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Das Wattenmeer: eine einzigartige Vogelheimat

RotschenkelDas Wattenmeer gilt als eine der letzten naturnahen Landschaften Mitteleuropas. Die Mischung aus extremem Lebensraum, ungestümer Dynamik, endloser Weite und Stille faszinieren wohl jeden Besucher. Das Wattenmeer ist eine Küstenlandschaft von beispielloser Größe und Vielfalt. Wie kein anderes Ökosystem verändert das Wattenmeer täglich sein Gesicht. Es hat Land- und Meercharakter zugleich. Wind und Wellen modellieren ständig seine Oberfläche.

Das Wattenmeer ist nur geringen Flusseinflüssen ausgesetzt. Hochdynamische natürliche Prozesse werden daher im überwiegenden Teil des Watts nicht unterbrochen, wodurch eine Vielzahl von Barriereinseln, Kanälen, Sandebenen, Prielen, Salzsümpfen und anderen Küstenelementen entsteht.

Und wie kein anderes Ökosystem kann das Wattenmeer seine Farbe ändern. Wattpfützen leuchten plötzlich golden im Schein der untergehenden Sonne. Die Farben des noch nassen Watts ändern sich von Gelb über Orange nach Rot. Die Abendstimmung im Sandwatt bei Föhr kann blau-violette Töne aufweisen. Schließlich künden intensive Blautöne von der hereinbrechenden Dunkelheit. Continue reading Das Wattenmeer: eine einzigartige Vogelheimat

Das Wattenmeer: Alpenstrandläufer im Streit

Im Mai letzten Jahres war ich eine Woche auf der Insel Norderney, im ostfriesischen Wattenmeergebiet. Die Küste und die Dünenlandschaft mit der dort heimischen Flora und Fauna sind für Fotografen immer ein lohnendes Ziel. Ich befand mich gerade am Strand. Ein Trupp durchziehender Alpenstrandläufer (Calidris alpina) landete nicht allzu weit von dem im feuchten Sand liegenden Fotografen. Plötzlich veranstalteten zu meiner Rechten einige Strandläufer einen erstaunlichen Lärm.

Zwei von ihnen waren in einen handfesten Streit verwickelt. Die Rivalen stellten sich aufrecht und machten sich damit deutlich größer als sie sonst scheinen. Dann sprangen sie abwechselnd hoch, riefen ihre eindringliche Rufe aus und attackierten sich bis das Wasser hoch aufspritzte. In der kurzen Zeit, die der Kampf anhielt, nutzte ich die Gelegenheit, die Szene festzuhalten als der unterlegene Rivale fluchtartig das “Feld” verlassen hatte und der Gewinner noch mit erhobenen Schwingen auf der Arena herum lief. Einige Sekunden später war alles wieder ruhig, als wäre nichts passiert. Es war einmal mehr so ein glücklicher und völlig überraschender Moment für einen Naturfotografen, für den es sich lohnt, ständig die Kamera bereitzuhalten und den Finger am Auslöser zu lassen.

Will man Vögel fotografieren, ist Mai die beste Zeit auf der Insel Norderney, denn das Brutgeschäft ist dann in vollem Gange. Unter anderen haben hier Flußseeschwalben (Sterna hirundo), Austernfischer (Haematopus ostralegus) und Großer Brachvögel (Numenius arquata) ihre Nistplätze. Jeden Morgen machte ich mich schon vor Sonnenaufgang auf zu einem bei Ebbe trocken fallenden Wattengebiet auf der Südseite der Insel. Hier lassen sich zahlreiche typische Brutvogelarten besonders gut beobachten, denn sie zeigen kaum Scheu vor Menschen. Ein Damm verhindert allerdings, dass man den Tieren zu nahe kommt. Eigentlich konzentrierte ich mich hauptsächlich auf die hemmfliegenden Flußseeschwalben, die mit Continue reading Das Wattenmeer: Alpenstrandläufer im Streit