frankfurt Stadtmitte ein singender Schlagschwirl entdeckt werden. Es wurden Fotobelege gemacht. Der Gesang war schon aus einer Entfernung von gut 100 Meter sehr gut zu vernehmen. Der Schlagschwirl sang auf einem recht kleinen Weidengebüsch – dem kleinsten in der Umgebung – ausdauernd. Von dort wechselte der Schlagschwirl gelegentlich in das angrenzende vorjährige Schilf, um dann wieder in die Reihe mit Weidengebüschen zu fliegen. Der Aktionsradius betrug während der Continue reading Nachweis des Schlagschwirls (Locustella fluviatilis) im Hintertaunus