Tag Archives: Acrocephalus scirpaceus

Karmingimpel im Murnauer Moos

KarmingimpelAusgangspunkt unserer Wanderung ist der Parkplatz bei der Gaststätte “Ähndl“. Heute steht eine Rundwanderung im Murnauer Moos auf dem Programm. An einem kleinen Schilfstreifen sind bald aufgeregte, schwätzende, kräftige Laute zu hören. Da die Rufe sehr schnell vorgetragen werden und sie sich nicht wirklich entscheiden können, ob sie zu einem Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) oder einem Gelbspötter (Hippolais icterina) gehören sollen, wird schnell klar, dass hier ein Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) ganz ausgezeichnet andere Vögel imitiert. Im Gebüsch sind unzählige Gartengrasmücken (Sylvia borin) zu hören und gelegentlich auch zu sehen. Tatsächlich ist praktisch auf jedem Baum und jedem Busch mindestens eine Grasmücke zu sehen oder zu hören. Auch Fitisse (Phylloscopus trochilus) sind in kopfstarker Zahl in den Weichhölzern entlang des Schilfs unterwegs. Während wir von weiter weg auch den scharfen, weit tönenden Gesang eines Braunkehlchens (Saxicola rubetra) lauschen, hören wir plötzlich den markanten Ruf des Gimpels. Ein wunderschönes Männchen des Karmingimpels (Carpodacus erythrinus) ist schon nach kurzer Zeit auf einem niedrigen Schwarz-Erlenstrauch (Alnus glutinosa) zu sehen.

In der Ferne sind immer wieder Braunkehlchen zu sehen, die im Prachtkleid auf einzelnen Halmen ihren Gesang vorgetragen haben.  Neben den Braunkehlchen sind auf den Rohrhalmen die Männchen der Rohrammer (Emberiza schoeniclus) zu sehen und zu hören.

Die gelben Unterseiten der Schafstelze (Motacilla flava) sind immer wieder schön zu sehen, wenn sie im bogenförmigen Flug über die Continue reading Karmingimpel im Murnauer Moos

Feldmerkmale des Buschrohrsängers

BuschrohrsängerEine mitteleuropäische Entdeckung eines Buschrohrsängers (Acrocephalus dumetorum) im Feld erfolgt erstaunlich selten – wenn man sieht, wie nah die westliche Verbreitungsgrenze dieser Art ist. Über die Beobachtung eines Buschrohrsängers im Matsalu National Park in Estland hatte bird-lens.com ja bereits berichtet. Es wird wohl an der Ähnlichkeit mit den beiden heimischen Rohrsängerarten, Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) und Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) liegen. So sind Meldungen wie die in ornitho.de vom 1. Oktober 2017 („..Bestimmung nachträglich anhand von Bildern. Bei Nachsuche am 22.10. von mir nicht mehr wiedergefunden.“) auch nicht verwunderlich.

Hinzu kommt, daß der Vogel nicht so eindeutig singt, auch ein guter Imitator ist, daß man auf Anhieb an einen Buschrohrsänger. Die Meldung in ornitho.de vom Donnerstag, 22. Juni 2017 ist da symptomatisch. Ein Buschrohrsänger in Bielefeld sang mehrmals kurz, Teile erinnern an Sumpfrohrsänger, Teile an Gelbspötter. Man grenzte die Artbestimmung dann über den Lebensraum (Hecken/Bäume in einem bebauten Gebiet) ein. Man hat also nicht nur die Rohrsänger, vor allem den Sumpfrohrsänger, sondern auch noch Gelbspötter (Hippolais icterina) oder sogar Orpheusspötter (Hippolais polyglotta) auseinander zu halten. Erstaunlich – oder auch nicht – hoch ist der Prozentsatz an Fängen, so u.a. im Fanggarten Continue reading Feldmerkmale des Buschrohrsängers

Haubentaucher auf dem Altmühlsee

HaubentaucherEin Haubentaucher (Podiceps cristatus) sitzt aufrecht auf seinem Nest. Die Entfernung vom Steg beträgt nur 12 Meter. Am Altmühlsee haben sich die Haubentaucher an die Nähe des Menschen gewöhnt. Während der Brutzeit sitzt praktisch immer ein Altvogel auf dem schwimmenden Nest, nur wenige Zentimeter über der Wasserlinie. Der Partner sucht derweil nach Nahrung um den brütenden Altvogel mit kleinen Fischchen und Schwimminsekten zu versorgen. Früher im Jahr, so ab März/ April kann man ihr spektakuläres Balzverhalten beobachten. Brust an Brust richten sie sich im Wasser mit Nistmaterial im Schnabel auf und schließlich erfolgt auf einer der eigens zu diesem Zweck errichteten Plattformen aus abgebrochenen Schilfhalmen und Röhricht die Kopulation.

Die Haubentaucher sind am Altmühlsee so zutraulich, dass sie auf der Vogelinsel auch direkt neben dem Rundweg brüten. Sie scheuen sich dabei nicht unter den Holzbrücken hindurch zu tauchen, auch wenn Besucher darauf stehen. Man muss sich dann nur auf dem Holzsteg postieren und die anschwimmenden Vögel fotografieren. Continue reading Haubentaucher auf dem Altmühlsee

Altmühlsee: neue Vogelheimat im Fränkischen

BeutelmeiseFeine Rufe tönen aus dem Schilf. An Rohrkolben findet die Beutelmeise (Remiz pendulinus) das Material für ihr kunstvolles Nest. Mit dem Altmühlsee südöstlich von Nürnberg wurde ein künstliches Biotop geschaffen, das vor allem für zahlreiche Vogelarten mittlerweile zum unverzichtbaren Lebensraum wurde. Beutelmeisen, Feldschwirl (Locustella naevia), Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) und Blaukehlchen (Luscinia svecica) brüten hier, während zu den Zugzeiten auch immer wieder Irrgäste zu beobachten sind.

Der seit 1985 geflutete, etwa 450 Hektar große Altmühlsee ist Teil eines Großprojektes des Freistaates Bayern zur Überleitung von Wasser von der Donau in den Main. Er liegt gut 20 km südöstlich von Ansbach zwischen den Orten Gunzenhausen und Muhr am See. Das Gebiet zwischen Weidenbach und Gunzenhausen war vor dem Bau der Stauseen von zahlreichen Armen der Altmühl durchflossen und aufgrund der alljährlichen Überschwemmungen eine der größten zusammenhängenden Feuchtwiesenflächen Süddeutschlands, die ursprünglich weit über 1.000 Hektar umfasste. Viele Wiesenbrüter fanden dort ihre Reviere.

Mit dem Baubeginn des Ausgleichsbeckens 1978 veränderte sich das Gebiet nachhaltig: Ein großer Teil der Feuchtwiesen wurde Continue reading Altmühlsee: neue Vogelheimat im Fränkischen

Vielfältige Lebensräume auf Rhodos

ZwergdommelEine Blumenwiese in einem Olivenhain wirkt wie aus einem Van Gogh entsprungen. Die natürliche Szenerie auf dieser größte Inseln des Dodekanes präsentiert sich dem Betrachter harmonisch und vielfältig: lange Sandstrände, steinige Garrigue und schattige Schluchten, dichte Macchia und satt grüne Nadelwälder, ausgedehnte Oliven- Haine sowie dichte Teppiche bunter Wildblumen. Besonders im Innern finden sich, anders als auf den meisten übrigen griechischen Inseln, zahlreiche Wälder und Gehölze.

Nur wenige Kilometer vor der türkischen Küste liegt Rhodos in der südöstlichen Ägäis. Die Insel wird von einer in Längsrichtung verlaufenden Bergkette dominiert. Der Ataviros stellt mit 1215 m NN die höchste Erhebung der Insel dar. Mit breitem Abstand folgen der Akramitis (825 m) und der Profitis Ilias (798 m). Diese Berge zählen zusammen mit dem nahe gelegenen Kap Armenistis zu den bedeutendsten Naturräumen Griechenlands. Die Berge von Rhodos sind Teil des Dinarianischen Bogens, der sich über die Inseln Gythera, Karpathos und Kreta, den Peloponnes bis nach Continue reading Vielfältige Lebensräume auf Rhodos

Kuckucke auf dem Frühjahrszug

KuckuckBald ist wieder die Zeit auf die häufig besungenen und beschriebenen Rufe des Kuckuck (Cuculus canorus) zu achten. 7 Satelliten markierte Kuckucke haben damit begonnen, sich den Weg in die Brutgebiete zu machen. Wissenschaftler des britischen British Trust for Ornithology (BTO) wurden mit Transmittern ausgestattet, um den Zugverlauf dieser sagenumwobenen Vögel herauszufinden.

Wie in Mitteleuropa hat die Population des Kuckucks in den letzten 25 Jahren einen alarmierenden Rückgang in Großbritannien erfahren. Die Zahlen fielen in dem Zeitraum um 65 Prozent. Die Nachverfolgung mit Hilfe von Satelliten durch den BTO haben bereits erhebliche Mengen an Informationen zum – bisher unbekannten – Migrationsmuster der Vögel zur Verfügung gestellt. Vielleicht können so einige Antworten zu den Gründen für den Niedergang des europäischen Kuckucks gegeben werden.

Derzeit werden 5  Satelliten markierte Kuckucke aus Continue reading Kuckucke auf dem Frühjahrszug

Overshoots im Frühjahrszug auf den britischen Inseln

GartenrotschwanzEs lohnt sich immer wieder, mal über den Tellerrand des unmittelbaren Orni-Umfelds zu schauen. So konnten auch die Birder auf der Insel im Westen des Kontinents das erste Wochenende im April als Frühling mit angenehmen Temperaturen, einem leichten Windchen und in der Regel Sonnenschein willkommen heißen. Mit den frühlingshaften Temperaturen war auch auf den britischen Inseln ein deutlicher Schub von sommerlichen Migranten verbunden: Ringdrosseln (Turdus torquatus) wurden verstärkt an ihren traditionellen Rastplätzen angetroffen; es gab einen bemerkenswerten Einflug von Gartenrotschwänzen (Phoenicurus phoenicurus) (weitgehend Männchen) und auch andere Zugvögel wie Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca), Feldschwirl (Locustella naevia), Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) und Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus)  waren erstmals in diesem Jahr zu bewundern.

Mit dem zunehmenden Vogelzug aus südlichen Gefilden wuchs natürlich auch die Vorfreude auf die Vögel, die von den Briten „overshoots” genannt warden. Dies sind Zugvögel, die in dieser Zeit ihr eigentliches Verbreitungsgebiet nach Norden überschreiten und in Großbritannien und Irland in den kommenden Wochen nur sporadisch wahrgenommen werden und sich dann in ihre südlichen Brutgebiete zurückziehen. Hier konnten u.a. schon die ersten Beobachtung mit einem Rotkopfwürger (Lanius senator) bei der Windmill Farm, Cornwall gemacht werden. Schon fast „fest-gebucht“ zu diesem Zeitpunkt ist der Continue reading Overshoots im Frühjahrszug auf den britischen Inseln

Brutgeschäft bei Graureihern in Stuttgart

GraureiherDie Brutvorbereitung der Graureiher (Ardea cinerea) am Max-Eyth-See, einem bekannten Erholungssee direkt bei Stuttgart, findet Anfang bis Mitte Februar statt. Dann besetzen die Graureiher ihre Horste. Die Nester werden ausgebessert oder neu gebaut. In dieser Zeit Ist es sehr lebhaft in der Kolonie. Unermüdlich suchen die Vögel auf dem Boden und in den Baumkronen nach abgebrochenen Zweigen. Haben sie dabei einen etwas dickeren erwischt, fliegen sie schwerfällig wieder zu den Horsten. Es werden auch Zweige von Bäumen abgerissen oder von anderen Horsten stibitzt. Diese Phase im Jahresablauf der Graureiher, eignet sich gut, um schöne Verhaltensbeobachtungen zu machen.

Der Max-Eyth-See ist Continue reading Brutgeschäft bei Graureihern in Stuttgart

Graureiher im Neckarraum

GraureiherReiher, Enten, Bläßrallen. Die Menge an Vögeln ist zu allen Jahreszeiten beeindruckend. Der Max-Eyth-See ist ein wahres Vogelparadies. Man würde das zunächst nicht erwarten, da das Gewässer ein bekannter Erholungssee direkt bei Stuttgart ist. Und doch haben Graureiher (Ardea cinerea) hier eine grosse Brutkolonie mit ca. 60 Nestern. Bei schönem Wetter sind auf dem See die Segel- und Tretboote unterwegs. Auf den Wiesen wird Fußball gespielt oder mit der ganzen Familie ein Grillfest gefeiert. Entsprechend groß ist dort die Unruhe. Es gibt jedoch auch einige Zonen, die die Boote nicht befahren dürfen. Diese Bereiche sind mit Pfosten und Seilen abgegrenzt. Durch dieses Nebeneinander von Erholungsflächen und Ruhezonen ist der Max-Eyth-See auch ein Vogelparadies. Auch ca. 50 Kormoran (Phalacrocorax carbo) leben dort und einige brüten auch. Seit einigen Jahren ist sogar das Brüten der seltenen Nachtreiher (Nycticorax nycticorax) bekannt.

In der Nähe von Stuttgart, bei Mühlhausen, liegt der künstlich vergrößerte Max-Eyth-See. Er ist von verschiedenen Stuttgarter Continue reading Graureiher im Neckarraum

Bearded Tits south of Berlin

Bartmeise, Although the capital of Germany, Berlin has a lot to offer in terms of nature, too. In addition to the natural richness this is a legacy of the division of Germany, which has prevented the city´s spread after the end of the 2nd World War like in no other city. This means, that even today you often have to pass the city limits only in order to stand in the middle of nature. One of these areas is the Nature Park “Lowlands of Nuthe and Nieplitz”. The small rivers Nuthe and Nieplitz are located south-west of Berlin and form Continue reading Bearded Tits south of Berlin

Bartmeisen am Blankensee, Brandenburg

BartmeiseVon den kleinen Flachlandflüssen Nuthe und Nieplitz wird südwestlich von Berlin eine einzigartige Niederungslandschaft begrenzt. Ein besonderes Vogelparadies ist mitten drin der flache (nur ca. 60cm tiefe) Blankensee, der über einen ausgedehnten Röhrichtgürtel verfügt. Dieser soll angeblich bis zu 300 Meter breit sein. Verschiedene Rohrsängerarten (Acrocephalus sp.), Blaukehlchen (Luscinia svecica) und Bartmeisen (Panurus biarmicus) besiedeln den See. Ein Bohlensteg mitten Continue reading Bartmeisen am Blankensee, Brandenburg